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** Ulrich Ellenbog, Von den gifftigen Besen Temmpffen
** und Reuchen (entstanden 1473; Druck Augsburg, wohl um 1524).
** Vorlage: Ulrich Ellenbog: Von den gifftigen besen Tempffen
** und Reuchen. Eine gewerbe-hygienische Schrift des 15.
** Jahrhunderts. Wiedergabe des ersten Augsburger Drucks mit Biographie
** und einer medizin- und druckgeschichtlichen Würdigunge von
** Franz Koelsch und Friedrich Zoepfl. München 1927.
**
** Abgeschrieben und 1 mal Korrektur gelesen:
** Thomas Gloning, 29.3.97
** Kursive = aufgelöste Abbreviaturen
** <<A1a>> = Lagenzählung des Originals
** [] = Form des Drucks bei Besserungen und Ergänzungen
** Silbentrennungen aufgehoben (wegen Suche)
** o:e = o mit übergeschriebenem e, etc.
** //alinea\\ = Alinea-Zeichen
** (xxx)(xxx) = Markierung des Textendes (von mir)
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<<A1a>>
Uon den gifftigen Besen Temmpffen
vnd Reüchen/ der Metal/ als Silber/ Quecksilber
Bley vnd anders So die Edlen handtwerck
des Goltschmidens/ vnd ander arbaiter
in des feür sich gebrauchen mu:essen Wie sie
sich da mit halten vnd die gift vertreiben sollen.


<<A1b>>
Dem Maisterlichen subteilen
vnd edelen handtwerck der goldtschmiderey
der kayserlichen stat Augspurg.

MEin willigen wolgeflissen dienst die
seyen [_eyen] eüch alle berait/ Do ich Vlrich
Ellenbog [_llenbog] in artzney doctor von Feldtkirch/
yetz Capittel artzet deß hohen
stiffts zu [?in] Augspurg/ betracht hab/ den großsen
hohen vnd mercklichen schaden der disem
maisterlichem hantwerck zu:ostet durch die Reüch
vnd dempff der ding/ da mit das gemelt hantwerck
vmmb geen mu:oß. Do mocht ich mich nit
entziehen noch enthalten den maistern zu:o dienst
vnd hilf ainen radt zu:o geben/ damit sie zu:o schaden
vnd kranckhait nit also schwerlich. durch diß
tempf kement. Jch bit auch euch herren vnd
maister jr nement disen meinen klainen radt/
mit aigner hand geschriben/ in allem gu:ottem
vnd fraindtschafft auff/ dester lieber will ich
euch allen vnd yedem mit fraintlichen diensten
willig sein/ damit gebietent vnd schaffent/
Datum Auguste. am 6. tag Octobris. 1473.


<<A2a>>
Uon dem Feür der kolen.

JN ewrem subteylen hantwerck prauchent
jr kolen zu:o dem feür/ der selbig rauch
oder tampff ist gyfftig/ vnd sonderlich
so die koln etwas feücht seind/ wann
diser tampf bschwert dz haupt vnd auch prust/
nemlich so ainer lang da bey ist/ vnd wo man zu:o
lang dabey verhart/ so wirt betru:ebt dz gesicht
also dz ainen bedunckt es sey gru:en vnd blaw vnd
der gleychen vor seinen augen/ oder fleügen im
lufft. Diser tampf macht auch schwer vnnattürlich
schlo:ef/ vnd zu:o zeyten schwere gelider/ vnd
so man lang dabey ist so lembt er. Darumb brauhent
nit vil feüchter kol/ lond sie an aim fru:een
lufft wol anbrennen/ Zu:o winter zeyt so jr kol
feür in der werckstat habent so bschlu:essent die
fenster nit/ vnd bewarent eüch vor disem tampff
so fast ir mügent/ ist mein radt/ Die gschrifft
zaigt an dz gantz gifftig vnd to:edtlich ist in aim
bschlossnen gemach bey disem koltampf lang
wonen vnd schlaffen/ als dann etlich grundmaister
in der artzney dz beweysent/ vm kürtze willen
on not anzu:ozaigen. So ir maister die kolfewr
<<A2b>>
brauchen wo:ellent vnd vor in fru:eem lufft angezünt
vnd auffblasen sein/ so legent weyssen weyrach
darein/ oder sprentzet ain wenig weins darauff
so wirt die gifft vnd schad diß tampff gmindert.


Uon dem tampff des Quecksilbers
Bleyß/ vnd ander metall damit die goldschmid
gewonlich vmbgond.

