Artzney Buchlein/ wider allerlei kranckeyten vnd gebrechen der tzeen (1530): Ein frühes Zahnmedizin-Handbuch
-- Textgrundlage: Artzney Buchlein ... M. D. XXX. Faksimile mit einem Nachwort von H. Schwann. Leipzig/ Heidelberg 1984. -- Artzney Buchlein ... M. D. XXX. Faksimile mit einem Nachwort von H. Aupperle. Schwäbisch Gmünd 1959.
-- Digitale Fassung: Thomas Gloning, 1995, 2001; Seiten- und zeilengetreue Erfassung; Silbentrennung aufgehoben. Übergeschriebenen Zeichen nach dem Muster "uo" kodiert. -- xx [>yy] = xx ist zu yy zu bessern. -- Die Marginalien des Drucks wurden nicht wiedergegeben. -- Bitte teilen Sie mir Fehler mit, die ich möglicherweise übersehen habe.
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A1a

Artzney Buchlein/
wider allerlei kranckeyten
vnd gebrechen der tzeen/ getzogen
auss dem Galeno/ Auicenna/ Mesue/
Cornelio Celso vnd andern mehr
der Artzney Doctorn/ seher
nuetzlich tzu
lesen.

M.D.XXX.


A1b

Jnhalts dises
Buchleins.

Das erst Capittel/ Wenn vnd wieuil dem
menschen zehn wachsen.

Das ander Capittel/ Auß wasserley vrsachen
die zehne vorderbet werden.

Das dryt Capitel/ Wye den kindern zuhelffen
ist das yhnn yhre zen leichtlichenn
wachsen.

Das vierd Cap. Von wetagung der zene.
Das funfft Capittel/ Vonn den geloecherten
vnd holen zene.

Das sechst Capit. Vonn eylickeit der zene.

Das siebend Capitel/ Von den gelen vnd
schwartzen zenen.

Das acht Cap. Von schlaffunge der zene.

Das newnd Capittel/ Vonn wackelung
der zene.

Das zehend Capittel/ Von Wuermen inn
den zenen.

Das .xj. Capittel/ Von geschwuer stinckung
vnd faulunge des zan fleisches.

Das .xij. Capittel/ Von außbrechung der
boesen zeene.

Das letzs Capittel/ Von erhaltung guter
zeene.


A2a

Vorrede.

NJcht vmb sunst hatt die natur
vorordent/ das die zene nicht allein
in den vnuernunfftigen thiren/
sunder auch in den menschen
die ersten zubereitter der speise sein/ daruon
die natur wirth erhalden/ vnd also die erste
bereittung der dewunge helffen machen.
Dem magen zum ersten (von welchem dy
andern glider enthaldunge nemen/ vnd so
er kranck vnd schwach ist die andern glider
kranck vnd schwach werden) die speise
bereitten/ vnd sie gleich wie ein koch zu
hauen. Darumb wirth vnns von noetten
sein die selbigen wol in achtunge zuhaben
vnnd zuuersehen/ das sie nicht boese vnnd
stumph werden/ vnd also dem menschen
einen mercklichen schaden zufugen. Dach
sein die zehne nicht alleine zubereitter der
speise sunder vonn der nature auch dem
menschen zur tzyrunge vnd regirunge der
stimme vnd rede vorordent vnd gegeben
vnd sunderlichen die fordersten/ welche
gleich mit einem lieblichen laut die anschlahung
der zunge entpffohen vnd yre rechte

A2b

ordenung/ als plinius saget/ die hoeflickeit
vnnd sussigkeit der woerter machet/ Auch
so sie außfallen aber sunst vorletziget vnd
verloren werden/ entnemen gantz vnd gar
die außsprechunge etlicher buchstaben vnd
woerter/ whu nicht wirt ym dach das kosen
schwerrer vnd sewer/ welchs zubewaren
habe ich kuertzlich kleine geringe vnderweysung
sie inn yhrem natuerlichen wesen
zubehalden auß andern erfarnen ertzten
getzogen der iugent an tag zu
geben vorgehnommen bitte
darbey einenn yetzlichenn
leser diß guth willigklich
an zunhemen.


A3a

Das Erst Capittel.
Wenne vnd wieuil dem menschen
die zene wachsen.

Zum ersten sal mann mercken das dye
natur in brengung der zeen gantz wuenderlichen
ist. Etliche (welchs das selden) mit
den zehnen geboren werden/ als Marcus
Curius ein namhaftiger Roemer. welcher
daruon dentatus als ein gezenter genant
ist worden. Der gleichen Cneus papirius
vnd andere mehr. Etliche haben an stath
den zene ein gantz bayn. Etliche (als gewoenlich)
beginnen die zeen im siebenden
Monden nach der gepurt zu wachsen/ vnd
darnach in mitler zeit biß yhr zwen vnnd
dreissigk werden/ dach kommen sie einen
schwerrer ader leichter eher vnd lencksamer
an denn den andern.

Auch wachsen etliche zen im zweintzigisten
Jar/ vilen als plinius sagt im achzigsten
auch fallen sie etlichen im alter auß
vnd wachsen yhn wider. Alß dem zancker
ein samothracischer Buerger der hundert
vnd vier Jar alt war/ dach wuchsen yme
zene. Auch hat Thimarcus Nicolis sohn


A3b

zwu rei der kinpacken gehath/ vnd vf ytzlichen
zene. Vnd seinem bruder sein sie nicht
auß gefallen. Derhalben hath er sie gantz
vnd gar vornuetzt/ Auch findt man etliche
den zene im rachen gumen gewachsen sein
aber diß ist seltzam vnd wirdt vnder dye
wunderwerck der natur getzelt.

Das Ander Capittel.
Auß wasserley vrsachen die zene
vorderbet werden.

