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Alexandra Böhm

Stipendiaten

         

Der Dialog mit der Romantik:
Polyphone Strukturen und
karnevaleske Schreibweise
bei Lord Byron und Heinrich Heine

(Komparatistik)



 

1990-1998 Studium der Germanistik, Anglistik und Amerikanistik an der Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
1992 -1993 Studium an der University of Glasgow
seit 2000 Arbeit an der Dissertation

Aktivitäten

Tutorien und Lehraufträge an der FAU Erlangen-Nürnberg (zur Groteske und zu Mythologie)

Mitarbeit bei den Erlanger PostModerne-Konferenzen seit 1999 - zuletzt

Hauptorganisatorin zur Planung, Organisation und Durchführung der 4. Internationalen und Interdisziplinären Graduiertenkonferenz "Postmoderne Praktiken": MedienSpuren - DiskursKörper - WarenZeichen" (Hauptvortragender: Prof. Terry Eagleton, University of Manchester)
".

 

 

Alexandra Böhm

 

:: Projektskizze

 

Der Gegenstand meines komparatistischen Dissertationsprojektes ist ein typologischer Vergleich ausgewählter Texte Lord Byrons und Heinrich Heines, die in der Umbruchszeit zwischen 1815 und 1848 - zwischen Spätromantik und (Früh-)Realismus entstanden. Über die Einordnung literarischer Erzeugnisse dieser Zeit in den Epochenkontext herrscht immer noch weitgehend Uneinigkeit: Im deutschen Kontext reichen die konkurrierenden Modelle von Biedermeierzeit, Vormärz, Junges Deutschland bis zu Restaurationsliteratur. Den Textkorpus für meine Untersuchung bilden vor allem die späten ottava rima Gedichte Byrons (Beppo und Don Juan) sowie Schriften aus Heines früher bis mittlerer Schaffensperiode (Buch der Lieder, aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski, Neue Gedichte, Florentinische Nächte).

Die These meiner Arbeit ist, daß die ausgewählten Texte eine Schwellensituation markieren und sich dementsprechend durch eine ambivalente Haltung zu Klassizismus und Romantik auszeichnen. An Byrons und Heines Texten kann exemplarisch ein neu erwachtes Interesse an der Empirie, sowie ein offenes Engagement in gesellschaftlichen und politischen Fragen beobachtet werden, was mit der antimimetischen und ästhetisch-religiösen Haltung von Autoren der Kunstperiode kollidiert: Das romantische Kunstprojekt wird in entscheidenden Fragen korrigiert. Sowohl Byron als auch Heine reagieren damit auf einen weiteren Modernisierungsschub: Die Versuche von Klassizismus und Romantik zur ästhetischen Bewältigung des historischen Wandels in Folge der Aufklärung erscheinen als nicht mehr ausreichend für die zunehmend problematische politische Konstellation nach den Napoleonischen Kriegen als auch für die soziale Situation der fortschreitenden Entfremdung und Kapitalisierung der Gesellschaft.

Als Versuch einer Epochendifferenzierung und neuakzentuierung soll der Begriff "Postromantik" zur Bezeichnung bestimmter Texte eingeführt werden, was zugleich die Differenz dieser Texte zu (früh-)romantischen Paradigmen und auch das anhaltende Bezogensein auf diese Paradigmen betonen soll. Das Besondere dieser Schwellentexte läßt sich dementsprechend als ein Aufgreifen romantischer Motivik und deren postromantische Organisation beschreiben. Postromantische Textorganisation soll heißen - und hierbei stützt sich meine Arbeit in den Analysen auf die Theorien Michail Bachtins-, daß Verfahren der Karnevalisierung und polyphone bzw. dialogische Strukturen in bezug auf romantische Paradigmen aufgezeigt werden können.
Dies wird anhand der für die romantische Ästhetik und Philosophie zentralen Kategorien der Ironie und der Liebe dargestellt. Detaillierte Einzelanalysen können zeigen, wie in Abgrenzung zum romantisch-ästhetischen Projekt neue ‚modernere' Schreibweisen entwickelt werden und dabei auch auf klassizistische Modelle zurückgegriffen wird.
Im abschließenden Teil wird zur Stützung der neuen Epochenbezeichnung ein Ausblick auf weitere "postromantische" Literatur verschiedener Nationalliteraturen gegeben
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:: Veröffentlichungen

 

 

:: Kontakt

  Alexandra Böhme
spalboeh@stud.phil.uni-erlangen.de


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