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Mascha Bisping

Stipendiaten

         

Krefeld - Ein klassizistisches Fragment?
Bedingungen, Formen und Funktionen
der Stadtbaukunst im ersten Drittel
des 19. Jahrhunderts

(Kunstgeschichte)



 

Geb. 1970 in Bremerhaven
1990-97 Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Philipps-Universität Marburg.
1992 Führungen in der Landesausstellung "Hessen und Thüringen" im Marburger Landgrafenschloß.
1992-1994 Mitherausgeberin und Autorin der studentischen Zeitschrift "Schwarzes Quadrat - Kunst Kultur Wissenschaft".
1994-1995 Mitarbeit bei der Erstellung einer bibliographischen Broschüre zum Thema "Frau" für die Bibliotheken der Philipps-Universität Marburg.
1996-1997 Mitarbeit in dem Katalog- und Ausstellungsprojekt "ErdenGötter" zur Hofkultur der Frühen Neuzeit an der Philipps-Universität Marburg.
1998-1999 Datenerfassung im Bildarchiv Foto Marburg im Rahmen des Projekts 'Nationales Bildarchiv zur Kunst und Architektur'.
seit 1999 Stipendium am Graduiertenkolleg "Klassizismus und Romantik" in Gießen. Projekt: "Krefeld - ein klassizistisches Fragment? Bedingungen, Formen und Funktionen der Stadtbaukunst im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts".
Ende 2002 aus dem GK ausgeschieden

 

 

Mascha Bisping

 

:: Projektskizze

 

Gesamtziel meiner Arbeit ist die Präzisierung der Zusammenhänge zwischen ästhetischen Vorstellungen und den politischen, gesellschaftlichen wie ökonomischen Interessen im Städtebau zwischen 1800 und etwa 1840. Für das Beispiel der zwei Stadterweiterungen von Krefeld 1819 und 1837 kläre ich nicht nur wichtige stadtbauhistorische Fragen, sondern stelle auch die Bedeutung Krefelds für die preußische Stadtbaukunst des 19. Jh.s dar.

Nicht zuletzt möchte ich einen methodisch an neueren Diskussionen der Kulturwissenschaften orientierten Beitrag zur Stadtbaukunstgeschichte leisten.

Die Materialgrundlage sind v.a. Archivakten, Kartenmaterial, Stadtansichten, architektur-, stadtbaukunst- und gartentheoretische Quellentexte sowie zeitgenössische politische und ökonomische Theorie, medizinhistorische Quellen, Briefe, Reiseberichte, Belletristik und lokalhistorische Publikationen.

Während der Arbeit hat sich eine Verlagerung der Schwerpunkte ergeben, wobei die Frage nach der Fragmentästhetik zwar nicht aufgegeben, aber in den Hintergrund getreten ist zugunsten der kontextuellen Darstellung von verschiedenen Leitmotiven der zeitgenössischen Diskussion um die Stadterweiterungen (Grenze und Grenzüberschreitung, Rechteck und Landschaft, Symmetrie und Regelmäßigkeit, Plätze und Markierungspunkte, Altes und Neues) und von damit in Beziehung stehenden übergeordneten Modellen bzw. Vorstellungen (‚Stadt als Fabrik', ‚Stadt als Garten', ‚Organismus versus Mechanismus').

Hauptthesen

Anhand von Krefeld ist die Prozessualisierung der Stadtplanung im 19. Jh., so nenne ich die zunehmende Rücksichtnahme auf mannigfaltige Interessen, die daraus resultuierende Notwendigkeit zur Flexibilisierung der Stadtplanung und die Zerfaserung in bzw. Verschmelzung mit der umgebenden Landschaft, sehr gut nachvollziehbar.
Die in der jüngeren Städtebauforschung anzutreffende Unterscheidung zweier Stadtauffassungen, zwischen der "Stadt als Kunstwerk" und der "Stadt als Geschäft" (G. Fehl), also zwischen ästhetisch-politischen und ökonomisch-politischen Motiven der Stadtplanung, die zeitlich aufeinander folgten, ist auf Krefeld - und nicht nur auf Krefeld - kaum in dieser Weise übertragbar. Die niederrheinische Seidenweberstadt war auch im 18. Jh. schon durch die Kombination beider Motive gekennzeichnet. Im 19. Jh. entwickelte etwa Karl Friedrich Schinkel anhand von Krefeld ein Modell, das auch unter den neuen politischen und rechtlichen Verhältnissen beides miteinander verknüpfen sollte. Dabei verbindet er die Ästhetik des Pittoresken mit liberalistisch-ökonomischen Vorstellungen.