DJe gschryfft der artzney heldt/ dz der
tampff ains yeden dings behalt die
natur complexion vnd kraft seins corpus
dauon es außgat/ Also machent gwonlich
die appodecker gebrent wasser die warmer
natur seind/ so sie nemen warme kreyter/ vnd
von kalten kreütern brennen sie kalt wasser/ Also
ist auch dz der rauch oder tampf ains yeden mettals
behelt die complexion natur vnd krafft des
metals dauon er außgeet/ Vnd ist offt der tampff
oder rauch mer stercker/ krefftiger/ vnd scho:erpffer
dann jr mineral/ metal/ oder corpus/ als man
scheinbarlich sicht so man aquam fortem sublimiert/
auch so man gebrenten wein distiliert/
da ist der tampff vil stercker dann der salarmoniax/
allon. rc. oder auch der wein von dem der gebrent
wein gemacht wirt/ darumb so haißt vnd
<<A3a>>
nennet man den tampff Spiritus/ dz sein gaist/
wann sie durch ir scho:erpff/ sterck vnd subtilikait
mer durchtringen vnd vil stercker würcken dann
jr corpus darauß sie gezogen sein/ Nun ist offenbar
in der geschrifft der natur dz das Quecksilber
fast vnd hoch kalt vnd feücht ist in seiner conplexion
vnd auch würckung/ auch das Bley kalt
vnd feücht ist/ deßgleychen Silber kalter natur
ist/ dergleychen Glet vnd Spießglaß kalt sein/
Darum sprich ich dz der yetz benantte metalrauch.
vnd tampf den menschen fast kelt der mit vmb
gat. Darumb so ir herren vnd maister silber arbeittent
mit Bley/ oder verguldent/ so sollent ir euch
vor dem tampff vnd rauch so fast jr mügent hu:eten/
wann er ist eüch gifftig/ vnd ist mein radt mügent
jr dz am offnen freyen luft thu:on dz jr es mit allem
fleyß/ vnd in kainem beschlossen gmach thu:et
Auch sollent jr euch nit zu:ouil über disen tampff
heben/ sonder den mund dauon wenden vnd verbinden/
Diser tampff von Quecksilber Silber vnd
Bley ist ain kalt gifft/ wann er macht beschwerung
vnd enge der brust/ beschwert die glider vnd
lembt die zu:o zeyten als man offt sicht in den
schmeltzhütin/ da man mit grossen hauffen vmgat
<<A3b>>
vnd werden dauon beschwert die edlen inwendige
gelider.


Wie man den schaden diser tempff
soll mindren vnd auch wenden.

LJeben Herren vnd Maister so jr abtreybent
oder verguldent/ so habent bey
euch bysam daran solt jr offt vnd vil
schmecken/ wann des bisams rauch
durch sein wo:erme dempft vnd nidertruckt die
kelte des rauchs von Silber Bley vnd Quecksilber.
Jtem der bisem durch aigenschaft die er hat
zu:o stercken die edlen gelider des hertzen/ vnnd
hyrns/ wo:ert vnnd mindert den schaden vom
tampf des Bleis vnd quecsilbers/ also das der
selb tampff eüch nit also schaden kan noch mag/
Jtem die zeyt so jr goldschmid bey dem vorgmelten
rauch wonent/ so haltet im mund ains der nach
geschriben stuck welchs jr wellent vnd küfent dar
an/ so wirt aber durch krafft diser stuck corrigiert
vnd gmindert die gifftung des tampffs den
jr mit dem lufft zu:o ewerm athem in euch ziehent/
also das derselb tampff euch nit also schaden
bringen kan/ als ob jr die stuck oder jr gleich
nit im mund hieltent. //alinea\\ Vnd sein diß die stuck
<<A4a>>
wechalterber/ rauten Diptamus/ dz ist ain holweiß
wurtz Tormentil/ Alantwurtz/ Zitwan/
vnd Citronsom/ [?] Vil ander stuck lobend die grundartzt
wider diß güfftig tempff/ Aber diß vor
gschriben .vij. stuck/ seind euch gu:ot vnd gnu:og och
gemain/ dz jr vnd ain yeder sie wol überkommen
kan vmb klain geldt. Etlich lerer in artzney loben
gar fast den smaragden den selben sol man
auch im mund halten wann er wider stat der
giftigung diß tampfs Auch lieben maister wa ewer
ainer in vergulden oder abtreiben vil tempff in
sich gezogen het/ da durch er beschwere empfünde
oder schaden fürcht/ so sol er am nechsten tag
darnach nu:echtern am bet erschwitzen vnd da nemen
ainen gu:oten alten tiriax als ain groß haselnuß/
mit rauten wasser oder erenpreiß wasser oder
wein/ so wirt die giftung von im getriben die
jnn in komen ist im abtreiben oder [?eder] vergulden. Auch
lobent die doctor dz jr nach dem abtreiben/ oder
vergulden wermu:ot wein trincken solent/ wan durch
werm vnd hitz der wermu:ot wirt nidergetruckt die
kehung [?] von den benanten tempfen/ darzu:o hat
Wermu:ot kraft dz sie widerstat der giftigung. Vnnd
welcher in seinem keller kain wermu:ot wein hat/
<<A4b>>
mag in in ainem tag oder xij. stunden also machen
so er wermu:ot in den wein senckt. Ob aber ainer
im beth nit erschwitzen mo:echt/ so sol er mit
lerem magen in die badtstuben gon/ vnd den
tiriax wie vor geleert genossen haben.

Vor den tempffenn Aque fortis/ die seind
warm hitz vnd vast scharpf/ vnd vor den tempffen
der glet vnd spießglaß/ die da kalter natur sein
solt jr eüch sonderlich wol hu:eten vnd halten wie
oben von Blei vnd Quecksilber geschriben ist. Auch
sagent etlich leerer man sol vor vnd nach knobloch
essen [eessen] vor sollichen gifftigen tempffen.

Vor den tempfen des Spongru:ens Salpeters
vnd Salarmaniax da hu:etend eüch fast wol für/
wann jr dz blaich gold fewrendt/ dann dise tempff
seind ser hitzig/ scharpff vnd giftig. Jn corigiern
vnd mindern jre gifftigung soltu ain halb quintlin
Boliarmeni mitt wein vnd roßwasser gemischt
trincken. Damit spar vns Got alle gesund.
Amen.

(xxx)
(xxx)