Der Nonne von Engelthal Büchlein von der
genaden uberlast (vor 1350)


Textgrundlage

Schröder, K. (Hg.): Der Nonne von Engelthal Büchlein von der genaden uberlast. Stuttgart/ Tübingen 1871 (BLV 108) -- Entstanden: vor 1350 (Nachwort Seite 65) -- Überlieferung: Pergamenths. des 14. Jhs.

Bearbeitung

** <abs> = Abschnittmarkierung; im Original ||
** <eh>xxx</eh> = Addendum; Einfügung des Herausgebers
** [xx] = Seitenzahl der Handschrift
** o&e = oe-Ligatur
** <<x>> = Seitenzählung der Edition in doppelten Spitzklammern.
** zeilengetreue Wiedergabe
** Gescannt und 1 mal korrigiert: Thomas Gloning 2/1997


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[1] Ich heb ein buochlin hie an, da kumet man an dez closters
ze Engeltal anvank und die menig der genaden gotes die er mit den
frawen getan hat an dem anvang und nu sider, von der menig siner
auzbrechenden tugende die als wenig gestillen mak als daz mer siner
auzfliezzenden kraft. Niemant ist kumen zu grozzer heilikeit von
sein selbez frümikeit: er hat sie alle dar gezogen von siner frien
willekür. Er ist gewaltig noch dar zu, daz er sinen freunden gut-
lich tu, wanne er derkent allein alle dink: da von tut er einem
gutlich und dem andern nicht. Daz mugen under menschelichen
sinne nicht begreifen, wollen wir an werren sein.

Nu wolt ich gern schreiben etswaz von der genaden uberlast:
so han ich laider cleinen sin und kan dar zu der schrift niht, wanne
daz ich zu disen dingen mit der gehorsam betwungen bin.

In der zeit da der kunig von Ungerne sein heiligeu tohter
Elizabethen gemehelet dem lantgraven Ludowig von Hessen, da sant
er sie mit grozzen eren hintz [2] Nurnberch da deu brautlauft
solte sein. Da gab er ir ein rotterin auf den wek, die hiez Alheit:
ob daz kint wurde wainen, daz sie ez danne stillet mit dem saiten-
spil. Disew fraw sprach, sie wer siben jar alt.

Da die brautlauft vergink und daz heilig kint von dannen wart
gefuret, da wolt im die rotterin niht mer nach volgen, wanne sie
wolt fürbaz allez ihr leben dem minnenclichen got ergeben, und wart
ein grozze rewerin und dar zu gotes minnerin, und saz ze Nurn-
berch in einem haus und warde reht als ein lucern, wanne sie waz
vor weit erkant von irm sundigen ampt. Ez waz ein cleinew sa-
menunge von begin in der stat: da ward man predigen, wie grozzen
lon unser herre wolt geben umb die reinicheit und umb willigew
gehorsam. Da gingen sie zu diser frawen Alheiden der vorge-
nanten [3] rotterin und baten sie mit gro&ezzer begirde, daz sie
sich an neme und wurde ir maistrin, dar umb daz in der himlische

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lon wurd, seit sie niht hetten dez guts daz sie ein closter gestiften
mohten. Diser heiligen gebet wurden sie schier von ir gewert,
und gingen in ir hues und legt ietlichew besunder allez daz sie
heten vor fur ir füezze.