Dieweyl nuhn die zene dem menschen
zur zierung vnnd zu brauchung des essens
vnd außredung der woerter gegeben sein/
wirt vnns von noetten sein die selbigen als
viel vns mueglich ist in yhrem wesen zubehalden/
vnnd alle die vrsachen die yhn beschwerung
brengen meiden. Vnnd so yhn
yrgent ein vnfal (das offte geschicht)
begegnet/ wirts vns zustendigk sein
demselbigen furzukommen vnd wegk zutreiben
ehr denn das vberhanth nimpt/ dye weyl
einem ytzlichen gebrechen am anfange zu
widersteen ist/ vff das man nicht zu
langsam ertzney bereytte.


A4a

Zum aller ersten sal man sich befleissigen/
das die zen nach dem essen nicht allein
vonn der speise darinne hangende/ sunder
mit einem feinen reinen wasser gespueleth
vnd gereiniget werden.

Zum andern ist mitt moeglichem fleiß
die zustoerunge der eingenommene speyse
zu flihen/ denn das macht boese duenste auß
dem magen vffsteigen vnd vorletziget die
zene mercklichen.

Zum dritten sal man flihen das man
sich nicht vffte bricht denn das geschicht
nicht ane mercklichen schaden der zene dy
weylß auch in vbunge vnd fragunge ist so
sich einer gebrochen hat/ ab nhu auch dye
zene eylick sein/ aber heisch in ein strohelmlein
zu peissen. Wue sich aber brechung begibet
(die weilß der natur vnd dem magen
zu weylen behuelfflich ist) sal mann den
munth palde mit rosen wasser vnd essig/
aber mit einer andern reinunge erfrischen
spuelen vnd waschen.

Zum vierden sein die speisen zu fliehen

A4b

die den zenen entkegen sein/ als doerre feygen/
gesotten honick susse eschlauch veth
dingk das do tzech ist/ sawer epffel/ Holtz
pyrn/ essig/ milch/ rettich/ denn das macht
die zen eylick.

Zum funfften sal man sich huetten das
man nichts hertes peisse. Als hertte nueß/
kern vnnd dergleichen/ all das genige das
inn der zubrechung den zenen wehe thut/
vnd an yhre wehegunge nicht zu geheth
den daruon kommen merckliche scheden.

Zum sechsten sal mann alle speise die
schleimicht ancleibicht vnd veth sein fliehen/
denn die bleiben an zen hangen/ vnd
nicht ane schaden der selbigen.

Zum Sibenden ist heisse speise zu flihen
denn sie verpuernt die zen/ vnd wirt nimmer
ane schaden eingenommen.

Zum achten sal mann sich huetten vor
vbriger kalde speise/ ader kaldem trancke
dann das thut die tzeen auch sehr vorletzigen/
das man an yhn wol fuelen kahn dye


A5a

weyl den tzenen die feulung vnder den
andern peynen wirt zu gegeben.

Zum neunden sal man sich huetten fur
kuecksilber ader salben dartzu kuecksilber
ist/ vnd sunderlich so man diß auf kolen setzt
das einem der broden nicht in den hals an
die tzeene geheth/ Aber das man nicht neme
kuecksilber/ als etliche betriger thun/
vnd reybe rotte muentze darmitte vnd dar
nach die finger in das maul stecke.

Zum tzenden sal man fliehen das man
nicht balde nach grosser feulung des
magens schleft/ denn das auch nicht ane
schaden der zeene geschicht.

Das Dritt Capittel.
Wie den kindern zuhelffen ist/ das
yn yre zen leichtlichen wachsen.

Vben ist gesaget wie einem ytzlichenn
menschen vornemicklichen in dem sibenden
monde die tzen anheben zu wachsen/
die weyl sie aber gemeinicklichen den kindern
mit etlichen zufelligen kranckheiten

A5b

vnnd grossen schmertzen kommen magk
man die nachuolgenden stuecke ane verligkeyt
gebrauchen vnd seind dy furnemsten
außgelesene ane schaden.

Zum ersten sal man die kindergen (den
die zene sawer werden) vffte baden/ vnd
das tzan fleisch nach dem bade vft mit einem
finger der in warmen huenner gensen
ader enthen veth getunckt ist/ subtil reiben
do man sich der tzene zu kummen vormut
drucken/ dach das yn nicht altzuwehe
geschehe/ Auch magk man das gehyrn von
einem hasen nemen vnd der gleichen vffs
tzanfleisch ader mit wintzigem ytzt genanten
vetthe vormengt vff die wenglichen
streichen aber von außwendigk drof legen.

Darnach magk man auch nemen als
der Mesue spricht pappeln/ Steinklee/
camillen oder hermlichen/ dille in wasser
gesoten vnd den halß/ das heubt/ dy
wenglichen dar mitte pehen/ weichen vnd
waschen.

So aber die tzene beginnen tzuerscheynen
vnnd herfur tzu kommen/ so nim feyn

A6a

subtile wolle von einem schepse die vnden
am halse gestanden hath/ camillen adder
dillen oel/ fein warm gemacht vnd duncke
die wolle darein/ lege sie also warm vffn
halß vnnd kinpacken welchs den kindern
sehr gut ist/ vnnd die wachsunge der tzeen
leichtlichen macht.

Es pflegt sich oft zu begeben das den
kindern nach syben Jaren/ wenn die tzeen
beginnen auß tzufallen/ andere tzene wachsen
neben den yhenigen die do außfallen
solden/ derhalben sal man den alden tzan
der außfallen sal neben welchen der newe
erscheynet von dem tzanfleische wol reinigen
vnnd offt wackeln/ also lange baß er
sich leth außtzihen/ darnach sal man den
newen alle tage an den orth do der forige
gestanden hat trucken/ vnnd lencken/ also
lange baß er ahn den rechten orth do der
forige gestanden hat komme/ vnd den andern
gleich werde/ denn wenn mans vor
sihet so bleibet der alde stehen vnd wirdt
schwartz/ der Junge vorhindert das er
nicht fein gerade kan gewachsen/ vnd
darnach mit keinerley weise an seinen rechten
orth gebracht werden.


