Silbenquantitäten

Nicht nur Vokale, sondern auch Silben besitzen im Lateinischen eine Quantität. Wortbetonung, Vers und Rhythmus basieren auf der Silbenquantität. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen kurzen und langen Silben, bei den langen Silben wiederum zwischen solchen mit Natur- und Positionslänge.

 

Eine Silbe ist kurz, wenn sie…

einen kurzen Vokal enthält und „offen“ ist, d. h. wenn auf den kurzen Vokal nicht mehr als ein Konsonant folgt, wie in:

pe-tĕ-re

ă-gĕ-re

 

Eine Silbe ist naturlang, wenn sie…

einen langen Vokal oder einen Diphthong enthält (ae, oe, au, eu):

a-mā-re

moe-ra

 

Eine Silbe ist positionslang, wenn sie…

geschlossen ist, d.h. auf einen kurzen Vokal zwei oder mehr Konsonanten folgen:

fe-nĕs-tra

hŏs-tis

Wichtig: Ein kurzer Vokal in einer positionslangen Silbe wird trotzdem kurz ausgesprochen!

 

Sonderregeln für Positionslängen

Positionslänge vor -x-

Positionslängen stellen auch das -x- als Graphie für die Lautkombination [ks] her:

ex-au-di-ō
nŏx

mūta cum liquidā

Teffen nach einem Vokal „stumme“ Laute (t, th, d, c, ch, g, p, ph, b) auf „fließende“ Laute (m, n, r, l), kann die betroffene Silbe trotz Doppelkonsonanz kurz gemessen werden:

tĕ--brae

Wichtig: muta cum liquida führen – zumal ab der spätrepublikanischen und augusteischen Dichtung – nicht immer zu einer Kürzung. So finden Sie das Wort tenebrae in den exempla optima, wo die Silbe lang gemessen wird (tĕ-nĕb-rae).

pe-tĕ-re

ă-gĕ-re

a-mā-re

moe-ra

fe-nĕs-tra

hŏs-tis