Der anvank irs lebens waz also. Ir maisterin pflag ir als wol
und als getrewelich, sam sie alle ire kint weren, und wert in kei-
nerlei dink da von ir hertz gegen got brinnend wart. Ez waz ir
leben so heilik und ir wandel so andehtig und ire wort als süezze
und als warhaftig und allez ir tun als volkumen, - alle die die ir
leben sahen, die wurden da von gebezzert. Da von wart ir leumunt
gebreitet in dem lande und auch in andern landen. Da von gingen
die herren in dem lande zu in und namen den segen von in, und
auch die bilgerin [4] so sie verre wolten wallen. Und die fru-
men frawen die gingen auch zu in, daz sie sie lerten beihten und
wie sie got minnen solten. Sie waren under der gebiet des pfarrers
von sand Laurencen und waren im gehorsam als irm rehten pfarrer.
Sie erwelten ein suppriolin mit brinnendem hertzen, die waz bruder
Otten von Swabach bas, und leuhtet reht als ein lucern ob in allen,
und waz umb dreizzig jar und keinev mer. Sie lasen ir zeit als sie
konden und mohtem. Ze conplet so gingen sie zu ir meisterin und
fragten sie, wie sie den anderen tag vertreiben solten: daz taten
sie danne willecleich. Als sie ze tische sazzen, so saz die meisterin
ze oberst. Als sie denne ein wenig gaz, so las sie in teutsche ze
tisch: so waz selten daz mal, ez wurde ie ir etlichew sinnenlos, und
lagen als die toten, wanne sie waren werlich in got tot. Disew
genad heten sie ze werk und an irm gebet und swa sie daz gotes
wort suzzelich ho&erten, an einew die [5] wart niht entzukt. Da
die leute ir heiligez leben vernamen, da gaben sie in an bet allez
dez sie bedorften an allen sachen, sunderlich die kungin von Beheim
fraw Kungunt die tet in groz gut und sant in sumliche cleinot die
wir noch haben. Sie enpfingen einen bruder, der hiez bruder Her-
man, der dient ir ietlicher sam er ir gedingter kneht wer, und swa
man der heiligen samenung iht geben wolt in fremden landen, daz
holt er in auf seinen füezen.

Da sie nue etlichev jar ze Nurnberch waren gesezzen, der zal
waiz ich niht, in den selben zeiten da verhengt got, daz der babst
keiser Friderich in den ban tet. Da sprach sie zu irre samenung:
»Wir mugen niht lenger hinne gesein. Ich wil varen hintz dem

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herren von Kunigstain, daz er uns die weil beherberge. Und lest
die weil die funfzehen psalm die sich also anheben »Deus« biz ich
herwider küme.« Der bet wart sie schier gewert von dem herren
und lech in einen [6] mairhof, daz sie sich dar auf enthilten.
Da versucht sie got als man daz golt in dem feur tut, und musten
groz arbeit haben und musten selber ir korn sneiden und waschen
und bachen und alle dinstliche werk tun. Daz taten sie mit grozzer
andaht und waren sin gedultig. Sie bauten ein capellen in sant
Laurencen ere. Da sie da gewont heten in daz virde jar, da kam
die gro&ez vinster.

Sich erviel ein kint, daz waz dez von Kunigstein eniclein, daz
hiez Ulreich, bei irm hof. Daz kint trugen sie hin ein und be-
sazzen ez biz ez gestarp. Da gescha im gro&ezz lait an, wanne er
het nicht erben danne ein tohter. Nach den selben osten sprach
er zu irre maisterin: »Kum hintz Sweinach, hab du da dein wonung:
da wil ich dir geben ein capeln und wismat und holtz, daz ir euch
sein wol beget.« Daz opfert in mit aufgerekten henden dem hei-
ligen geist und unser lieben frawen Maria.

In den selben zeiten da komen siben ebt her von grawem
orden [7] und baten dise heiligen samenung mite grozzer flehe,
daz sie sich ergeben in irn orden, so wolten sie in grozze güet tun.
Da sprach der stifter also: er wolt in sin niht gestatten, er wolt
daz sie gingen in frawelichem gewande.

Ez saz ein reicher pfaff ze Vilseck, der hiez Ulschalk, der waz
manig jar ein grozer offener sunder gewest, und da er ir heiligez
leben vernam, da bat er sie, daz sie in enpfingen, er wolt ir caplan
sein und wolt in mit allen trewen vor sein. Der wart ein so hei-
liger man, daz man lieder von im sang. Und unser herre tet
grozze wunder mit im, unde sunderlich an sinem to&ede: da waz er
virtzig tag an ezzen und an trinken. Der selb bawet in ir kirchen
als sie noch da stet, denne daz sie niht gewelbet waz, und macht
zwen elter dar ein, einen in unser frawen ere und sand Johans
Baptisten ere als er noch da stet. Wanne ez waz vor [8] einem
peurlin getraumet, ez stüende ein pachoven an der selben stat, da
stund ein herre vor, der het einen kotzen an und speist allez lant
da von. Da macht er sand Johans ewangelisten auch einen alter.

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Wie der dritte alter her ist kumen, daz wil ich euch auch kunt
tuen.