A6b

Das Vierde Capittel.
Von wehetagung der tzene.

Was wehtagung ader schmertzen der
tzene ist/ weiß niemandts so wol denn derß
versucht hat/ vnd halde das kaumet yhrgent
einer erfunden magk werden als diser
ist/ vnnd ist ein schmertzen auß den aller
groesten/ begibet sich dach aus boeser
complexion vnd tzustoerunge der adern/ die in
de tzene gehen/ Etliche halden das wehetagung
der tzen eine aus den erbkranckheiten
sey/ die vonn vater ader mutter einem
angeporen werde/ vnd der warheit nicht
sehr enthkegen/ die weyl wir allenden tzu
vnnsern tzeitten sehen/ das die kinder am
sersten darmitte beschwert werden/ welche
eldern haben gehabt dy alle beyde darmit
beladen sein gewest.

Stillunge aber des schmertzens als vns
Jannes de figo sagt/ wird furnemicklich
in dreyerley wege vorendeth.

Zum ersten in gutter regierung essens
vnnd trinckens/ das der domit beladen ist

A7a

alles was balde muedericht faul vnd stincken
wirdt/ flihen sal/ als millich/ alde teige
vnnd garstige kese/ vische/ grob gesaltzen
gereuchert fleisch/ vnnd der gleichen
andere scharffe speise wie oben ertzelt.

Zum andern durch reinigung der materien
daruon sich der schmertz erhebth/
welchs Zum ersten wirt vorendeth durch
adderlassen/ adder koepff setzen/ als der
Mesue schreibet das man die heubt ader
lest/ aber die adern auf der lippen/ die tzwu
adern/ vnder der tzungen/ die leber ader/
koepff setzt vnder den scholdern/ vnderm
halse/ am kinne/ das tzan fleisch fein subtil
mit einer flitten tzu kritzeln/ das das vbrige
blut magk rauß gehen. Zum andern/ das
man die materia purgire mit dem electuario
rosato Mesue/ aber pillulis de reubarbaro/
aber assaieret/ aber so der schmertze
von kalder vrsachen kuembt mit pillulis
de fumo terre vnnd sine quibus esse nolo/
die man alle in der appotecke findt/ vnnd
nach roth eines erfarnnen leibartzt nach
gelegenheit der tzeit vnd complexion soll
genommen werden.


A7b

Zum dritten wirt der schmertze gestillet
mancherley tzuthuung der ertzteyen/
vnd der yenigen die den schmertzen stillen
vnd benemen/ vnd geschiet entzwer vonn
tzuthuung eynerley ertztey aber von der die
vonn mancherley dingen sein tzusammen
gesatzt/ welche auch zweierley sein/ etliche
stillen den schmertzen der von hitze kombt
etliche den der vonn kalder materien entspringt/
welchs ein ytzlicher wol in achtung
sol haben.

Jst der wehtage von heisser materien
so thuts einem an den tzenen sanfft/ so ehr
kalt dingk in mundt nimpt/ Jst der wetage
aber von kelde so thuts einem sanffte/
so er etwas warmes in den mundt nimpt.

So der schmertze von kelde ist/ sal man
in mundt nemen die nachuolgenden eines
tzwe ader dreye tzusammen als einem ytzlichen
gefelth.

Nim Bertram wurtzel seut sie mit weine
haltz warm im munde/ Auch mag mann
nemen bertram jngwer vnd mit essig siden.


A8a

Nim Pfeffer Euforbium ist ein gummi/
tzustoß sie mit honige legs vf die tzene.
Tenffels [Teuffels] dregk mit senff tzustossen/ ist
auch guth.

Nim ein teyl Pfirßkern ein halbtheyl
Pfeffer/ stoss vnder einander.

Nim Bertram/ Pfeffer/ jngwer/ leus
kraut/ ader wolffs krauth/ ytzlichs gleich
tzustoss vnnder eynander/ reyb das tzanfleisch
darmitte.

Nim tzwippel samen/ Pilsensamen/
lauch samen/ ytzlichs gleich/ tzu stoss mach
mit Pilsen safft kuechlein als halbe hasellnuess/
lege eines vf kolen/ nim einen trichter
stuertz yhn darueber/ lass den rauch an dye
tzene gehen do dyr wehe ist.

Pilsensamen mit ein wintzigk Sandarace
fint man in der Apotecken/ Mirren/
Jngwer/ Bertram/ alles tzu stossen darmitte
ein klein secklein eines fingers breyt
gemacht/ vnd vf den boesen tzan gehalden
enthnymmet den schmertzen.


A8b

Bertram einen halben tagk in essigk
geleyth darnach vffn boesen tzan gelegeth
entnymmet den schmertzen.

So der schmertze von wermde kompt
ist diss nachuolgende sehr guth.

Nim koenigs kertz wortzel/ die weisse
blumen hath/ ein hantuol rosen/ gersten/
Sumach ist ein gummi findt man in der
apotecke ytzlichs ein halbe hantuol/ Tormentil/
Pilsensamen/ alle beyde tzu stossen
ytzlichs .ij. quinttin/ Lattich .ij. hantuol/
nacht schatten ein halbe hantuol/ seud sie
altzu gleich in tzwu kannen regen wasser/
vnnd eyn noessel essigk lass halb ein siden/
seyges durch ein tuechlein vnd halts in den
mundt auff den backen do dyr die tzeene
wehethun.

Auicenna spricht so man nimps [>nimpt] eyne
hauth vonn einer schlangen/ seudt sie mit
essige vnd halts in dem munde ist seer gut
etliche nemen tzum essige granaten weyn.

Pilsen samen wurtzel mit rosen oel vnd
essige gekeut/ im mundt gehalten ist gut.


B1a

Man mag auch vf den boesen zan legen
Metridatum Nicolai.

Nim eysen kraut mit der wortzel seutz
in weine halb ein halts im munde.

