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Anja Oesterhelt

Stipendiaten

         

Perspektive und Totaleindruck. Höhepunkt und Ende von Multiperspektivität um 1800: Christoph Martin Wielands Aristipp und Clemens Brentanos Godwi
(Germanistik, Politologie, Kulturwissenschaften)



 

Geboren am 30.9.1975 in Berlin. Ab 10/1995 Studium der Neueren deutschen Literatur, Kulturwissenschaft und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität Berlin. 1998 Tutorin am Fachbereich Germanistik an der Freien Universität Berlin. 1998/99 DAAD-Jahresstipendium für Studienaufenthalt in Cluj-Napoca (Rumänien). 10/2001 Magistra Artium mit der Arbeit 'Das Paradox des Leibes. Zur Physiognomik bei Rudolf Kassner'. Von 10/2003 bis 9/2006 Stipendiatin des Graduiertenkollegs 'Klassizismus und Romantik' und Teilnehmerin am Internationalen Promotionsprogramm 'Literatur- und Kulturwissenschaft' an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit Ende 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Gerhard Kurz an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
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Anja Oesterhelt

 

:: Projektskizze

 

Meine Arbeit kontrastiert einen späten Roman Christoph Martin Wielands, Aristipp und einige seiner Zeitgenossen (1800/02), mit dem zeitgleich erscheinenden Romanerstling Clemens Brentanos, Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter. Ein verwilderter Roman von Maria. Beide Romane werden als verschiedene Spielarten eines um 1800 situierten Erzählphänomens gelesen: dem eines multiperspektivischen Erzählens, das die Relationierung der verschiedenen Perspektiven zunehmend in den Rezeptionsprozeß verlagert. Mit der völligen Zurücknahme (Wieland) bzw. Dekonstruktion (Brentano) des Erzählers, mit dem offengelassenen Bezug von Figuren- und Erzählperspektiven, Erzählweisen und Textsorten wird der Verstehensvorgang zwischen Leser und Text zum konstitutiven Prinzip des eigenen Erzählens und als solches explizit thematisiert und ästhetisch inszeniert.
Die verschiedenen multiperspektivischen Erzählweisen sind mit den in den Romanen verhandelten Fragen nach der Perspektivität von Wahrnehmung und Erkenntnis und mit den aufgerufenen zeitgenössischen historiographischen, erkenntnistheoretischen, künstlerischen und gesellschaftspolitischen Diskursen um die Standortgebundenheit von Wissen in Zusammenhang zu bringen.
Indem der Frage nachgegangen wird, wo sich die Modelle von Multiperspektivität bei Wieland und Brentano gleichen, wo sich Übergänge und Verschiebungen ausmachen lassen, wo die Trennungslinien verlaufen, soll zugleich eine Kartografie der Möglichkeiten, Multiperspektivität um 1800 zu denken, entworfen werden: Was bedeutet die einzelne Perspektive im Verhältnis zu einem Ganzen im spätaufklärerischen Denken, was im frühromantischen? Wie wird die autonome Äußerung an ein Allgemeines rückgebunden? Wie wird dieses Ganze oder Allgemeine gedacht, wie das Einzelne? Welche vermittelnde Rolle spielen Wahrnehmungs- und Darstellungskonzepte dabei? Welche Kommunikations- und Verstehensregeln liegen zugrunde?
Wielands Modell von Multiperspektivität verweist auf die Inszenierung eines Vergesellschaftungideals, das auf dem gleichgestellten Dialog basiert. Der einzelnen Perspektive wird Eigenwert zugesprochen, insofern sie im kommunikativen Austausch mit den anderen Perspektiven steht. Daher bleibt sie auf der Rezeptionsebene immer in ein übergeordnetes Ganzes integrierbar. Bei Brentano werden inkommensurable Positionen miteinander konfrontiert: Das Subjektive erscheint hier als irreduzibel und nicht vermittelbar. Erst auf der Ebene der Deutung durch den Leser kann möglicherweise eine Einheit gestiftet werden.


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:: Veröffentlichungen

Aufsätze

“Plastische und sprachliche Form in Bewegung. Konzepte des belebten Kunstwerks bei Herder, A. W. Schlegel und Brentano”, in: Textbewegungen 1800/1900, hg. v. Till Dembeck und Matthias Buschmeier. Würzburg 2006.

“Poetik des Dialogs als Projekt der Aufklärung: Funktionen des Dialogs in theoretischen Schriften Christoph Martin Wielands und Johann Jakob Engels”,
in: Funktionen von Literatur. Theoretische Grundlagen und Modellinterpretationen, hg. v. Marion Gymnich und Ansgar Nünning. Trier 2005, S. 157-169.

Rezensionen

Rezension zu: Jutta Heinz, Narrative Kulturkonzepte. Wielands 'Aristipp' und Goethes 'Wilhelm Meisters Wanderjahre'. Heidelberg 2006, in: Kult-online (in Vorbereitung).

Rezension zu: Essayismus um 1900, hg. v. Wolfgang Braungart u. Kai Kauffmann. Heidelberg 2006, in: Zeitschrift für Germanistik (in Vorbereitung).

Rezension zu: Carola Surkamp: Die Perspektivenstruktur narrativer Texte. Zu ihrer Theorie und Geschichte im englischen Roman zwischen Viktorianismus und Moderne. Trier 2003, in: Wissenschaftlicher Literaturanzeiger. 45. Jg., 2006/1.

Rezension zu: Hans-Peter Nowitzki, Der wohltemperierte Mensch. Aufklärungsanthropologien im Widerstreit. (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte 25) Berlin - New York 2003. In: Arbitrium. Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft, hg. v. Wolfgang Harms, Peter Strohschneider u.a. 2004/3, S. 313f.

Lexikonartikel

Artikel “Unterhaltung / Gespräch”, in: Metzler Lexikon Ästhetik, hg. v. Achim Trebeß. Stuttgart 2006.



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:: Kontakt

 

Anja Oesterhelt
anjaoesterhelt@tiscali.de

Fachbereich 05

Neuere Deutsche Literatur der Justus-Liebig-Universität Gießen

Institut für Germanistik

Otto-Behaghel-Str. 10B / Philosophikum I

Raum 142b
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Tel.(dienstl.)
0641-99-29077

Fax (dienstl.)
0641-99-29079

 

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In der vorlesungsfreien Zeit nach Vereinbarung.