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Lutz-Henning Pietsch

Stipendiaten

         

Die Gewalt der Vernunft.
Diskursstrategien in der Konfrontation
von empirischer Anthropologie und transzendental-philosophie am Ende des 18. Jahrhunderts

(Germanistik)



 

Geboren 1971 in Leer; 1992-1999 Studium der Germanistik, Anglistik und Geschichtswissenschaft in Regensburg;
1995-1996 Auslandsstudienjahr an der Wesleyan University, Connecticut (DAAD-Nordamerikanistenprogramm);
1997-1999 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl Prof. Dr. Georg Braungart, Regensburg; redaktionelle Mitarbeit am 2. Band des Reallexikons der deutschen Literaturwissenschaft; 1999 M.A. mit einer Arbeit über Schillers Ästhetik zwischen medizinischer Anthropologie und Transzendentalphilosophie;
2000-2001 WHK am Lehrstuhl Prof. Braungart; seitdem Mitarbeit am Multimedia-Projekt "LesARTen";
Oktober 2000- März 2003 Mitglied des Gießener Graduiertenkollegs 'Klassizismus und Romantik im Kontext der europäischen Moderne'.
Seit Sommersemester 2004 Mitarbeiter am deutschen Seminar in Tübingen.

 

 

Lutz-Henning Pietsch

 

:: Projektskizze

 

Ziel der Arbeit ist, die Durchsetzung der Transzendentalphilosophie gegenüber der vorher dominierenden philosophischen Richtung, der empiristisch orientierten Popularphilosophie, aus institutionen- und diskursgeschichtlicher Perspektive zu analysieren. Der Zeitraum, auf den ich mich beziehe, ist die Phase der rein ‚reagierenden' und ‚reproduktiven' Kant-Rezeption von 1781, dem Erscheinen der Kritik der reinen Vernunft, bis ca. 1789, dem Einsetzen der ersten produktiven Weiterentwicklungen der Kantischen Philosophie.

Der erste Teil der Arbeit besteht aus der historischen Rekonstruktion der wichtigsten Vermittlungswege und Frontenbildungen im publizistischen Tageskampf zwischen Empiristen und Anthropologen einerseits (Feder, Garve, Herder, Meiners, Selle, Tiedemann, Pistorius, Forster, Weishaupt, Nicolai u.a.) und Kantianern andererseits (neben Kant Schultz, Schmid, Schütz, Reinhold, Bering, Born u.a.). Quellen sind neben den Rezensionen, Kritiken, Anti-Kritiken, Polemiken usw. auch die begleitenden Briefwechsel der jeweiligen Akteure. Auf der Grundlage des dadurch gewonnenen allgemeinen institutionen- und rezeptionsgeschichtlichen Profils werden im zweiten Teil einzelne exemplarische Diskussionsstränge genauer untersucht.

Es wird gezeigt, dass sich der Erfolg der Kantischen Philosophie auf rhetorisch-diskursiver Ebene als Effekt ihrer elementarliterarischen Verfasstheit beschreiben lässt. Bestimmte Metaphern und Narrationsschemata, die die Kantische Argumentation strukturieren (z.B. die Metaphorik der Grenzziehung, das Narrationsschema ‚Vom Chaos zur Einheit'), etablieren eine Logik der Unterwerfung oder Ausschließung, die eine hohe Kohärenz des eigenen Textes gewährleistet und die es anderen Texten sehr schwer macht, kritisch an die Kritik der reinen Vernunft anzuschließen (bzw. die es umgekehrt sehr attraktiv erscheinen läßt, eine durch diese Metaphern strukturierte Philosophie fortzuschreiben).

Damit ist meine Arbeit auf einer allgemeineren Ebene angelegt als kulturwissenschaftlicher Beitrag zur einer Geschichte literarischer Symbolisierungen, die Subjektkonzepte fundieren. Kants abgeschlossene ‚Insel der reinen Vernunft' steht hier gegen das ‚offene' anthropologische Modell der empirisch und historisch bedingten Relativierbarkeit allen Wissens. Auf einer spezielleren Ebene soll eine Erklärung des Erfolges der Kantischen Philosophie aus dem Nachweis erfolgen, wie die totalisierenden Strategien des Kantischen Begründungs-diskurses sich als wissenschaftspolitisch überlegen herausstellen gegenüber dem Problemlösungsdiskurs der Popularphilosophie, für die jede Wahrheit immer eine kollektiv ausgehandelte, jederzeit revisionsbedürftige Wahrheit ist.

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:: Veröffentlichungen

Lexikonartikel

[Mit Gertrud Rösch:] Art. Kalligraphie (2). In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 2. Hrsg. v. Harald Fricke u.a. Berlin - New York 2000. S. 222-224.

[Mit Georg Braungart:] Art. Oratorie. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 5. Hrsg. v. Gert Ueding. Tübingen 2002 [im Druck].


Rezensionen


[Mit Georg Braungart:] Der ganze Mensch. Anthropologie und Literatur im 18. Jahrhundert. Hrsg. v. Hans-Jürgen Schings. Stuttgart u.a. 1994. In: Arbitrium 17 (1999). S. 70-78.

[Mit Ruth Petzoldt:] Jochen Vogt: Einladung zur Literaturwissenschaft. München 1999 (= UTB 2072). In: Jahrbuch für Computerphilologie 2 (2000). S. 199-203.


Redaktionelle Mitarbeit

Lessing Yearbook 30 (1998) [= Neue Lessing Lektüren. Dokumentation eines Symposions in Wolfenbüttel, 6. und 7. Juni 1997, aus Anlaß des 60. Geburtstages von Wilfried Barner. Hrsg. v. Georg Braungart. Göttingen 1999.]


Projektmitarbeit

LesARTen - eine multimediale Einführung in die Literaturwissenschaft auf CD-ROM

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:: Kontakt

  Lutz-Henning Pietsch
llutz.pietsch@uni-tuebingen.de

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