Kochrezept-Notizen aus dem 16. Jahrhundert

Textgrundlage: H. Müller: Kochrezepte aus dem 16. Jahrhundert. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 14 (1967) 83-86.
Die Rezepte: Die Rezepte sind eingetragen in ein Exemplar von L. Frucks 'Teutsch Formular vnnd Rhetoric', 1579. Nach Müller sind die Rezepte Abschriften, die auf eine Sammlung aus der Mitte des 16. Jhs. zurückgehen: "Da wir nur wenig Vergleichbares aus dieser Zeit besitzen, dürften die Kochrezepte als eine kleine Rarität gelten. Sie gestatten uns einen Blick auf den Speisezettel eines wohlbestallten Bürgers um 1550" (S. 84). Zur Lokalisierung schreibt Müller: "Auch unser Rezeptabschreiber entstammt dem Groß-Kölner Raum, etwa dem Gebiet zwischen Rur und Erft, der Schreibweise seines Dialektes nach eher noch dem heutigen deutsch-niederländischen Grenzgebiet" (84).
Elektronische Fassung: <<85>>, <<86>> = Seitenzahlen von Müllers Edition; unsere Wiedergabe ist zeilengetreu; Müllers Markierungen für den Zeilenwechsel des Originals (/) wurden hier nicht wiedergegeben. Aufgelöste Abbreviaturen, z.B. "It(em)" hier kursiv ("Item").
Einrichtung: Christian Heuer und Thomas Gloning, IV/2000.


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Vme zu khochen vnnd guitte khuichen zu machen

Item einen gellen peffer offer ein hoen zu machen, dat hoen sall man gar
lassen sjeden, mit einer khuirter brueden wat buitter darauif vnnd peffer
vnnd saltz vnnd zuicker vnnd zafferaen vnnd mishaten vnnd peffer khoechen
vnnd das mit essich gebrochen.

Item dat hoen zu fuillen neme speck vnnd villich vnnd peffer vnnd II eys
doetter vnnd das vnnder eyn ander gehackt vnnd darmitt gefoltt.

Vber eyn salm eynen peffer machen

Item nym wein vnnd wasser vnnd weck vnnd buitter vnnd laeß das
zusamen sieden, vnnd darnach durch eyn doech gedoeidt, darnach nim genuer
peffer zucker zafferain vnnd raseinen vnnd das vnder ein ander laessen
sieden vnnd den salmen jn eine schuttel vnnd dan das vorgemelte daruiffer.
Item ein hoen jn seiner selffs brueden zu sieden, darbey doen beshcaten
bloemen vnnd watt buitteren.

Item ein hoen dat man suidt bey groenen fleiß sall man nicht vullen.

Item groene fleiß mit einem hoen zo sieden soltu genuer schneiden mit
groessen stucker vnnd jn ein doech gebunden vnnd darnach doen den genuer
auiß vnnd ligh es vme dat fleiß vnnd hoen.

Item nim ein felt hoen vnnd pluek it druich vnnd lich is in die kollen
vnnd darnach doe jme den krop auiß vnnd speck die bruist mit negelen
vnnd fuillen jn dat beshatten bloemen vnnd buitter vnnd dan jn den spis.

<<86>>

Item willt du it sieden so bereidt dat wie fur ahn dem fuir vnnd doen itt
in ein duppen mit wasser vnnd laeß nhoe gar sieden vnnd doen dan weins
vnnd buitter oder ander guitt gantz fetgen.

Eyne bestedt zu machen

Vur jrst das hauiß zu machen sall man nemen warm wasser vnnd buitter
vnnd 2 eyer vnnd das meell vnnd dan jrst mit dem meell brechen vnnd dan
allmall wenich bis es steiff vnnd darnach mach datt hauiß, vnnd dan saltu
nemen ein hoen oder ein endt vnnd darbey ein stuck fleiß vom shaeff oder von
einem khalff oder fleiß dat mager is vnnd dat fleiß kleyn geshniden, vnnd
vme dat hoen gelacht, vnd dan nhme quell vur jrst wall auiff vnnd dar
zu saltu nemen beshalen blomen negell vnnd zafferaen vnnd zuicker vnnd
buitter oder ander guitt fettgen vnnd dat krauitt mit essich vnnd wein gebrochen,
vnnd dan auiff dat hoen gelacht vnnd jn einen offen gesatt vnnd ein
lochelgenn jn den deckell gemacht.

Christiaino Schoechenn

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