<abs> Ez saz ein edel man ze Schonberg auf der burge, der
ward als siech daz im niemant daz leben gehiez. An einer naht
da erschein im unser herre in einem so grozen lieht, daz waz clarer
danne die sunne. Da eilt sein efraw uber in und wo&ent, daz die
burg ein feur wer. Da sie da uber in köm, da hort sie da sein
antwort wol die er unserm herren tet, - aber unsers herren rede
hort sie niht, - daz er allez sprach: »Herre, ich wil ez gar gern
tun.« Da er wider zu im selber kom, da fragt in sin wirtin, mit
wem er gered het. Da sprach er: »Unser herre ist selber zu mir
komen und hat mich gebeten, daz ich siner dirne Katherin [9]
einen alter mach ze Engeltal und in widem mit dem holtz ze Es-
pech und mit dem hof ze Teufenbach: »und hab dir dez ein ur-
kund, daz ich dir dinen gesunt wil wider geben und daz du ietzund
zu disem mal niht stirbest.« Da sprach er zu siner frawen: »Liebe
fraw, send mir bei tag und naht nach dem prediger, nach bruder
Cunrat von Eystet, der ietzund ist ir maister, dem wil ich ietzund
dise dink kunt tun.« Daz geschach also: daz er zu im kom, da
sagt er im dise rede die unser herre mit im gered het, und sprach:
»Herre, mir ist min hertz als vol genaden gegen in: ich han niht
erben, ich wil in allez daz geben daz ich han.« Da sprach der
prediger: »Nain, herre, dez sult ir niht tun: ir habt arme freunde,
den ist auch no&et.« Dirre edel man wolt ez niht versweigen und
kunt ez uber al im lande unde kom eine grozze menig zu der
alterweihe. Der edel man der hiez Braun von Himmeldorff, und
die Koler sint [10] sein nachkumen. Der stifter vom Kunigstein
der hiez auz rufen und auz schreien, daz daz closter haizzen solt
Engeltal und niht nach dem dorf Sweinah.

<abs> In den selben ziten do waz ein dinstman, der waz ein teut-
scher herre und hiez her Conrat von Lauffenholtz und waz ze
Preuzzen marschalk, und waz ein weiser man und hoch geert in
deutschem orden. Da er vernam dises closters heilikeit und sinen
grozen leumunt, do warde er so sere entzunt an sinem hertzen von
gotlicher minne, daz er sprach zu seiner meisterschaft: »Mir ist
kunt getan, mein freunt vom Kungstein der hab ein closter gestift,
da sein so heilig leut innen, und sunderlich han ich ein mumen
dar innen, da tut got so grozze wunder mit. Nu ist min hertze

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tag und naht in so grozze begirde kumen, daz ich willen han, ich
wolle mein ere auf geben und wolle zu diser samenung komen, daz
ich tag und [11] naht mug geleben in innercheit. Dez mag ich
bei euch niht getun.' Da ward er grozze bet an gelegt und alle
die dink taten sie gegen im, do mit sie in behabt mohten haben:
daz half niht an in und er kom zu der heiligen samenung. Do
enpfingen in die prediger mit sogetanen eren und der covent, daz
sie sprachen, ez het sie dez palmtags ermant, der eren der man
unserm herren het getan. Und heten sogtan freude, daz ein so
ahper man zu ir geselleschaft waz kommen, und wolten in hintz
dem hohen capitel haben gefurt. Do wolt er sin niht tuen.

Dirre selig man von Lauffenholtz nam sich ein so heiligez leben
an, sin geberde waren so geistliche und allez sein wandel daz waz
so volkumen, und redet so suzlich von got, daz die hohen gelerten
prediger ir wunder dar ab namen, daz ein ungelerter man so tief
von got konde gereden. Swa er zu den lansherren rait oder in
die stete, so namen die leut so grazze bezzerung von im, daz sie
dem [12] closter vil dester gunstiger waren. Er nam sich ein so
hertez leben an und dinte got mit grozzem ernst, daz er ward ein
lieht in der leut hertzen. Unser herre tet grozze dink mit im, der
ich laider niht enwaiz, wann ez geschach vor minen zeiten.

Einez tagez wolt er hintz der messe gen und get fur daz prew-
haus. Da stund ein bruder, der hiez Heinrich der prew. Do man
die vaz pichte, da sprach er: »Vil lieber schaffer, da wer ich auch
gern hintz der messe, so muez ich hie bei der arbeit sein.« Da
sah der schaffer, daz den prewen ein gotliche lieht umb gab, daz
waz schoner denn die sunne: do stunde er in grozzen genaden
innen. Da versan sich der Lauffenholtzer wol, daz ez waz von der
gehorsam.