So die wehetagung der tzen mit grossen
schoessen ist/ so nim pfeffer/ weyrach/
gebrante bonen machs als zu puluer/ temperirs
mit weissem eynes eyes/ machs als
ein pflaster/ streich auff eyn tuechlein leges
in dy doenne des wangens/ an der seitten do
der schmertzen ist es hilfft sehr.

Mann pfleget auch etliche ertztey als
Mesue spricht ausswendigk auffn packen
do eyme die tzen wethun zu legen/ als seyn
pappeln/ dille/ eibisch/ camillen blumen/
clee/ krichisch hew/ leyn samen/ porrich
famen (samen)/ schwertel ader lilgen wortzel/ vnd
der gleichen/ so man sie klein zustoest vnd
macht daraus ein pflaster aber seudt yhr
eyn teyl inn essige ader weyn vnd lege sie
auffn packen.


B1b

Auch pfleget man sich von ausswendigk
zu schmeren mit Camillen oel/ dillen
oel/ rauten oel/ pitter mandel kern oel/ lilgen
oel/ pfiirschken [>pfirschken] oel etc.

Nim Pilsen samen alaun ytzlichs .iiij.
quentlein/ Pfeffer iij. quentlein/ Bertram
ij. quentlein/ stos sie auffs kleinste mache
mit essige kuechlichen als bonen gros/ vnd
so dyr die zene wehethun nim eines vnnd
reybes auff den zan vnd zanfleisch do dyr
wehe ist/ Ader lege eines in wintzig weyn
ader essig/ zu reibs das zu geht/ vnd nims
auffn backen yns maul do dyr wee ist.

Nim nelicken/ zimet rinde/ kalmes/ ytzlichs
gleich/ stoss auffs kleinste zu puluer
geus ein wenig gebranten weyn darauff
las steen vnnd leges darnach mith einem
tuechlein auff die zene.

Oppopanacum mit essige resoluirt vnd
gesotten im munde gehalten ist guth fur
den schmertzenn vnnd aussholung der
zene.


B2a

Nim Bibergeil/ Teuffels dregk/ storacis
sein gummi in der apotecken/ weirach
runde holwortzel/ weissen mon safft opium
genant/ Pfeffer/ Pilsen samen/ Jngwer
ytzlichs gleich/ zu stos aufs kleinste machs
mit honige zu einem mueslein ader selblein
vnd wenn duss bedarffst schmers auff die
zene do dyr wee ist.

Jsop mit honigk vnd essigk gekocht
stilt den schmertzen.

Froesche mit wasser vnd essig gekocht
sein sehr guth zun zen so man die suppe in
dem munde helt.

So aber einem die wangen zu schwellen ist
es als Galienus spricht ein zeichen der aufhoerung/
des schmertzens/ den die materie
der schmertzen vorlest die adern die in die
zen gehen/ vnd das heutlein ader vellein/
das vom gehyrn kombt die zen vmbgibet
vnd gibt sich zu dem eussersten fleischlichsten
teyl als sein die wangen vnd blest sie
mit geschwolst auff zu welchem dis nachvolgende
sehr gut ist.


B2b

Nim ein halbe hantuol feylicken bletter
hainbutten rosinicken ytzliche .xx. gerste
eine hantuol vnd ein wintzigk zustossen/
Ochsentzunge/ Lackeritz/ ytzlichs .ij. loth/
seuts mit regen wasser/ las halb einsiden/
darnach druckes durch ein tuch/ nim dartzu
vier loth veilcken sirup den findt man
in der apotecken/ spuel den mundt offt darmitte
ist sehr gut vnd endet offt den schmertzen
der tzen.

Knobloch zu rieben in die hant gebunden
stillet den schmertzen der tzen als der
Mesue spricht.

Knobloch gekocht mit weyn vnd
anderthalbe quentlein Olibano/ vnnd ein
quentlein mirren/ bys dicke als honick wirt
stillet schnelle den schmertzen so man den
tzan der do wehe thut darmit schmiret.

Rathe auff lateinisch Nigella gutt
mit essige gekocht im munde gehalden
lindert den schmertzen/ des gleichen thut
Pilsen samen wortzel.


B3a

Die wortzel von kleinen kletten in wein
gekocht gegorgelt vnd im munde gehalten
stillet den schmertzen.

Garbe ist sehr gut fur wehtagung der
tzen sunderlich mit butter vormischt vnd
von ausswendigk droff geleget.

Wolgemuth gekocht mit essige/ wein
ader byer/ im munde gehalten/ stillet den
schmertzen der gleichen die wortzel von
grosse Wegebreyt/ senff/ maulber baum
wortzel die rinde von ahorn baum/ funff
fingerkraut/ bletter von kin/ koeniges kertz/
vnd andere mehr sein sehr gut so man eynes
allein ader yr tzwey ader dreye zu sammen
nimpt.

Drusen ader hefen vom oele benehmen
den schmertzen der tzen.

Knobloch/ vet kinholtz/ olibanum mit
essige aber byer gesotten im munde
gehalten stilt den schmertzen.


B3b

Das Funfft Capittel.
Von den geloecherten vnd
holen Zenen.

Corrosio ist eine kranckheit vnd vehel
der zen wenn sie loecherigk vnd hol werden
welchs am meisten den backzenen geschicht
vornemicklichen so einer ist vnnd sie nicht
von der anhangende speise reiniget/ welchs
faul wirdt/ vnd macht darnach boese scharffe
feuchtigkeit die sie aus frist vnd etzet/
vnd ymmer all melich vberhant nymmet
bass sie auch gantz vnd gar die zen verderbet/
vnnd darnach nicht ane schmertzen
muessen stueckicht wegk faulen.

Diss wirt als der Musue schreibet vornemicklich
dreyerley weyse curirt vnd entnomen.
Zum ersten mit purgirung als oben
beruert/ Zum andern mit resoluirung der
materien die sie aus holet vnd wegk frist/
also das man koche ratten das im korn
ader weytz wechst/ mit essige vnd im munÞ
de halde/ aber mit essige do cappres wortzel
mit Jngwer inne gesotten ist/ vnd der
gleichen andere remedia mehr.


