Zur künstlerischen Arbeit von Felix Droese

Felix Droese gehört zu den wenigen deutschen Künstlern seiner Generation, in deren Werk Politik und Geschichte eine zentrale Rolle spielen. Dabei reicht das Spektrum von der Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Vergangenheit bis zur aktuellen Stellungnahme im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Daneben steht jedoch gleichwertig eine Beschäftigung mit existentiellen Fragen, bei der dem Künstler Rückgriffe auf eine traditionelle religiöse Bildsprache ebenso selbstverständlich sind wie der Rekurs auf theologische Diskussionen.

Der Gefahr des Abgleitens ins Plakative oder Moralisierende, die sich bei solchen Themen leicht ergeben könnte, begegnet Droese zum einen durch eine Haltung des permanenten Widerspruchs, die ihren Niederschlag findet in Werktiteln wie Die doppelte Wahrheit oder Die Realisierung des Raumes zwischen Ja und Nein. Zum andern insistiert Droese zu Recht auf der in der bisherigen Rezeption oft dem Inhalt untergeordneten Formfrage, wenn er festhält: "Die Arbeit, die wir zu leisten haben, ist: Formen hervorzubringen". Es geht also immer auch um die Lösung von gestalterischen Problemen. Das kann heißen: in den Papierschnitten um das Verhältnis von Fläche zu Raum oder in der Druckgraphik um jenes von Zeichen zu Bild. Distanz zur "Schwere" des Inhalts schafft Droese aber nicht zuletzt auch durch die vielfältige Verwendung von Fund- und Gebrauchsmaterialien, die, unspektakulär in ihrer Erscheinung und selbst Träger von ihnen eigenen Geschichten, vorschnellen "Lösungen" sich widersetzen und zu einer intensiveren Auseinandersetzung herausfordern.

Damit geht Felix Droese einen Weg weiter, der von seinem Lehrer Joseph Beuys vorgezeichnet wurde: Der Begriff der "sozialen Plastik" und die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Leben sind auch für ihn zentrale Kategorien, die er belebt und mit seiner eigenen künstlerischen Sprache in eine neue Dimension überführt.