Da het er dar umb ein leiden, daz man die frawen nunnen
hiez. Da sprach ein gotliche stimme zu im: »Biz niht betrubet:
nunnen daz sint sunnen.«

Allez daz im got ze gut tet, daz sagt er siner mumen Alheiden
von Trochawe. [13] Da in der tot nu waz an kumen, da sant er
aber nach ir und tet ir daz kunt. Da ging sie in die kuchen und
sprach, daz man im ein flaisch geb, im wer we, hintz einer laiswester
die sin pflegerin waz. Da tet sie vil grimelich und sprach: »Waz
ist im geschehen? Nu hat er in vil jaren nie keines flaischez en-

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bizzen.« Und tet daz mit grozzem geschrai und mit hertikeit. Da
sprach unser herre zu sinere mumen: »Ich wil mich grozlich rechen
an dem menschen, daz sie dem heiligen menschen also getan hat.«
Da sprach sie: »Nain, lieber herre, slahe sie niht.« Er sprach:
»Nain, ich lazze meiner gerehtikeit niht ab.« Da bat sie in mit
aller flehe: »Lieber herre, tu sin niht bei minem lebendigen leibe.«
Da geschach also: da man ir tavelt ze einem mitem tag, da waz
dise laiswester indez in dem steinein refenter. Da sah sie, daz der
refenter voller teufel waz, den wart gewalt geben uber sie dar umb
daz sie dem guten menschen als unbarmhertziclich getan het, wann
[14] sie het ez oft vor kunt getan, daz die rach gotes auf sie
solt gevallen. Da gewan sie ein anvehtung: sie wolt sich selber
toten, und wart dar zu totlichen siech, und lebt in diser kestigung
biz an irn tot.

Dirre gut bruder starp mit einem heiligen ende. Do verhal
man sin grebnusse von dem grozzen lewmunde den er het.

<abs> Wir heten einen gueten bruder, der hiz bruder Conrat der
weinman. Der ging zu einem mal auz nach tisch auf daz velt und
wart von got redende, und kom als gar von im selber, daz er be-
stund biz an den andern tag in dem selben jubel.

<abs> ln den ziten da sie daz gesank heten gelernt, da bat der
stifter der frawen maisterin, daz sie irre frawen hintz Reichnek
breht. Daz sie nu messe sungen in einer capeln, an dem pfingstag
daz geschach, da sank der stifter die messe alle mit den frawen,
und het [15] bustaben nie gelernt. Da ward er so gar von ent-
zundet, da daz wunder an im geschah, daz er sprach: »Ach Ulreich!
und solt ich lang leben, ick wölt wunder mit dir hiligen samenung
tuen.«

<abs> In dem ersten advent da sie nach dem orden sungen, und
ir erste sancmeisterin die hiez Hailrat, die waz unmenschlich schon
und sank auzzer mazzen wol und lernt dar zu gar wol und het
unsern herren gar liep. Daz ertzaigt sie an allen iren werken und
leben wol. Da sie nu komen zu dem virden suntag im advent, da
sie sungen die metin, da sie nu komen hintz dem funften respons
»Virgo Israel«, und der vers »In caritate perpetua«, daz sank sie
teutsch und sank so unmenschlichen wol, daz man brufet, sie sunge

<<7>>
mit engelischer stimme. Der vers teut sich also: »Ich han dich ge-
mint in der ewigen minne, da von han ich dich zu mir gezogen
mit miner [16] barmhertzikeit.« Den vers hat unser herre ge-
sprochen durch dez weissagen munt zu menschlichem gesleht. Diser
heilig covent wart von grozer andaht sinnelos und vilen nider als
die toten und lagen also biz sie alle wider zu in selber komen: do
sungen sie ir metin mit grozer andaht auz.

<abs> In den selben zeiten do fugt ez sich also, daz die prediger
von Regenspurch in dise gegend wurden wandeln. Da gehizen sie
in, sie wolten in irer gehorsam sein. Da gab ir meisterin ir ambit
auf und welten ein priolin mit prinnendem hertzen nach der pre-
diger rat: die hiez swester Dimut von Gailenhusen. Die stund auf
ir fuzze und ginge mit einer swester und mit einem leienbruder
hintz Rom. Da waz ein brediger auf dez pabstes hof, und da er
irn ernst und ir heilikeit vernam, da braht er mit dem pabst all
ir begirde zu und mer dann sie selber dar zu konde, und bestetigt
ir der pabest [17] ir privilegia und ir brif. Disev heilige sa-
minunge lebten als herticlich, daz sie namen mit dorn und besem
starke disciplin. Die meister ditz ordens, die mit in capitel sazzen,
die sprachen: »Wir solten dez ertrichs von hinnen furen hintz an-
dern clostern von der grozzen heilikeit die wir hie funden haben«.