B4a

Zum dritten das man die ausholung
wegk nimmet/ welchs auch auf zweyerley
weyse geschicht/ zum ersten das man das
loch vnd die aussfressunge mit einem subtilen
meisselchen ader messerchen veilchen/
ader mit einem andern instrument dartzu
bequemicklich/ wegk schabe/ vnd reinige/
als dy practickanten wol wissen/ vnd dar
zu erhaldung des andern teyles des zanes
das loechlichen mit golt blettern zu fullet.
Zum andern das mann gebrauche ertztey
darzu dinlich welchs geschiet mit Galles
epffel vnd wilder galgen so der zan nach
der reinigung darmit wirdt gefuellet.

Nim pilsen samen mit dem gumme
storacis vormischt/ reuche darmitte durch
einen trichter den geloecherten zan.

Galbanum ist ein gummi gleich dem
olibano auff die ausgeholte zen gelegeth
lindert den schmertzen.

So die holen zene mit opopannaco
gefullet werden stillet ehr den schmertzen.

Corellen zustossen vnd in die holen zen
gelegt macht sie ausfallen.


B4b

Etliche sagen das dem die tzene nicht
soln aus geholt werden/ welcher alle morgen
nuechtern vnder der zunge helt saltz/
also lange bas selbest zugehet.

Wider dye aussholung vnd wetagung
der tzen nim Pfeffer/ Bertram/ Galbanum
storacis/ wilden pall/ ytzlichs gleich/ stoss
zusamen vnd schmer die tzen darmitte.

Wem die holen ausgefressen tzen weethun
der neme das mittelste im Galles
apffel vnd leges inn das loch stillet den
wehetagen.

Vor die aussfressung der tzen vnd yhr
wehetagung/ Nim Pfeffer/ Bertram/
Broch wurtz milch/ auff lateinisch Lac
titimalli/ galbanum/ storax/ vnder einander
gestossen die tzen darmitte geschmirt.

Das Sechst Capittel.
Vor eylickeyt der tzen.

Es ist auch ein vel der tzen welcher im
latein Congelacio heist/ vnd wirt hie

B5a

verstanden fur eylickeit der tzene/ wie wols
sunst nach der lateinischen sprach zu fryrung
heist/ vnd geschicht den tzenen als
Joannes de figo sagt/ zuweylen von ausswendigen
vrsache/ zu weylen von ynwendigen/
von auswendigen/ wen man etwas
scharffes ader sawers inn mundt nimpt/
als sawer kraut/ sawer holtz apfel/ pyrn/
vnd andere sauere fruechte/ von inwendig
wenn sich bitter ader sawre feuchtickeyten
in dem magen erheben vnd die dunst nauff
in den munt zun tzen vnd zanfleisch steigen.

Vor die eylickeit ist gut das man esse
welsche nuess/ haselnues/ mandelkern/ ader
neme sie zusamen vnd stosse sie vnd reybe
die tzene darmitte/ auch magk man eynes
alleyne nemen.

Nim purgel sunst purtzel auf lateinisch
portulaca genant/ aber den samen dar von
vnd kewe yhn in dem munde/ ist ser gut.

Nim warmbrot/ gebroten kese/ einen totter
von einem eye der auch warm sey/ vnd thu dar
zu ein wintzigk saltz/ vnd stos vnder einander
vnd leges also warm auff die zene.


B5b

Etliche pflegen in diser sache lorbern
zu essen welchs auch nicht boese ist.

Das Siebend Capittel.
Vor die gelen vnd schwartzen zene.

Limositas ist wenn sich weis gelblichter
ader schwertzlichter schleym/ vnden an
die zen vber dem zanfleische leget/ welchs
von etlichen weyn steyn genant wirdt/ vnd
dis derhalben zu gleich wie sich der weyn
stein ynwendigk in die weyn vesser pflegt
zu legen/ also legt sich diser schleim auch an
die zene/ pfleget dach sunderlichen die yenigen
sehr zu vben die offt vnd dicke wein
trincken/ welchen sichs auch also sehr samlet
das auch gantz hert wirdt das mans
mit macht mit einem messerchen ader darzu
gemacht instrument/ mus abschaben/
aber sehr scharff zen puluer abreyben.

Schwartze vnd gele zen kommen vonn
brauchung vnd essunge des honiges vnd
andere vbrige susse ickel fette speise/ vnnd
wer weisse zen zu behalden gedenckt muss
sich von honige vnd vbrigem schlof nach

B6a

grosser fuellung der speise enthalden/ vnd
vornemicklichen von schwemmen/ gemuesen
die von korn/ weytz/ ader anderen getreyde
gemacht werden.

Die rechte natuerliche gestalt der zene
wirdt vornemicklichen erhalden/ ader dy
verlorne wider gebracht/ in ertzteyen dye
abtruckent vnd reiniget/ welcher kraft ist
die vnsaurickeit abzureyben vnd zu reinigen
als ist Bimss auff lateinisch spuma
maris/ Sal gemme/ das man alles beydes
in der apotecken findt.

Ein sehr gut puluer weisse zen tzu machen/
den es reiniget vnd abstergirt. Nim
die wortzel von wildem galgen bey der erden
do sie weiss ist/ tzustos sie machs mit
honige tzu kleinen kuechlein lass inn einem
ofen der nicht altzu heis ist treugen/ darnach
nim der kuechlichen funff quentlein/
Sal gemme Bimss yetzlichs anderthalb
quentleyn/ carmetzit tzwey quentleyn/
Lingni aloes/ diss findt man alles inn der
Apotecken/ ein quentlein mach daraus ein
puluer/ reybe die tzene darmitte.


B6b

Seide mit saltz gebrant benimpt dye
vnsaubrickeit der tzen sie domit gerieben.

