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Dr. Ralf Haekel

Stipendiaten

         

Die Seele in der englischen und irischen Literatur
(Anglistik)



 

Studium der Anglistik, Germanistik und Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und am University College Galway, Republik Irland.
2003 Promotion an der Freien Universität Berlin
seit Oktober 2004 Postdoktorand im GK

 

 


 

:: Projektskizze

 

In meinem Forschungsprojekt untersuche ich die Diskursgeschichte der Seele in der englischen und irischen Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Der diskurstheoretische Ansatz hat zum Ziel, das kulturelle Wissen einer Gesellschaft von der Seele innerhalb einer Epoche zu rekonstruieren, und herauszuarbeiten, wie sich die Literatur zu diesem Wissen – als Bestandteil oder als Gegenentwurf – verhält. In der Forschung wird wiederholt die These vertreten, die Vorstellung einer prinzipiell unsterblichen und immateriellen christlichen Seele werde im 18. und 19. Jahrhundert abgelöst von säkularisierten Konzeptionen des Subjekts, des Bewußtseins oder der Psyche. Daß ein solches teleologisches Konstrukt zu kurz greift, zeigt bereits ein Blick auf die vielschichtige Diskursgeschichte der Seele seit der Antike.
Bei Platon ist die Seele an den Körper gefesselt und erlangt nach dem Tod ihre Freiheit zurück. Aristoteles beschreibt in De Anima die Seele als Form, die dem Körper, der lediglich Materie ist, Leben verleiht. Die detaillierte Auseinandersetzung mit den drei Bereichen der Seele – dem vernünftigen, dem sensitiven und dem vegetativen – überwiegt in den psychologischen Schriften bis zur Renaissance. Für die christlichen Seelenvorstellungen des Mittelalters bis zur Frühen Neuzeit ist neben den biblischen Texten vor allem Augustinus bedeutend, der platonisches mit christlichem Gedankengut verbindet. Einen Bruch zu Beginn der Neuzeit markiert Descartes’ radikale Trennung von res cogitans und res extensa, die wiederum grundlegend ist für die modernen epistemologischen Entwürfe.
Die Auswahl der zu analysierenden Literatur beschränkt sich bewußt auf Werke, die nach der cartesianischen Wende verfaßt wurden. Der Schwerpunkt liegt auf der Romantik (Wordsworth, Coleridge, Keats) und der Moderne (Yeats, Eliot). Bei der Textarbeit soll untersucht werden, auf welchen Seelenbegriff – einem antiken, cartesianischen oder modernen psychologischen – sich das einzelne literarische Werk bezieht und wie sich dieser Begriff zum zeitgenössischen diskursiven Wissen verhält. Die Seele ist das interdiskursive Element, das in der Literatur die verschiedenen Spezialdiskurse im Dialog vereint. In detaillierten Lektüren möchte ich zeigen, daß die These der Säkularisierung bei der Beschreibung der Seelenkonzeption der Neuzeit nicht greift. Zwar treten in der romantischen und verstärkt noch in der modernistischen Literatur der theologische Diskurs in den Hintergrund und der psychologische in den Vordergrund. Im Prozeß der Moderne aber erscheint die Seele im emphatischen Sinne verstärkt als Wesen der Kunst und Literatur, und sie wird ein zentrales Moment der Selbstreflexivität der Dichtung. Anhand des Seelendiskurses läßt sich somit verdeutlichen, welche Elemente der Literatur konstitutiv für ihre Modernität sind.

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:: Veröffentlichungen

Monographie

Die Englischen Komödianten in Deutschland. Eine Einführung in die Ursprünge des deutschen Berufsschauspiels. Heidelberg: Winter, 2004

Aufsätze

Ah ! from the soul itself must issue forth / A light, a glory, a fair luminous cloud / Enveloping the Earth . Empiristische und neuplatonische Momente in Coleridges Philosophie und Dichtung.“ In: Kunst und Wissen. Beziehungen zwischen Erkenntnistheorie und Ästhetik im 18. und 19. Jahrhundert. Hrsg. v. Astrid Bauereisen, Stephan Pabst & Achim Vesper, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2006. (Noch nicht erschienen)

The solid world itself was dissolving and dwindling . Performativität in James Joyces The Dead .“ In: Textbewegungen 1800/1900. Hrsg. v. Matthias Buschmeier & Till Dembeck, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2006. (Noch nicht erschienen)

The horror of my other self . Die Figur des Anderen in Mary Shelleys Frankenstein und Robert Louis Stevensons The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde. In: Fremde Figuren. Alterisierungen in Kunst, Wissenschaft und Anthropologie um 1800. Hrsg. v. Alexandra Böhm & Monika Sproll, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2006. (Noch nicht erschienen)

„Von Bottom zu Pickelhering – Die Kunst des komischen Schauspiels in Shakespeares A Midsummer Night's Dream und Gryphius' Absurda Comica. In: Lustige Körper, witzige Texte - Zu Anthropologie und Medialität des Komischen im 17. Jahrhundert ?(1580-1730). Hrsg. v. Stefanie Arend, Thomas Borgstedt, Nicola Kaminski & Dirk Niefanger, Amsterdam: Rodopi, 2006. (Noch nicht erschienen)

‘Twill vex thy soul to hear what I shall speak – Erzählerische Elemente in Titus Andronicus.In: Wissenschaftliches Seminar Online 3 (2005). (Noch nicht erschienen)

„Übersetzung als Aneignung dramatischer und theatralischer Formen. Die deutschen Versionen von Thomas Tomkis' Lingua und Ben Jonsons Sejanus. In: Mehrsprachigkeit in der Renaissance. Hrsg. v. Annett Volmer & Christiane Maaß, Heidelberg: Winter, 2005, S. 255-265.

„Maschinen, die die Welt bedeuten.“ In: Spektrum der Wissenschaft, Sonderheft 4/2004, S. 88-89.

„Theatertechnik im 17. Jahrhundert und ihr Verhältnis zum Großen Welttheater.“ In: Technik in der Frühen Neuzeit - Schrittmacher der europäischen Moderne. Hrsg. v. Gisela Engel und Nicole C. Karafyllis, Frankfurt: Klostermann, 2004, S. 277-294 .

„Neue Quellen zur Geschichte der Englischen Komödianten in Deutschland.“ In: Jahrbuch der deutschen Shakespeare-Gesellschaft 140 (2004), S. 180-185.

„Wanderbühne“. In: Der komische Körper. Hrsg. v. Eva Erdmann, Bielefeld: transcript, 2003, S. 25-30.

„Hanswurstiade“. In: Der komische Körper. Hrsg. v. Eva Erdmann, Bielefeld: transcript, 2003, S. 100-106.


"For there is nothing either good or bad but thinking makes it so." Zu Walter Benjamins Hamletinterpretation. In: Zeitsprünge 7 (2003), S. 58-76.

„Zum Verhältnis von Theaterpraxis und Drama in der Frühen Neuzeit. Heinrich Julius' Susanna und die Englischen Komödianten.“ In: Zeitsprünge 4 (2000), S. 163-180.


Rezension

The Reception of Jonathan Swift in Europe , ed. Hermann J. Real, London: Thoemmes, 2005, (= The Athlone Critical Traditions Series: The Reception of British and Irish Authors in Europe ). In: Das Achtzehnte Jahrhundert (2006). (Noch nicht erschienen)

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:: Kontakt

  Dr. Ralf Haekel
ralf.haekel@gmx.de

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