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Vanessa Dippel

Stipendiaten

         

Gespiegelter Widerhall.
Zum Spannungsverhältnis von
Reproduktion und produktiver
Einbildungskraft in Autorschafts-
entwürfen um 1800

(Germanistik)



 

geb. 1973 in Frankfurt/Main
1993-2000 Studium der Neueren deutschen Literatur, Kunstgeschichte und Neueren Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
seit 1994 Zusammenarbeit mit dem Studienprogramm der Stiftung Weimarer Klassik
seit 1997 Mitglied der Ausstellungsgruppe Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst (Leitung Prof. Dr. Marcel Baumgartner)
1998 Lehrauftrag für den Brückenkurs Mythosrezeption am Institut für Neuere deutsche Literatur, Gießen
.1997-2000 Koordinatorin des Graduiertenkollegs Klassizismus und Romantik .
2000-2003 Dissertationsprojekt am Graduiertenkolleg.

 

 

Vanessa Dippel

 

:: Projektskizze

 

Ziel meines Projektes ist es, den Mythos von Echo und Narziß als motivisch-figurative Folie für das Spannungsverhältnis von Reproduktion und produktiver Einbildungskraft in Autorschaftsinszenierungen um 1800 zu lesen.


Durch ein zunehmendes historisches Bewußtsein bei gleichzeitigem Autonomieanspruch der Künste kommt es in der Geniediskussion und in ästhetischen Entwürfen der Zeit um 1800 zu einem notwendigen Konflikt zwischen dem Postulat der Nachahmung und dem Anspruch auf autonome Schöpferkraft. Dieser Konflikt wird literarisch durch eine mythopoietische Ursprungsgeschichte - dem Mythos von Echo und Narziß - überblendet. Dabei greifen die Autoren auf eine lange Tradition der Echoliteratur zurück.
Vor allem an den zentralen Bearbeitungen des mythologischen Prätextes durch Clemens Brentano (Godwi, Der Sänger, Gedichte), Johann Wolfgang Goethe (Wahlverwandtschaften), Jean Paul (Schulmeisterlein Wutz) August Wilhelm Schlegel (Waldgespräch) und ausgewählten Gedichten aus des "Knaben Wunderhorn" zeige ich, wie sich die Literatur um 1800 in der Frage nach der Begründung von "Werkherrschaft" (Bosse) an den Mythen um den personifizierten Widerhall abarbeitet. Zwei Deutungslinien, die sich in der langen Tradition der Echoliteratur herauskristallisiert haben, werden im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert wieder aufgenommen: Das sprachmagische Potential von Wiederholung und Variation im Widerhall und die Deutung Echos als prophetische Stimme der Götter. Die Nymphe Echo erhält dabei in den von mir bearbeiteten Um-schreibungen eine weit größere kreative Kompetenz, als ihr die deutsche Literaturgeschichte je zugestand.

Eine solche Echorezeption lese ich entgegen der bisherigen Forschungsmeinung als eine Radikalisierung des Geniekonzeptes bzw. als konsequente Umsetzung autonomieästhetischer Entwürfe - nicht als deren Auflösungserscheinung. Echo und Narziß, so meine These, fungieren dabei nicht als gegeneinander zu erprobende Autorschaftsphantasien: Echo etwa als Metapher einer subjektdezentrierenden verräumlichten Stimme, Narziß dagegen als Gestalt der autonomen Selbstspiegelung. Vielmehr sollen beide Figurationen als zwei ineinandergreifende Mechanismen eines Autorschaftsmodells vorgestellt werden, die auf je verschiedenen Beschreibungsebenen künstlerischer Produktion operieren.

Das fokussierte Projekt trifft durch die Parallelanalyse unterschiedlicher Autorschaftsentwürfe der Zeit um 1800 ein zentrales Erkenntnisinteresse des Graduiertenkollegs. Literarische und programmatische Texte, die entweder der Frühromantik oder dem Klassizismus zugerechnet werden, sollen auf einer anderen Ebene nach gemeinsamen Innovationsleistungen, bzw. Strategien der Krisenbewältigung befragt werden.

Der Untersuchungsgegenstand Autorschaft verbindet hier auf ideale Weise zwei Untersuchungsebenen: Er erlaubt die textimmanente Analyse seiner literarischen oder auch programmatischen Inszenierung und öffnet in seiner Funktion als gesellschaftliches Konstrukt den Blick auf übergreifende Aspekte
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:: Veröffentlichungen

Echo. In: Antike Mythen und ihre Rezeption. Ein Lexikon. Hg. v. Lutz Walther. erscheint Frühjahr 2003 im Reclam-Verlag.

Wie man vom Wortspiel in Ruinen zum Ruin der Erzähllogik gelangt. In: Darstellbarkeit. Hg. v. Claudia Albes u. Christiane Frey. Erscheint 2003 im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg.

Wandblick. In: Wissenschaftlicher Literaturanzeiger Jg. 41/1 (2002). S. 21-22.

Kleine Archäologie des Kästchens. In: Kästchen für Günter Oesterle. Hg. v. Almuth Hammer (u.a.) Würzburg: Königshausen & Neum. 2001.

Inszenierungen des Verschwindens. Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt. In: Flucht und Vertreibung in der deutschen Literatur. Hg. v. Sascha Feuchert. Frankfurt am Main: 2001. S. 333-355.

Hinter die Spiegel geraten. In: Scheint. Hg. v. Christian Fleißner. Frankfurt am Main: 2000. S. 108-112.

"Und der Faden riß entzwei, den ich lang erhalten." Das Künstlerbuch Chicago. In: "...verhalten zu...". Hg. v. Marcel Baumgartner. Köln: Walter König 1998. S. 58-69.

Kunst und Wahnsinn. Patricia Dunckers "Die Germanistin". In: Gießener Allgemeine Zeitung. 30.04.1997. S. 22.

"Glitschige Fische". Zur Ausstellung von Adrian Schiess in der Kunsthalle Gießen. In: Shanghai Opera. Literatur in Gießen. Juli/August 1997. S. 15.

Hallucinating Foucault. In: Shanghai Opera. Literatur in Gießen. März/April 1997. S. 31.

Morbus Kitahara. Die allmähliche Verfinsterung des Blicks. In: Shanghai Opera. Literatur in Gießen. Nov./Dez. 1996. S. 33-36.

Karneval der Diskurse. Schillers ‚Avanturen des neuen Telemach'. In: Mir ekelt vor dem tintenklecksenden Sekulum...Hg. v. Michael Klees. Fernwald: 1995. S. 67-80.

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:: Kontakt

  Vanessa Dippel
KVanessaDippel@web.de


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