Die schwartzen zen soln wol geschabet
werden/ vnd darnach mit disser ertzney oft
gerieben vnd geschmiert werden/ Nim
rosen/ zustoss sie wol/ des gleichen des
vierden teyl galles epffel/ ein teyl mirren/ auch
wol zu stossen vnd gebraucht.

Nim gutten gebranten schwefel Bims
ytzlichs .ij. quentlein/ Sal gemme .vij. quentlein
zu stoss vnd reybe die zen darmit.

Nim vngesotten entheuttete eier schalen
so viel zigelstein/ stoss zusamen auffs
kleinste vnd wenn duss gebrauchen wilt
thus auch ein wintzigk in einen leffel/ geus
wein ader essigk drof/ reib die zen darmit
vnd darnach spuele den mundt mit weyn
aber lautterm wasser.

Der stengel von rosmarin gebrant zu
kolen/ vnd darnach zustossen in ein seiden
ader sunst klein tuechlein gebunden/ dye zen
offt darmit gerieben macht sie weiss vnd
entnymet yhn die wuermer.


B7a

Ein sehr gut puluer zu schwartzen zen
das die wackelden den [>zen] dar zu festiget/ vnd
macht einen guten roch aus dem munde/
Nim gebrante alaun ein halb loht/ weyn
stein/ rotte korellen ytlichs .ij. quentlein
reubstein auff lateynisch pumax drithalb
quentlein/ kolen von rossmarin vnd cipressen
stengel geprant/ Sandel/ sarcocolla/
ytlichs ein quentlein als zusamen gestossen
die tzen darmitte gerieben.

Das Acht Capittel.
So eynem die tzene schloffen.

Dormitacio ist ein gebrechen der zen/
wens eynem in tzen thut gleich wie ein hant
ader fuss so sie entschloffen sein. Vnd das
widerfert den tzenen wenn eyner sehr kalt
dingk als schne/ eyss/ kaldt wasser/ in den
mundt nimpt.

Zu welcher wegknemung magk man
diss gebrauchen/ Nim ein pfundt gutten
weyn/ rossmarin/ salbe/ camillen blumen/
ytzlichs .i. halbe hantuol/ nelicken/ muscaten/
ytzlichs ein halb quentlein/ seudt sie altzugleich

B7b

bas auff die einsidung des dritten
teyles/ darnach halts also warm im munde
vnd spuele yhn darmitte.

Nim Nelicken/ Jngwer/ Muscaten/
Pfeffer/ ytzlichs ein wintzigk machs in ein
secklein es [>eins] fingers langk/ legs in gebranten
weyn bey einer halben stunden/ dar nach
legs auff die zen die dyr entschloffen sein.

Das Newndt Capittel.
Fur dye wackelung der tzene.

Dencium commocro ist wenn einem die
tzene wackeln vnd wollen einem fur der
natuerlichen tzeit ausfallen/ welchs geschicht
entzwer aus nachlossung schwacheit vnd
kranckheit/ des zanfleisches/ Aber von der
entoederung der dinge dye die tzen halden/
welchs sich begibt/ so einem ein feuchter
fluss vom haubt auffs tzanfleisch adder
wortzeln der tzen fellet/ vnnd die selbigen
mit yhr schedlicher art laxirt/ aber vonn
kranckheiten des magens wenn sich boese
feuchtickeiten daraus entheben vnnd das
tzanfleisch beschedigen.


B8a

Die gesunt machung als Mesue spricht
wirdt vornemicklichen auf dreyerley weise
geendet/ als zum ersten/ das man die
feuchtigkeyt dye vom heubte aber dunst
aus dem magen steiget mit yren tzu gehoerenden
ertzneyen purgire/ einen ytzlichen
nach seiner complexion/ merer ader minder
feuchtickeiten/ vnd wirt vornemicklichen
mit den pillulen vnd ertzteyen ausgericht
die das heubt reinigen als oben beruert.

Zum andern das man die feuchtickeyt
dye die adern vnd fleisch das die tzen helt
mit yren bequemlichen ertzteyen druckne
als weirach essig mit Bertram gesotten/
Erd tzwippel/ essigk/ im munde gehalden
Biss mintz ader leuse kraut/ Nise wortzel
vnd der gleichen/ auch mit essige gesotten
welche die flissende feuchtickeit vertzern.

Zum dritten aus tzuthuung der ertzteien
die das tzanfleisch von yren feuchtickeiten
drucken vnd reinigen/ als vormenicklichen [>vornemicklichen]
ist kewung des mastix/ vnd so man
yn mit rosen vnd granaten blumen kocht
vnnd den mundt darmitte wechst [>wescht] vnnd
spuelet.


B8b

So aber die wacklung kumbt von schlahen/
fallen/ ader der gleichen/ beduerffen
sy es sal man sy mit einem seiden ader golt
fedenigen an die festen vnd vnuerletzigete
binden/ vnd subtile/ leichte speise gebrauchen/
vnd ertztey als der Cornelius Celsus
spricht/ die stopffen vnd tzusamen tzihen/
vnd sal in den mundt nemen wein darinne
gluenige galles epffel ausgelescht sein.

Nim galles epffel ein loth/ mirren .ij.
lot/ rinden von granates epffel/ schwertel
wortzel auff latein yreos genant ytzlichs
ein quentlein/ kochs tzusamen mit essige/
spuele den mundt vnd reib das tzanfleisch
darmitte.

Laudanum ist ein gummi mit mastix
vormischt vnnd auffs tzanfleisch gelegt
ist gut.

Asche von gebrantem Hirsshorn festiget
die wackelnden tzenen sie dar mit gerieben
aber das maul dar mit gespuelt/ der
gleich thut auch das mel von vngebranten
Hirsshorn.


C1a

Olifen mit wasser gesotten festigen die
tzen/ auch oliuen oeel den mundt mith gechaschen
[>gewaschen] befestiget vnnd die loecherte tzen
bessert.