<abs> Die erste meisterin die da hiez Alheit Rotterin, die verjach
ir covent zu grazzen genaden die ir unser herre getan het: da
wer sie entzukt worden hin zu dem Jordain und het alle die dink
gesehen die zu unsers herren tauf weren geschehen.

<abs> Einev hiez swester Leugart vom Perg, die waz gar ein hei-
liger mensch und las mit grozzer andaht zeit von der heiligen dri-
valtikeit al tag. Und da nu dev am tod lak mit grozzer andaht,
da sprach sie einez tages: »Lieben swester, ich tun euch kunt:
[18] mir ist erschinen die heilige drivalticheit in drier schonen
herren person, und sint so glich an einander gewest, und het man
ir einen verlorn, man moht niht gebruft haben welher er gewest
wer. Aber ich bekant sie wol« - und zaiget mit dem vinger, wa
ir ietlicher gestanden wer, - »und gaben mir suzzen trost.« Da
verschid sie in den genaden also.

<abs> Eine hiez swester Alheit von Ro&et, die waz ein witib und

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braht ein tohterlin mit ir in daz closter, daz hiz Irmelin. Mit dem
kinde hub unser herre an mit der vart und beging die grosten
wunder mit im. Einez tagez da saz ez mit anderen kinden ob dem
tisch an einem vastag, da ez umb zwelf jar waz. Da waz der kinde
maisterin von in gangen. Da wurden die andern kint reden: da
viel ez nider und wart onmehtig. Da ez doch wider zu im selber
kom, [19] da fragten sie ez, waz im geworren wer. Da sprach
ez: »Awe kint, da solt ir sweigen ob dem tisch. Ich han gesehen
einen als greulichen teufel, der hat alle ewere wort angeschriben,
und da von bin ich omehtig worden.«

Und wenne ez an sinem bette waz, so waz ez so inhitzig sam
ein mensch daz sich niht verweiz. Und wenn etswer mit im redet
und ez von dem bet hiez gen, so sprach ez: »Awe kint, waz ir mich
grozzer gnaden irret.«

Ez waz ein spiegel in allem sinem leben und nam sich gar ein
hertez leben an. Da deu zeit nu kom daz der bischof kom und
kronen wolt als gewonheit da waz, da gab man im unsers herren
licham. Dez selben tags da ez uber den tisch kom, da ging unser
herre in den refenter mit sinen engeln und stund fur ez und red
gar minneclich mit im, daz sich alle die dar ab wunderten die en-
gegen uber tisch waren, die [20] sin widerantwort horten, unsers
herren rede horten sie niht.

Swenn ez bei den leuten waz und gar frolich waz, so warf ez
die augen auf in himel und wart rot und sprach: »Awe, wenn kumet
die zit, daz wir hintz dem ewigen leben und freuden kumen?« Und
wart danne traurig und lacht dann nimmer. Daz traib ez gar em-
ziclich. Also wart ez gefrogt von den swestern, waz ez do mit
maint. Da sprach ez: »Wenne ich bi den leuten bin und frolichen
bin, so gedenk ich an die unzellichen freude dez himels dev uns
kunftig ist: so mag ich mich denne niht enthalten, als ir wol seht
an mir.«

Es pluet als ein himelro&es mit allen tugenden und bran als ein
vackel in der minne gotes. Sein leumunt waz groz vor got und
vor den leuten. Da dise selig swester kom an ir ende, da sah der
heilig man der Ulschalk, da er sin gebete sprach, [21] daz daz
siechaus voller weizzen tauben saz. Da het er ein groz wunder,

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wann die tauben alle kumen wern. In dez da tavelt man ir. Da
versan er sich wol, daz ez von irm heiligen leben waz, unde stund
uber sie biz daz sie verschiet.

