Zum Projekt


Das vorliegende Lehrbuch Viva Vox ist aus einem didaktischen Projekt entstanden, das 2013/14 am Institut für Altertumswissenschaften der JLU Gießen durchgeführt wurde. Sein Ziel bestand darin, über Fortbildungsmaßnahmen vor Ort Lehrerinnen und Lehrern der Alten Sprachen an hessischen Schulen erste Einblicke in die Grundlagen der historisierenden Aussprache des Lateinischen zu geben. Es ruht auf der Überzeugung, daß die Vermittlung der lateinischen Sprache an Schüler nur gewinnen kann, wenn sie auch orale und auditive Kanäle anspricht. Im Unterricht und beim eigenen Lernen sollte lautes Aussprechen und Hören – wie in den modernen Fremdsprachen – die Regel sein. Dabei geht es natürlich nicht um die Erzeugung kommunikativer Kompetenz. Vielmehr soll zum einen auf diese Weise Erlernen und Behalten verbessert und gestärkt werden. Zum anderen gilt es dem Eindruck entgegenzuwirken, Latein sei eine tote Sprache, die im Grunde niemals von irgendjemandem wirklich gesprochen wurde: Höhere Authentizität des Lernstoffes ist anzustreben, zugleich soll – da die Antike eine orale Kultur war – das ästhetische Erleben des Lateinischen nicht zu kurz kommen.
Wenn man sich zu diesen Zielen versteht, führt kein Weg am Erlernen einer historischen oder zumindest historisierenden Aussprache vorbei. Authentizität ist nicht gegeben, wenn lateinische Texte der Antike so ausgesprochen werden, als seien sie im 19. Jahrhundert entstanden. Ein authentischer ästhetischer Eindruck wird verfehlt, wenn beim Lesen von Dichtung der Wortakzent ignoriert wird, wenn Laute ganz anders artikuliert werden, als man es in der Entstehungszeit der Texte tat.
Unterricht in historisierender Aussprache ist aber auch an der Universität nicht die Regel. Bei unseren Fortbildungsmaßnahmen an den Schulen wurde der Wunsch der Lehrkräfte laut, mehr Gelegenheit zu eigenem Üben zu bekommen. Hierfür bieten digitale Medien die besten Voraussetzungen.