Nim galles epffel/ die nepgen darinn
die eicheln wachsen/ vederwiss auf latein
Alumen iamem/ schalen vonn granates
epffel/ ytzlichs gleich/ zu stos vnnd mache
ein puluer thu dises puluers abendt vnnd
morgen inwendigk yns maul vnd auswendigk
neben den lippen auffs tzanfleisch es
ist sehr guth festiget die tzen.

Nim rosen vntzeittige pflaumen/ vnzeittige
weinber/ doerre sie an der sonnen/
mach daraus ein puluer vormischs mitt
hoinge legs auff die wackelnden tzenen.

Laudanum ist ein gummi/ mastix gepuluert
mit Licio (ist ein safft in der apotecken)
vormischt macht die tzen fest daran
gestrichen.


C1b

Etliche so die zen wackeln canterisirn [>cauterisirn]
sye das ist puernen das zanfleisch/ als nehmen
ein heis gluenick eysen/ darzu bequeme
ruern dar mitte das zanfleisch auff allen
beyden seitten gantz wintzigk an/ das das
eysen nicht dieff nain puernt/ sunder allein
die euserkeit/ ein wintzig beruere/ darnach
schmeren sie den branth mit honige vnnd
spuelen das maul offt mit mette/ darnach
wenss begindt tzu schweren gebrauchen
sie ertztey die truckent vnd keldet/ aber dis
ist vehrlich vnnd will einen koestlichen
erfarnen meister haben.

Das Zehnd Capittel.
Fur dye Wuerme
in tzenen.

Fur die Wuermer der tzene nim pilsen
samen/ Lauchsamen/ zwippel samen/
seudt sie tzusammen in essige/ halts in dem
munde vnnd spuel yhn wol darmitte/ darnach


C2a

nym dysse samen auch tzusammen
tzustossen/ fettes von einer tzigen das beyden
nieren gestanden hath/ vnnd mache
kuechelchen als die bonen gros daraus/
darnach nym eins leges auff kolen/ setze
einen trichterchen darueber/ vnnd lass den
rauch an die boese tzen gehen/ thoedtet dye
Wuermer dar ynne.

Nim eyn wenigk spansgruen/ nach
also vil honigk/ reibs wol vnder einander
das wie eynn selbchen werde/ streichs an
dye tzene.

So Wuerme in tzen sein magk man
darauff legen das puluer vom aloes.

Das Eilfft Capittel.
Fur geschwuere stinckung
vnd fawlung des
tzanfleisches.


C2b

So das tzanfleisch putzel adder geschwuer
kriget sal mann sie mit den fingern
fein auff trucken/ whue sie nicht wollen
auff gehen/ mit einem subtilen hockgen
darzu bequeme auff ritzeln das der vnflat
raus gehet/ vnd darnach den mundt mit
essige adder weyne darinne honick vnnd
salbe ynne gesotten ist offt spuelen.

So das tzanfleisch stinckt/ nim cinamomum/
Nelicken/ weissen weirach/ reib
die tzen darmitte.

So das tzanfleisch faulet/ Nim alaun
ein halb loth/ honick ein loth/ menges tzusamen
streichs darmitte.

Erdt zwippeln essigk mit dem Safft
Licio im munde gehalden/ sterckt die tzen
vnnd enthnymmet yhn die fauligkeyt des
tzanfleisches.

Wo die feulung des tzanfleisches yhe
vberhant nehm/ ist geraten das man zum
ersten den leib purgir/ darnach wol reinige

C3a

vnd ausstrueckne alle fewlung mit aceto
squillitico/ so lang bis ein gesundts fleisch
wechst/ geht dann die fewlung so tieff bis
auff die wortzel der tzen/ vnnd thut seher
wee das reynigen/ so still man den schmertzen
zu ersten mit ross oel/ mit dem weissen
vonn ay oder milch/ Darnach pern mann
alle fewlung hin weg mit kupper eysen
oder glueend golt/ hernach leg man auff
das geprant butter mitt rosen oell/ baldt
darnach incarnir mit dem vngnento [>vnguento]
egiptiaco vnd consolidir etc.

Das Zwelfft Capittel.
Wie man boese tzen aus
brechen sal.

So sichs aber begibeth das man den
schmertzen durch keynerley weyse entnehmen
kan/ vnd auff das die andern tzen nit
auch zu schaden vnd wehtagung komen/
sal man zu der letzten zuflucht greiffen als
zu der aussprechung/ dach wol fur sehen/
das man dis nicht einem ydermanne sunder

C3b

dem der inn der sachen gantz wol erfaren
vnnd geuebt ist/ befele/ Denn es kommen
daruon vil merckliche scheden/ so eim eyn
tzan vnweissigklich aus gebrochen wirdt
Derhalben sal man zu einem wolerfarnen
vnd gelobten meister gehen/ der auch den
tzufeldigen scheden tzuuorkomen weiss.

Diss aber sall nicht gescheen wenn der
schmertze am groesten ist/ auff das nicht
omechtigkeit als mir do ich nach ein klein
knabe vonn acht ader newn Jar war bey
Meister Lorentz hye tzur Mitweyde geschach/
ader auch tzu weylen der in [>ie 'jäh'] thodt
nachfolge/ aber sunst ein merckliche boese
feuchtikeit ader sorglich apostem erhebt
Sunder wenn sich der schmertzen begint
zustillen/ vnd legen darnach/ sal der meyster
den boesen tzan mit einem subtilen
instrument von dem tzanfleische frey machen/
auff das er das tzan fleisch nicht mitte
wegk reist vnnd also neben dem grossen
wehetagung auch nach mehr andern tzufelligen
kranckheiten vrsachen gebe/ als
sein fisteln/ vnd karabes/ denn ein tzan der
feste steht wirdt mit grosser ferlickeyt vnd

C4a

selden ane schaden aussgerissen Wenn nun
das tzan fleisch auffs diffste von dem tzan
abgesundert ist/ sal der tzan hin vnd wider
geruettelt werden/ das her wol wackelnde
wirdt/ dar nach sal her fein subtil vnd nit
eylende raus getzogen werden/ auff das
man den kinpacken nicht erschelle ader zu
brechen/ ia auch aus seiner stadt ruecke/ als
tzu weylen von vnerfaren geschiet/ sunderlich
so der tzan oben steth denn das brenget
den augen mercklichen schaden so yrgent
ein tzan vnweisslich wirdt aussgetzogen.