Sie het ein swester, die hiez Kungund, die het gar ein hertez
leben an ir. Und da sie nu lam wart an irn liden, so must ie
etwer uber ir sten der ir disciplin geb. Da sie aber gesunt waz
und supriolin waz, da mint sie die gerehtikeit als sere, daz sie niht
erleiden moht waz wider got was und wider den orden. Da lait
sie gar vil von herten worten und sweren worten. Als dann ir
freunde sprachen, sie solt etwaz lazzen gen, so lacht sie gar min-
neclich und sprach: »Mir ist reht sam ein maur vor minem hertzen
sei. Und tet man ez einem anderen menschen, ez tet mir wirser
denn ez mir an mir selber tet.«

Da sie nu vor [22] irm tode an einem sundern gemache waz
von irer krancheit wegen, da brahte man ir einez tagez gesultzt
visch vom covent. Da sie gaz, da het si ir gern mer gezzen: do
komen ir von der genade gotes die aller schonsten visch in ir
schuzzeln, daz sie irn gelangen wol buzt. Dez danket sie got und
azze die visch mit freuden.

Da die zit kom, daz got ir arbeit ein ende wolt geben, da
sprach sie: »We, wie we mir ist.« Da antwort ir ein laute gotliche
stimme: »We ist ein gut wort, we ist ein suzez wort, we ist ein
genadenrichez wort.« Da waz ir vil we und mant undern herren.
Da der priester nu kom und wolt ir undern herren geben, - da
waz der covent do gegenwertig, - da sprach sie mit lauter stimme
und mit frolichen antlutz: »Herre, er ist selber hie gewesen und
hat mir sin minneclichez antlutze gezaigt und hat mir grozze freude
geben [23] und grozzen trost getan. Doch wil ich sinen heiligen lich-
nam gern nemen.« Dar nach verschied sie mit einem heiligen end.

Dise zwue swester heten ein heilige muter ain auzzer mazzen
heiligen lebens und behielt den orden als strenclichen als ein mensch
tuen solt: sie ging emziclich hintz cho&er und swaig alle weg wann
von tisch hintz conplet, und nam alle tag ein disciplin und waz
drizzig jar on flaisch. Da die zit kom, daz sie unser herre von
hinne wolt nemen, da tet er ir iren dat kunt. Daz hielt er etlich
wochen auf: da wart sie so sere nach dem himelrich belangen, daz
sie sprach: »Wie lanch sin schir ist.« Da die zit do kom und ir
cristenliche reht geschah, da saz sie in ir pet und ging ir sel auz.

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Nach irm tod do kam sie her wider und sprach, sie wer drizzig
tag von got gewesen, »darumb daz ich vertrug, daz man mich frawe
hiez, und daz ich betrubt wart, [24] wanne mein freunt under
sich grifen, daz ez mein wille waz wenn man mich eret. Ich wer
anders an underlaz gen himel gevarn.« Da man ir grap auf grube
und da man einen anderen toten wolt zu ir legen, da vant man
einen brunnen von ole: daz sahen alle die wol die da gingen uber
daz grap.

<abs> Einew kom her zu uns, die hiezze Reichilt von Gemmers-
haim, mit irm elichen wirt, der wart ein convers. Da wart sie gar
ein heiliger mensch. Die het die gewonheit, daz sie alle naht ir
»confiteor« sprach. Und vor irm tode, do sprach siez vor einem
alter: da sprach ir unser herre selb selber »misereatur.« Da sie
schier sterben wolt, da sach ein anderew swester, daz der himel
offen stunt ob dem siechaus und daz sich drew liht her ab liezzen
da sie da lak.

<abs> Ez waz ein swester, hiez Alheit von Trochaw, die het von
irn kintlichen [25] tagen einen wissagenden geist gehabt. Die
weil ez halt in der werlt waz, da sprach ez hintz der muter: »Ez
ist kunftig noch, daz mein vater und min schonstew swester der sie-
chen leut sullen werden.« Da sprach ez einez tages: »Es sitzt min
vater ze Regenspurch und hat allez daz verspilt daz er het, und
hat verboten, daz man dirz iht sag.« Der ding sagt ez vil: da
kom ez in einen leumunt von, daz die leut sprachen, ez wer ein
weissag.

