Home
www.uni-giessen.de
| | | |

Kai Merten

Stipendiaten

         

Vom Theater zur Theatralik:
Die Dramatik der 1790er Jahre als Ausgangspunkt der
britischen Romantik und ihre Interiorisierung zu einer
theatralischen Textualität

(Anglistik)



 

Geboren 1972 in Gräfelfing. Studium der englischen Literaturwissenschaft, der Latinistik und der Psychologie in München und St. Andrews. 1998 Magister Artium. 1998 bis 2002 Dissertationprojekt „Antike Mythen – Mythos Antike: Posthumanistische Antikerezeption in der zeitgenössischen englischsprachigen Lyrik“ bei Ulrich Broich und Werner von Koppenfels in München. 1998 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Broich, 2001 bei seinem Nachfolger Christoph Bode. 2001 und 2002 Stipendium zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses der LMU München. Juli 2002: Promotion zum Dr. phil. Von Oktober 2002 bis September 2004 Postdoktorand im GK „Klassizismus und Romantik“.

Aktuelle Informationen

 

 

Kai Merten

 

:: Projektskizze

 

Das Projekt will dem auffälligen, bisher noch nicht erforschten Befund nachgehen, daß die zentralen ersten Texte britischen Romantiker der frühen Generation (William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge, Robert Southey und Walter Scott) allesamt ambitionierte Dramen sind, wobei sich die Autoren – mit der Ausnahme Coleridges – in der Folge vom Drama abwandten, um eigene bzw. eigenständig geprägte Textsorten zu entwickeln, die aber signifikante theatralische Züge behielten. Dadurch versteht sich das Projekt als historisch sensibler Beitrag zur gegenwärtigen Debatte um den Begriff der Theatralität, die nun auch zunehmend die internationale Anglistik erfaßt. Aus der Perspektive der Epochenschwelle, mit der sich auch die britische Literatur in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts konfrontiert sieht, erweist es sich, daß der Inszenierungscharakter der modernen Kultur auch das Ergebnis der Entwicklung theatralisierter literarischer Schreibweisen ist, die das problematisch gewordene (aufgeführte) Theater letztlich ersetzen sollten.
Das Projekt gliedert sich in zwei Abschnitte: Im Mittelpunkt steht zunächst eine Analyse der Dramen von Wordsworth, Coleridge, Southey und Scott aus den 1790er Jahren. Diese Texte werde ich sowohl im Kontext zeitgenössischer Diskurse des Theatralischen als auch der Kultur des Theaters untersuchen, einerseits also der Debatten über die Theatralität des Politischen – etwa in der Konzeptualisierung der Französischen Revolution als einer Tragödie durch Edmund Burke –, andererseits der Bühnenrealität Großbritanniens mit ihrer rigiden Zensur und ihrer Beschränkung des Sprechtheaters auf zwei Bühnen. Die frühen Dramen der von mir untersuchten Autoren erweisen sich allesamt als metatheatralisch; sie reflektieren energisch und oftmals aporetisch die Problematiken, die mit der Aufführung eines textuellen Substrats durch lebende Akteure zum einen und mit den verschieden Modi kultureller und gesellschaftlicher Inszenierung ihrer Zeit zum anderen verbunden sind.
Im nächsten Projektabschnitt werden dann die Werke der untersuchten Autoren in den Blick kommen, die auf ihre problematischen dramatischen Debüts unmittelbar folgten. In diesen überwiegend nicht-dramatischen Texten gaben Wordsworth, Coleridge, Southey und Scott die „begehrten“ Aspekte des Theaters, etwa die Inszenierung und Ausagierung von individueller und kollektiver Identität, von Geschichte und Gesellschaft, nicht auf. In den Lyrical Ballads und dem Prelude etwa verabschiedet Wordsworth das Theater elaborierter – und hierarchischer – Repräsentation zugunsten eines Theaters naturgemäßer Präsenz, wie es auch im Kontext der Französischen Revolution diskutiert wurde. Walter Scott problematisiert in seinem Schauerstück The House of Aspen zwar das revolutionäre Theater einer (Selbst-) Überwachung aller. Im historischen Roman ersetzt er es dann aber durch ein selbst zutiefst theatralisches Spektakel der britischen Geschichte, dessen Exzesse text-intern von einem ordnenden Monarchen und text-extern durch die sichere Distanz des zurückgezogenen Lesers begrenzt werden. Insgesamt wird die politische und epistemische Repräsentationskrise der Schwellenzeit in der britischen Literatur auch durch ein romantisches Nationaltheater jenseits des Theaters bewältigt.



^

 

 

:: Veröffentlichungen

"Undermining masculinity: Psychoanalysis, the ‘Weak Man’ and the ‘Caring Woman’ in Rebecca West’s The Return of the Soldier and Willa Muir’s Imagined Corners". In: Anton Kirchhofer, Ingrid Hotz-Davis (Hg.). Psychoanalyticism: Uses of Psychoanalysis in Novels, Poems, Plays and Films. Trier: WVT, 2000, 32-52.

"Scholastic Performances: Seamus Heaney and Tony Harrison (Back) at School". Critical Survey 14, 2 (2002), Sonderheft Linguistic Turns: Performing Postmodern Poetries, 101-112.

"Medusa" in Lutz Walther (Hg.). Antike Mythen und ihre Rezeption. Ein Lexikon. Leipzig: Reclam, 2003. Im Druck.

"Excursion and Reclusion: William Wordsworth in the French Revolution – the French Revolu-tion in William Wordsworth". In: Ulrich Broich, Harry Dickinson (Hg.). Reactions to Revolutions. Münster: LIT, 2003. In Vorbereitung.

^

 

 

:: Kontakt

  Kai Merten
KaiMerten@gmx.de

^