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Julia Neumann

Stipendiaten

         

Konzeptionen der Antike im Pariser Neoklassizismus: Studien zu Milhauds L’Orestie d’Eschyle und Honeggers Antigone
(Musikwissenschaft)



 

Studium / Promotionsvorhaben

Studium der Musikwissenschaft in Münster und Hamburg (Nebenfächer: Neuere deutsche Literatur und Französisch),
Abschluss: Magister Artium

Seit April 2005: Arbeit am Dissertationsprojekt
Seit Oktober 2005: Stipendium im Graduiertenkolleg „Klassizismus und Romantik im europäischen Kontext“ an der Universität Gießen

Bisherige Tätigkeiten

WS 2000/01 – WS 2002/03: Studentische Hilfskraft am Institut für Germanistik II der
Universität Hamburg
WS 2000/01 – SoSe 2004: Übernahme von Tutorien und Korrekturarbeiten für amerikanische Austausch-Studenten des Smith College (Massachusetts), Zweigstelle Hamburg
SoSe 2001 – SoSe 2003: Studentische Hilfskraft der Handschriftenabteilung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
10/2002 – 09/2005: Freie Mitarbeit im Lektorat der Deutschen Grammophon GmbH (Hamburg)
02/2005 – 09/2005: Freie Mitarbeit in der Kulturredaktion texthouse (Hamburg)

 

 


 

:: Projektskizze

 

In meiner Dissertation möchte ich die Rezeption antiker Stoffe in der Pariser Moderne untersuchen, jener Zeit des radikalen Stilwandels vom (so genannten) ‚Impressionismus’ zum (so genannten) ‚Neoklassizismus’.
In der damaligen europäischen Kulturhauptstadt Paris setzten sich zahlreiche Komponisten mit antiken Sujets auseinander. Dies ist besonders im Vergleich zum relativ „antiken-feindlichen“ 19. Jahrhundert auffällig, wo im Zuge des französischen ‚wagnérisme’ mittelalterliche Legenden als Stoffquellen bevorzugt wurden. Erst Fauré machte mit Prométhée (1900) und Pénélope (1913) Ansätze zu einer „Antiken-Renaissance“. In den Folgejahren lieferten dann vor allem Milhaud (vgl. L’Orestie d’Eschyle, Les Malheurs d’Orphée, Opéras-minute), Satie (Socrate), Honegger (Antigone) und Strawinsky (Oedipus Rex) bedeutende Antikenwerke.
Die einschlägige Forschung hat bisher zwar grundlegende Studien zu einzelnen dieser Werke vorgelegt (so etwa Dieter Möller 1981 zu Strawinskys Oedipus Rex und Hilde Malcomess 1993 zu Milhauds Opéras-minute), aber eine vergleichende „Gesamtschau“ der musikalischen Antikenrezeption im französischen Kulturkreis jener Zeit ist bislang noch nicht unternommen worden.
Im Zentrum der in der Dissertation anvisierten Gesamtschau sollen zunächst zwei spezielle Antikenwerke stehen, nämlich Milhauds L’Orestie d’Eschyle (1913 – 24) und Honeggers Antigone (1924 – 27). Dies nicht nur, weil es sich dabei generell um von der Forschung noch vernachlässigte Werke handelt, sondern auch, weil in ihnen zwei große, „klassische“ Tragödienstoffe aufgegriffen werden, die darüber hinaus von zwei namhaften Autoren der französischen Moderne übersetzt bzw. bearbeitet wurden (i.e. Paul Claudel und Jean Cocteau). Ein weiteres Argument für die nähere Untersuchung speziell der Orestie und der Antigone ist die Freundschaft der Komponisten Milhaud und Honegger, die beide prominente Mitglieder des so genannten Groupe des Six waren, einer Gruppe von Komponisten um den Literaten Jean Cocteau, die sich in je unterschiedlicher Weise dessen „esthétique du minimum“ bzw. „classicisme“ verschrieben hatten.
Bei der Analyse der beiden Werke wird von besonderem Interesse sein, was die jeweiligen Beweggründe der Autoren und Komponisten für die Wahl des antiken Sujets waren; daneben wird die spezifische Übersetzungs- bzw. Bearbeitungspraxis der Textautoren sowie deren sich darin zeigendes Antikenverständnis zu eruieren sein; hinsichtlich der Komponisten wird schließlich zu fragen sein, ob und wie sich das antike Sujet jeweils auf die Kompositionstechniken ausgewirkt hat und welches Antikenverständnis die Komponisten dadurch an den Tag legten.
Die Untersuchung speziell der Milhaudschen Orestie und der Antigone Honeggers wird anschließend auch die übrigen erwähnten Antikenwerke als Vergleichsfolie in den Blick nehmen, um so der Frage nachzugehen, ob sich aus dem gehäuften Rekurs auf antike Sujets im Paris jener Jahre allgemeingültige Schlussfolgerungen ziehen lassen. Sinn dieser Fragestellung ist es, die Antikenrezeption jener Jahre im Zusammenhang mit dem umstrittenen Terminus „Neoklassizismus“ zu erörtern und dabei die mit diesem Begriff suggerierte Einheitlichkeit der damaligen Antikenkonzeptionen (im Sinne einer neuen „Klassik“ bzw. eines „Klassizismus“) vor dem Hintergrund des sich in den Werken zeigenden „Moderne-typischen“ Stil-Pluralismus kritisch zu überprüfen.


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:: Veröffentlichungen

 



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:: Kontakt

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