Da ez do in under closter kom, da wart ez einez nahtes ent-
zukt und kom an die stat, da die ungetauften kindelin hin komen.
Da fluhen sie die kindelin und taten ir smehelichen. Da sprach
sie: »War umb fliht ir mich?« Da antworten sie ir: »Daz tun wir
dar umb, daz wir sin her komen von der erbsunde und gesehen
gotes augen nimermere. Du bezzerst ez aber wol: wir tun dir
kunt, daz du niht reht getauft bist.« [26] Da nach etlichen tagen
da lag sie vor unserm alter in dem chor nach der metin und wart
aber entzugt und kom für unsers herren geriht in aller der guten
weis als daz ewangeli sagt, daz die guten engel zu der rehten seiten
auz lasen und die bosen zu der linken seiten. Da lief sie selber

<<11>>
zu den erwelten. Da sprach unser herre zu den engeln: »Ruefet
Alheiden, sie sol niht zu miner rehten hant sten, sie sei niht reht
getaufet.« Do sprach sie zu den engeln: »Euch ist nie we durch
got geschehen, so ist mir oft we geschehen durch in. Ich wil niht
durch eweren willen von minem herren gen.« Da sprachen die
engel zu underm herren: »Herre, sie hat uns geitweizt, uns sei nie
we durch dinen willen geschehen, sie wolle niht durch unsern willen
von dannen gen.« Da rif unser herre Mariam Magdalenam unde
sprach: »Sprich hintz Alheiden, daz sie von [27] meiner rehten
seiten ge.« Da sprach sie zu Marie Magdalene: »Ez sagt daz ewan-
geli von dir, daz unser herre siben teufel von dir traip: so waiz
ich niht daz ich totsunde ie getet.« Da sant er doch sand Pauls
dar: hintz dem sprach sie, er wer ein ehter der cristenheit gewest,
sie wolt durch sinen willen niht von irm herren gen. Da sant er
Petrum zu ir: dem itweizt sie, er het unsers herren dristunt ver-
laugent, daz het sie nie getan. Da sant er Johannem Baptistam
dar. Da sprach sie: »Wer bist du?« Da sprach er: »Ich bins, Jo-
hannes der taufer.« Da sprach sie: »Hast du ander leut getaufet
und wilt du mich denne verdamen? So must du mich auch taufen.«
Da viel sie an in und habt in. Da tet er ir daz pend ab und goz
ein scheflin mit wazzer auf sie: daz sahen alle die wol die in den
kor gingen, daz daz wazzer da swam. Da sagt sie ez der priolin.
Da [28] schriben sie ez dem priol von Regensburg, daz er dar
uber disputiret, wie man der swester tun solt. Da komen die pre-
diger her und sprachen, sie heten dar uber gelesen: ez wer ein
tauf der genaden, man solt ir doch cristenliche reht tun. Da santen
die prediger nach ir muter und fragten sie, wie sie getauft wer.
Da sprach ir muter: »Ich enwaiz: sie wart geheling getauft. Doch
ist eine frawe hie mit mir, die hat sie mit der hende getauft.« Da
fragt man die frawen, wie sie ir getan het. Da sprach sie: »Ich
han ir gar reht getan: in dez guten Herren sand Niclaus <eh>namen</eh>
han ich sie getauft.« Da namen sie die prediger und tauften sie do
und wurden selber toten: der waz bruder Heinrich von Abbach ainer.

Dar nach tet ir unser herre so grazze genad: an der mitwochen
in der marterwochen da ward sie entzuket biz an den osterabent,
und sach ellew dev dink die an [29] unserm herren ergangen
waren, und bruft daz man in an der seul geslagen het, daz er da
an dem dritten slag geblut het. Da sprach er an dem creutz zu

<<12>>
ir: »Du gemintev, daz han ich durch dich erliten: waz leidest du
durch mich?«

Da sie dennoch junch waz und niht volwahsen, da sprach unser
herre zu ir: »Ich wil dir geben ein aufderlegte person, und wirdest
auch die gewaltigist priolin die in disem closter ie wart und die
seligst. Ich mag aber meins spils niht mit dir getreiben als ich
sust tet. Nu wel waz du wilt.« Da sprach sie: »Nain herre, ich
mag deiner genaden niht entperen.« Da sprach unser herre: »Hab
dir dez ein urkunde, daz du furbaz nimermer niht lenger wirst,
und daz ich noch grozz wunder mit dir triben wil.«

Der teufel tet ir grozez lait: er riet ir, sie solt auz dem closter
kumen, so wurde sie die seligst und die reichst die unter allem ir
gesleht wer. Er kom etwenne [30] in der swester gleichnusse
und braht si auz dem ko&er und sprach, daz sie den frawen etwaz
dinte: als sie denne auz dem ko&er kom, so verswant er. Als sie
denn an irem gebet waz, so sprach er: »Nu bever, nu bever: wenn
du nu alt wirst, so maht du nihts mer getun.« So sprach sie: »So
han ich doch daz vor mir.«

Einez nahts kom er zu ir und wolt ir einen brif lesen. Da
kom ir engel und nam im den brief und vertilgt in mit siner hant
und warf in fur daz pet und sprach: »Du schone minnerin, ich bin
dir ze hilf kumen: ez wer unmuglich gewest, und hest du in ge-
hort, daz du rainez hertz nimer mer hest gewunnen.« Dez morgens
do vande man den brief, daz er waz vertilgt von dem engel.