Entgegen älteren kunsthistorischen Auffassungen und im Unterschied zur geographischen und städtebauhistorischen Forschung ist der rechteckige Stadtgrundriss Krefelds von 1819 weder ausschließlich als autonomes klassizistisches Kunstwerk noch als rein gesellschaftlich oder ökonomisch produziertes Gebilde, sondern als ein zugleich gesellschaftliches, politisches, wirtschaftliches, landschaftliches und künstlerisches ‚Produkt' zu beschreiben, das sowohl typische als auch sehr individuelle Züge trägt und sogar paradigmatische Bedeutung in Preußen erlangt hat.

Die Prozessualisierung der Stadtplanung im 19. Jh., in Krefeld durchgesetzt mit dem Stadterweiterungsplan von 1837, ist nicht allein eine Reaktion auf die massiven Veränderungen des Bodenmarktes, die Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion. Sie ist vielmehr in der Art, wie sie verwirklicht wurde, erst möglich geworden durch ästhetische, politische und ökonomische Diskurse, die bereits im 18. Jh. virulent sind. Diese Diskurse bringen in bezug auf die Stadt bestimmte Modelle bzw. Vorstellungen hervor. Im 19. Jh. verflüchtigt sich das Modell von der ‚Stadt als Fabrik' zugunsten der Vorstellung von der ‚Stadt als Garten', die aus der Diskussion um die Verschönerung der Städte im 18. Jh. entsteht. Begünstigt wird dieser Prozess durch das sowohl in der politischen als auch ästhetischen Theorie um 1800 hoch im Kurs stehende Organismusmodell.


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:: Veröffentlichungen

Aufsätze

Ein Bau der 30er Jahre und sein Programm: Das Hessische Staatsarchiv in Marburg. In: Schwarzes Quadrat, Heft 2 (Sommer 1993), S. 31-34.

Der äußerliche Apparatus. Räume als Schauplätze höfischer Kultur. In: Erdengötter. Fürst und Hofstaat in der Frühen Neuzeit im Spiegel von Marburger Bibliotheks- und Archivbeständen. Ein Katalog von Eva Bender u.a. Red. Petra Niehaus u.a. Hg. von Jörg Jochen Berns, Frank Druffner, Ulrich Schütte, Brigitte Walbe. Marburg 1997 (Schriften der Universitätsbibliothek Marburg; 77), S. 138-157.

Vortreffliche Zeugen der Fürsten und Regenten Macht/ Hoheit und magnificence. Architektur der Residenzschlösser. In: Ebenda, S. 158-195.
Die ganze Stadt dem ganzen Menschen? Zur Anthropologie der Stadt im 18. Jahrhundert. In: Die Grenzen des Menschen. Anthropologie und Ästhetik um 1800. Hg. von Max Bergengruen, Roland Borgards, Johannes F. Lehmann. Würzburg 2001 (Stiftung für Romantikforschung; Bd. XVI), S. 183-203.

Stadtplanung als politische Interpretation eines geographischen Raumes: Carlsburg - Bremerhaven.
In: Politische Räume: Stadt - Land - Architektur. Hg. von Cornelia Jöchner. Erscheint als Bd. II. der Reihe "Hamburger Forschungen zur Kunstgeschichte" im Herbst 2002. [im Druck]

Aufsätze (in Vorbereitung)

Die Stadt wird Geschichte - Panorama, Denkmalschutz, Stadtbaukunst bei Karl Friedrich Schinkel.

Karl Friedrich Schinkel und Krefeld
(Arbeitstitel)

Körper, Maschine, Organismus - Die Stadt als räumliche Organisationsform und ihre Metaphern (Arbeitstitel)



Rezension

Über das Fragment - Du fragment. Hg. von Arlette Camion, Wolfgang Drost, Géraldi Leroy, Volker Roloff. Heidelberg 1999. In: Wissenschaftlicher Literaturanzeiger 40 (2001), H. 2, , S. 27.


Mitarbeit

Die Andere Frauen-Zimmer-Bibliothek. Ein Wegweiser durch die Bibliotheken der Philipps-Universität Marburg zum Thema FRAU. Hg. von Barbara Bauer, bearbeitet von Mascha Bisping und Sybille Wilhelm. Marburg 1995.

Vorträge

"Die Stadt als Organismus und der Mensch zwischen den Körpern" auf dem Kolloquium "Anthropologie um 1800" des Gießener GKs "Klassizismus und Romantik" im Juli 2000.

"Der 'organisirte Körper' und die Verschönerung der Städte als gesellschaftspolitische Neuordnung des Raumes um 1800" auf der internationalen Fachkonferenz "Architektur, Orte, Topographie. Die Formung politischer Räume" in Hamburg (Leitung: Dr. Cornelia Jöchner, Prof. Dr. Wolfgang Kemp) im Oktober 2000.

"Die Stadt wird Geschichte. Stadtbaukunst, Denkmalschutz und Geschichtlichkeit bei Karl Friedrich Schinkel" auf dem Kolloquium "Geschichtskonzepte in Kunst und Literatur um 1800" des Gießener GKs "Klassizismus und Romantik" im Februar 2002.

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:: Kontakt

  Mascha Bisping
maschabisping@gmx.de


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