Projektvorstellung

In den Jahren 2000 bis 2002 werden an insgesamt neun ausgewählten Kompostierungsanlagen in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wiederholt Messungen zu Freisetzungen von Mikroorganismen durchgeführt.

Die Festschreibung einer möglichst einheitlichen Messstrategie und -methodik, welche die verschiedenen Anlagenspezifika, wie z.B. topografische Lage, Anlagen- und Verfahrenstechnik, berücksichtigt, soll die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglichen.

Die Koordination des interdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojektes liegt am Institut für Angewandte Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Des Weiteren sind das Institut für Hygiene und Umweltmedizin (JLU Gießen), der Deutsche Wetterdienst (DWD) und der TÜV Süddeutschland beteiligt.

Der Deutsche Wetterdienst bestimmt anhand der Wetterlage vor Ort die Einsatztermine für die Messungen im Umfeld der Kompostierungsanlagen.
Untersuchungen vom Ausgangs-
... bis zum Endprodukt.
Während der Messungen sollen an den Anlagestandorten Wettersituationen herrschen, die zum einen die häufigsten Wettersituationen widerspiegeln ("normal-case"), zum anderen solche Bedingungen, die in der Vergangenheit Anlass zu Geruchsbeschwerden gaben ("real-worst-case").
Abhängig vom Standort und der meteorologischen Situation werden in Gegenden mit geneigtem Gelände in windstillen Nächten häufig sogenannte Kaltluftströme für den Transport von Gerüchen verantwortlich gemacht, welche ohne Verwirbelungen die Emissionen einer Kompostierungsanlage in hangabwärts gelegene Wohngebiete transportieren können.


Zeitgleich zu den mikrobiellen Messungen werden auftretende Gerüche mit standardisierten Verfahren aufgenommen und ausgewertet.
Dadurch soll ein potenzieller Zusammenhang zwischen einer erhöhten Konzentration von Mikroorganismen und der verstärkten Wahrnehmung von Gerüchen im Umfeld von Kompostierungsanlagen untersucht werden.

Zur Einschätzung der umweltmedizinischen Bedeutung ist neben der Bestimmung der Konzentration der Mikroorganismen in der Luft auch die Identifizierung relevanter Mikroorganismengruppen vorgesehen, bei denen ein allergenes Potenzial nachgewiesen wurde. (Beispiele: thermophile Actinomyceten und Aspergillus fumigatus.)

Ärzte befragen im Rahmen epidemiologischer Untersuchungen Anwohner einzelner, ausgewählter Anlagen über ihre möglichen Beschwerden, Gesundheitsbeeinträchtigungen und Erkrankungen. Zusätzlich sollen spezifische Fragen die Geruchsproblematik möglichst objektiv erfassen. Psychosomatische Fragestellungen sollen die Angaben der Befragten zu gesundheitlichen Beschwerden sowie der Geruchseinwirkung auf ihre Gesundheit sichern.

Mit Hilfe der erarbeiteten Messergebnisse wird zunächst getestet, inwieweit bestehende Modelle für die Beschreibung der Ausbreitung von Mikroorganismen aus Kompostierungsanlagen geeignet sind und welche Modifikationen gegebenenfalls vorgenommen werden müssten. Anhand der entwickelten Modelle soll es mölich sein, auch für andere Anlagen eine mögliche Belastung der Anlagenumgebung mit Mikroorganismen vorherzusagen.

Die in diesem Projekt erlangten Erkenntnisse sollen Betreibern von Anlagen, Behörden und der Bevölkerung mehr Sicherheit und Wissen über die Ausbreitung von Mikroorganismen geben. In dem Projekt ist eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit eingerichtet, die sowohl Ansprechpartner für alle am Projekt beteiligten Gruppen als auch für interessierte Bürger ist.

Das gesamte Projekt soll zur Versachlichung der kontrovers geführten Diskussion beitragen.