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Harald Nehr

Stipendiaten

         

Das sentimentalische Objekt.
Flauberts Kritik der Romantik
in der Éducation sentimentale

(Romanistik)



 

geboren in Oberfranken, Abitur in Bamberg.
Studium in Würzburg: Lehramt an Gymnasien (Französisch, Deutsch); Staatsexamen Frühjahr 2000
Herbst 2000 bis Juli 2003 Stipendiat am Gießener Graduiertenkolleg "Klassizismus und Romantik".

 

 

Harald Nehr

 

:: Projektskizze

 

Ziel meiner Arbeit ist es, Flauberts kritische Rezeption der französischen Romantik in seinem Roman von 1869 näher zu bestimmen. Das Phänomen "Romantik" läßt sich anhand von Flauberts Text spezifizieren: Es handelt sich um Denkfiguren, Bildschemata und Topoi, wie sie in der Nachfolge der fiktionalen und autobiographischen Schriften J.-J. Rousseaus entstehen, sowie aus Texten von Chateaubriand, Musset, Sainte-Beuve, aber auch aus Bildern beispielsweise des französischen Ingrisme und Pompiérisme hervorgehen. Es geht darum, einen mit Flaubert als "Sentimentalismus" zu bezeichnenden Nexus von Individualismus, Spiritualismus, Gefühl und Imagination zu rekonstruieren, wie er sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den gesellschaftlich-politischen wie auch in den kunsttheoretischen Diskursen findet - wobei Interdependenzen zwischen diesen beiden Bereichen eine wichtige Rolle spielen.

Herauszuarbeiten ist Flauberts Transformation solcher Phänomene in ein spezifisches Mimesiskonzept einer "zweiten Ordnung": der textuellen Darstellung eines Bewußtseins (v.a. des Helden der Éducation sentimentale), in dessen Wahrnehmung klischeehafte Schemata zur vermeintlich perzipierten Wirklichkeit umprojiziert werden. Herkömmliche, zeitgenössische Mimesisvorstellungen werden damit unterlaufen, ja umgekehrt. Ein Hauptziel der Dissertation besteht nun aber, auf das oben Geschilderte aufbauend, darin, Flauberts Zitierformen und Umprojektionen solcher Diskurse in ihrer - implizit vorgenommenen - wertend-kritischen Positionierung herauszustellen. Hierzu dienen intensive stilkritische Lektüren von Schlüsselpassagen des Romans, die auf ihre darin angelegte argumentative Brüchigkeit hin untersucht werden.

Letztlich geht es um Flauberts eigene Standortbestimmung innerhalb bzw. in Absetzung von der im Roman evozierten postrousseauistischen Gesellschafts- und Ästhetikdiskussion, auch bezogen auf den - ebenfalls im Text thematisierten - Wandel der Medialität (Stichworte: Reproduzierbarkeit, Daguerrotypie/Photographie, Karikatur, Kitsch). Damit soll es auch möglich werden, Flauberts Positionen, die bislang vor allem in der Nähe zu "L'art-pour-l'art"- Konzepten und ironischer Distanznahme zu jeglichem gesellschaftlichen Diskurs verortet wurden, genauer zu fassen. Von mir angewandte Arbeitsmethoden lassen sich stichwortartig folgendermaßen benennen: Intertextuelle Untersuchungen, Untersuchung von Text-Bild-Relationen, textgenetische Forschung, Diskursrekonstruktion, Stilkritik.

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:: Veröffentlichungen

"Sehen im Klischee - Schreiben im Klischee. Zum Verhältnis von Wahrnehmung, bildender Kunst und Künstlern in Gustave Flauberts Éducation sentimentale" (im Druck)



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:: Kontakt

  Harald Nehr
Harald.Nehr@romanistik.uni-giessen.de

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