Jst aber der tzan hol/ vnd hat ein loch
so sal man das selbige tzufurhin mit pley/
zin/ silber/ eisen/ aber was man gehan kan
das sich darein schicket aus fuellen/ auff das
so man yhn mit dem tzenglichen angreifft
sich nicht zusammen gebe vnd vorbreche.

Wenn man nuhn den tzan aus tzihen
wil/ sal der meister gleich aus tzin/ vnnd
nicht sehr auff die seytte beugen/ auff das
man die wortzel des tzanes nicht beugt vnd
tzu breche/ adder das der kinbacke nicht
schaden neme.


C4b

So nhu der tzan aus gebrochen ist sall
man fleissigklich fuelen/ ab sich auch yrgent
ein beynlein von dem kinpacken abgescheldert
hat/ vnd so man was findet/ ader fuelet/
sols mit fleis raus genomen werden/
wue man dis fur dem zanfleisch nicht kan
enden/ sal man das zanfleisch weitter auf
schneyden/ auff das die spilterchen vonn
dem kinpacken raus kommen [sic] genommen
werden.

Die zeichen aber dar bey man kan erkennen
ab der kinpacke zu scheldert vnnd
etwas daruan gebrochen ist/ sein so der art
do der zan aussgebrochen ist ferrer denn er
pfleget blutet/ so der kinpacken zuschwillet/
das man nicht geyhenen kan/ so das
loechlichen sehr eytter vnd schwirdt.

So der zan aus gebrochen ist vnd kein
schaden weitter erscheinet sal man kalden
essig darinne zuuor galles epffel vnd granates
blumen inne gesotten sein/ inn dem
munde halden/ Aber vnsere barbirer
nhemen schlecht ein wintzigk saltz vnd
druckens do hin do der tzan gestanden hat.


C5a

So aber nach schmertzen vnd wehtagunge
bleiben so sal man inn den mundt
nemen rosen oel darinne mastix gesotten ist.

Etliche dye eynen schaw vor der ausbrechung
haben plegen den boesen tzan zu
cauteritziren das ist buernen auff disse weise/
als haben ein fein eysen dar zu bequeme
das machen sie in kolen gluenigk/ vnd dar
nach haben sie ein eyssern roergen/ dar ein
das gluenige eysen geth das selbige machen
sie nit warm/ sunder lassens kalt darnach
sie sie den tzan wollen cauteritzirn/ stecken
sie das gluenige eysen darein/ das vnnden
ein wintzigk fur gehet/ vnd bernen dar
nach den boesen tzan. Jst aber der tzan hol
so stecken sie das gluenige eysen inn die hole
des tzans/ Disse cauterisirung ist sehr gut
vnd nicht ferlich/ denn es macht das sich
der schmertze stilt/ vnd das der zan mit der
zeit ane wehetagung stueckicht wegk felt/
Etliche aber nemen an stat des eysens eynen
nosskern aber ein wintzigk olibanum
vnd machen gluenick vnnd dunss also
gluenigk in die hol des zanes.


C5b

Nim fettes von einem gruenen frosche
der in den beumen wonet/ schmier den zan
darmitte zu bricht yhn vnd macht yn ane
wehetagung ausfallen.

Das Letzts Capittel.
Von erhaltung gutter tzen.

Welcher gutte tzen lang will behalten
der sol sich vor den dingen huetten/ die oben
im ander Capittel ertzelt seint.

Darnach alle morgen als bald er auff
gestanden ist/ neme er ein grob leine tuch
vber far die tzen ynwendig vnnd auswendig
raynige also vnd reib dar mit ain mal
ader zwey/ das reyben sterckt die tzen/ tzanfleisch/
rayniget vnd verhiet die fewlung
vnd staynigung. Hernach nem er saltz allein
oder etwar mit vnd reib auch die zen/
so behelt ers weyss frisch fest vnd gesunt.

Oder nem saltz vnd honig gemischt in
einen topff brens baiden zu puluer vnnd
mit dem puluer reib er die tzen.


C6a

Oder nehm mirra alaun klain gepuluert
reyb die tzen darmit.

Oder nem gepranten alaun mit essig
vermischet wasche den mund darmit.

Oder nem mirra kochs in wein wasch
den mund dar mit/ das sterckt die zen tzanfleisch
auch das nit schwynt/ verhiet das
nit stinckent vnnd nimpt die feuchtigkeyt
hyn wegk.

Zum letzten alwegen nach aller maltzeyt
wasch er den mundt mit wein ader byer/
auff das er abwasch alles das sich
in dye zen wolt henge/ welchs
denn dye tzene fewlet
stincket macht vnd
verderbet.

Finis.


C6b

Gedruckt tzu
Leyptzigk durch
Michael Blum.
Jm Jar. M.X.XXX.



 



Einige Anmerkungen

A8b,11 quinttin] quint|tin (Zwischen den beiden t-Buchstaben eine Art schwarzer Balken)

B2b,7 sirup den] sirupden

B6b,9 quentlein] zweites Vorkommen am Zeilenende: das »u« steht auf dem Kopf

B6b,14 ein wintzigk] einwintzigk

B6b,22 macht sie] machtsie

B8a,24 wechst] 'wäscht'; dieselbe Form auch im Weintraktat des Arnald von Villanova.

C3a,11 mit dem] mitdem

C6a,1 gepuluert] gepul?|uert (vor dem Zeilenumbruch noch eine Art von umgekehrtem »t«).


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