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Die Dramen Jacob Lochers und die frühe Humanistenbühne im süddeutschen Raum 
Berlin/New York: Walter de Gruyter, 2005 (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte 37).
ISBN 3-11-018350-1.
http://www.degruyter.de

 

Rezension von Thomas Zinsmaier,
in: Germanistik 47 (2006), S. 239.

Der Ehinger poeta laureatus Jacob Locher Philomusus hat 1495 als erster deutscher Dramenautor des Frühhumanismus ein eigenes Schauspiel auf die Bühne gebracht, die Historia de Rege Frantie. Sechs weitere dramatische Werke Lochers sollten bis 1513 folgen: v. a. politische Dramen, daneben aber auch wissenschaftspolitische und eine sehr persönliche Abrechnung mit einem wissenschaftlichen Gegner.
Trotz ihrer theatergeschichtlichen Bedeutung haben Lochers Schauspiele bisher in der Forschung kaum Beachtung gefunden. Die vorliegende Studie bemüht sich nicht nur um die Verortung dieser Dramen in der Literaturgeschichte Deutschlands; an ihnen soll vielmehr exemplarisch die Entstehung und Entwicklung des süddeutschen Humanistendramas im reichen Beziehungsfeld inner- und außerliterarischer Faktoren beleuchtet werden. Es wird gefragt, welche Bedingungen die Ausbildung der einen oder anderen dramatischen Form begünstigt haben, wie stark der Einfluss des Renaissancedramas in Italien, der lokalen mittelalterlichen Spieltradition und der städtischen Festkultur, der Politik und des Universitätsmilieus waren und inwieweit die Humanistendramen auf die Stadt, den Hof und die Universität zurückgewirkt und eine aktive Rolle im gesellschaftlichen Leben eingenommen haben oder zumindest gemäß den Vorstellungen des Autors einnehmen sollten. Eingehende Vergleiche der Dramen des Philomusus mit Werken Jakob Wimphelings, Johannes Reuchlins, Josef Grünpecks, Heinrich Bebels, Konrad Celtis' u.a. decken auf, inwieweit sich die deutschen Frühhumanisten in ihrer Dramenproduktion wie auch in ihrer Literatur- und Bildungstheorie gegenseitig beeinflusst und inspiriert haben. Zugleich wird durch die Textvergleiche die Eigenart von Lochers Werken augenfällig, die sich immer wieder um die Frage des gerechten Kriegs, um die Frage nach dem rechten Lebensweg und um die Rolle des Dichters als einer Stütze der Gesellschaft drehen. Große Bedeutung kommt nicht zuletzt auch der Frage zu, welche Rolle die Performanz für die Aussagekraft des jeweiligen Werks spielt. Dabei werden zum Teil auch überzeitliche Strategien der Propaganda im audiovisuellen Medium aufgedeckt.
Im Anhang findet sich eine Edition der dramatischen Werke Jacob Lochers.