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Aktuelles Theaterprojekt

Im Sommer 2018 startet die Theatergruppe des Instituts für Germanistik ein neues Experiment.

 

 Ein Tanz mit dem Tod

Johannes Kolross‘ „Spil von fünfferlay betrachtnussen ... zur Buß“ (1532)

 

„Wach städts vnd bätt, das ich nit find / Entschlaffen dich inn dyner sünd!“, ermahnt der Tod einen jungen Mann, nachdem er diesen zunächst während eines sündhaftem Tanzes niedergestreckt, ihm aber auf sein Betteln hin noch eine Gnadenfrist gewährt hat, um sich vor dem Tode zu bekehren: „Memento mori“ ist damit die Grundaussage des Spiels, welches der reformierte Schullehrer Johannes Kolross 1532 mit seinen Schülern in Basel aufführte. Die besten Vorsätze hat nun der junge Mann – aber kann er sie auch umsetzen? Die „Gesellen der Welt“ und Teufel versuchen, den Jüngling von seinem Weg abzubringen – vergeblich. Bei anderen aber sind der Teufel und seine Todsünden erfolgreich, und so bleibt dem Epilogsprecher nichts anderes übrig, als noch einmal eindringlich alle an den unausweichlich nahenden Tod zu erinnern.

Das Spiel besitzt eine ganz andere Ästhetik als die bewegten Komödien der Zeit, die oft durch die Komödien des Terenz beeinflusst sind. Es ist geprägt durch lange, predigthafte Repliken, die einem heutigen Publikum eher fremd sind. Seine Aufführung des Spiels durch die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Universität Gießen steht im Kontext eines internationalen Forschungsprojekts „Theatres of Persuasion“, das den europäischen Moralitäten des 16. Jh. gewidmet ist. Durch experimentelle Aufführungen, bei denen die Text möglichst wenig bearbeitet werden, will es untersuchen, welche Bühnenwirksamkeit diese scheinbar rein rhetorische Textsorte entwickeln kann – durch visuelle und akustische Effekte, die nicht im Text selbst stehen.


Baseler Totentanz, Kunstmuseum Basel

 

Aufführungstermine:
25.06.2018, 19.30 Uhr: Gießen, Botanischer Garten
04.07.2018, 18.00 Uhr: Leeds, Uni-Campus
07.07.2018, 16 Uhr: Grünberg, Schloss (ehem. Antoniterkloster)