Herzlich Willkommen zu Viva Vox!

 

Sie sind Lehrer/Lehrerin der lateinischen Sprache, Studierende/r der Klassischen Philologie oder einfach ein privater Latein-Enthusiast? Dann sind Sie in unserem Web-Based-Training zur historisierenden Aussprache des Lateinischen richtig! Ganz im Sinne unseres Projektnamens möchten wir Sie dazu anregen und darin schulen, die lateinische Sprache lebendig werden zu lassen. Wie das geschehen soll? Indem Sie die historisierende Aussprache zu einer Praxis Ihres Unterrichts machen und diesen so authentischer werden lassen. Das Projekt Viva Vox sieht vor, (vor allem) Lateinlehrerinnen und -lehrern, die bereits über die elementaren Wissensgrundlagen im Bereich der Aussprache verfügen, ein Know-How mit zugehörigem Übungsmaterial und Selbstprüfungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Die Einheit spricht unterschiedliche Aufnahmekanäle (visuell, auditiv) an, gewährleistet ein individuelles Lerntempo und bietet die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen.

 

Die vorliegende Lerneinheit Viva Vox ist aus einem didaktischen Projekt entstanden, das 2013/14 am Institut für Altertumswissenschaften der JLU Gießen durchgeführt und 2018 neu gestaltet sowie überarbeitet wurde. Das Ziel bestand zunächst darin, über Fortbildungsmaßnahmen vor Ort Lehrerinnen und Lehrern der Alten Sprachen an hessischen Schulen erste Einblicke in die Grundlagen der historisierenden Aussprache des Lateinischen zu ermöglichen. Viva Vox legt seinen Grundstein auf der Überzeugung, dass die Vermittlung der lateinischen Sprache an Schüler und Schülerinnen nur gewinnbringend sein kann, wenn sie auch orale und auditive Kanäle anspricht. Im Unterricht und beim eigenen Lernen sollten lautes Sprechen und Hören – wie in den modernen Fremdsprachen – die Regel sein. Dabei geht es natürlich nicht um die Erzeugung kommunikativer Kompetenz. Vielmehr soll zum einen das Erlernen und Behalten verbessert und gestärkt werden. Zum anderen gilt es, dem Eindruck entgegenzuwirken, Latein sei eine tote Sprache, die von niemandem jemals wirklich gesprochen wurde: Statt dessen ist eine höhere Authentizität des Lernstoffes anzustreben. Zugleich soll – da die Antike überwiegend eine orale Kultur war – das ästhetische Erleben des Lateinischen nicht zu kurz kommen.

 

Die Lernplattform ist in drei übergeordnete Rubriken gegliedert, die sich in Einheiten zur theoretischen Fundierung und aufbauend in Einheiten zu praktischen (Anwendungs-)Beispielen unterscheiden lassen. In der Lerneinheit werden alle Ebenen – von einzelnen Lauten über wenig Wörter und Sätze bis hin zu kleineren Texten – in einer phonetischen Perspektive sukzessiv erfasst. In der ersten (übergeordneten) Kategorie Grundlagen werden zu diesem Ziel die Quantitäten – eine für die lateinische Aussprache wesentliche Grundlage – thematisiert. Darauf aufbauend werden Wortbetonungen, Rhythmus und die Lautlehre in den Mittelpunkt gestellt.

 

In der nächsten Rubrik Wörter & Sätze lesen werden auf der Einwortebene Formenparadigmata (Konjugations- und Deklinationstabellen) in historisierender Aussprache wie auch beispielhaft falsi amici (die „falschen Freunde“ der lateinischen Aussprache) dargeboten. Schließlich werden Sentenzen auf der Mehrwortebene zur Verfügung gestellt.

 

In der letzten Teileinheit Texte lesen sollten die Teilkompetenzen für die Analyse und das Sprechen einzelner Sätze erworben worden sein. Diese Teilfertigkeiten werden hier zusammengeführt und auf das Lesen ganzer Text(abschnitte) übertragen. Zu diesem Zweck wird eine Differenzierung nach literarischer Gattung vorgenommen, die in puncto Aussprache besonders in der schulischen Praxis stark gemacht wird: die Unterscheidung von Prosa und Dichtung. Diese Teileinheiten zielen darauf ab, aufzuzeigen, dass diese Differenzierung nicht der antiken Realität entspricht und artifiziell durch beispielsweise die Orientierung am sog. Iktus hervorgerufen wird. Sie werden im Rahmen einer Übungsphase selbst in eigener Praxis erfahren, dass quantitierendes Lesen unabhängig von literarischen Gattungen zum Ziel des adäquat historisierenden Sprechens führt. Schließlich sind Sie vollends vorbereitet, ihr neu erworbenes und gefestigtes Wissen zusammenhängend aufzurufen. Hierzu können Sie im Unterkapitel exempla optima auf in diesem Projektrahmen eigens aufbereitete Textsequenzen aus Caesars Bellum Gallicum, Sallusts De Coniuratione Catilinae, Catulls Carmina und Ovids Metamorphoses im Sinne eines „best practice“ mit Musterlösungen (als Audiodateien) zugreifen. Sollten Sie darüber hinaus einen weiterführenden Blick auf zusätzliche Meisterwerke der römischen Literatur in puncto historisierender Aussprache werfen wollen, können Sie im Reiter exempla optima im Web weitere auditive Darbietungen seitens der Society of Greek and Latin Literature auskundschaften.

 

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Durchlaufen unserer Lerneinheit! Verleihen Sie den antiken Autoren ihre einstige Wirkung, indem Sie ihnen Ihre Stimme leihen!

 

Informationen zu den Mitwirkenden des Projektes wie auch einen Nachweis der Quellen, die zur Rekonstruktion der historisierenden Aussprache herangezogen werden, finden Sie unter Zum Projekt.