Da sie gehorsam solt tun, do wolt die priolin ir gehorsam niht
nemen, do von daz ir vater der siechen leute waz. Da ward sie
so sere betrüebt daz sie ging fur ein crucifix daz man noch [31]
fur laitet, und waint als sere daz im sin füezz nazz wurden. Da
nam unser herre die hant von dem creutz und riht sie selber auf
und sprach zu ir: »Riht dich auf, ich wil dir selber einer gehorsam
helfen.« Daz fugt sich kurtzlich, daz der Praitensteiner die priolin
zech, sie het in verraten. Da muest sie von der unschulde ent-
wichen hintz Regenspurch zu dem heiligen creutz: da waz sie lang.
Do welt man ein andrew priolin, die nam ir gehorsam willeclich.

Ez wart ein edelman enthaubt, der waz einer swester aller
menschen libst: da west niemant von. Do ging sie hin und sprach,
daz man got für in bet: er het den leip verlorn. Er waz verre
von dem closter.

<<13>>
Ein prediger hiez bruder Conrat von Eystet und waz lang
unsers closters pfleger, der het grozz lieb zu ir durch ir heilicheit.
Do het sie die genad: swa [32] er messe sprach, ez wer verre
oder nahent, so sahe sie unders herren licham in sinen henden.
Und swaz er tet wider got, daz hub sie im auf swenn er zu ir kam.
Daz fugt sich zu einem mal daz er her fur und wolt peteln in der
terme. Do kom sie mit bet an in, daz er ir unsern herren geb.
Daz waz in der zit daz in der covent niht solt nemen. Da sprach
er: »Ich mag sin niht getun: ich muez gen beteln, ich han mich
verseumt.« Da sprach sie: »Nu get hin und seht, waz ir gewint.«
Und da er lang ging, da gewan er niht mer danne drei helbling.
Da wart er sich erkennen und bat sie, daz sie im vergeb. Da
sprach unser herre zu ir: »Ich han ein lieht zwischen dir und im
erlescht daz nimer mer entzunt <eh>wirt.</eh>« Von den selben zeiten da
sach sie unsers herren leicham nimer mer in sinen henden und
west auch furbaz niht mer, waz er tete, wann er niht bei ir waz.

[33] Ez waz ein prediger der was einer frawen gar getrew.
Da versagt im die fraw ir trew mit smehigen worten. Daz clagt er
unserm herren die weil er in in sinen henden het. Dez wart Al-
heit im ko&er innen und sprach zu der swester: »Biz gedultig, ez sol
gro&ez leiden auf dich vallen: ich han gehort daz der priester unserm
herren hat uber dich geclagt die weil er in in sinen handen hat
gehabt.«

Einez tagez wart sie entzugt bintz Betania dez tags da er La-
zarum von dem tode hiez auf stene. Da waz sie ze tisch gewesen
und het alle die geriht gesehen die sie gezzen heten. Da sprach
Andreas: »Lazzet die schonen minnerin zu unserm herren her auf
sitzen.« Daz geschah.

Ez kom oft die zit von genaden, daz sie die sweren buch als
wol bedeuten kond als ein wol gelerter pfaff: als die zit denne
vergink, so konde sie sin niht mer, wanne sie waz niht gelert.

Sie waz ein wol besnitener mensch, [34] und kom ir oft von
uberiger minne dar zu daz sie vil ding tet on leiplich sinne. Als
si denne in den cho&er ging und ein frawen suchen solt: als sie den
sarch an sach da unsers herren leicham innen waz, so sprang sie
und sang und wicht dergegen vor uberigen freuden. Wenn sie
denn ob dem werk waz, so sahe man wol daz sie on alle sinne
worht, wann ir sinne waren in got. Denn ze naht nach tisch als

<<14>>
sie in den garten gink, daz sie denne von den swestern ein suzez
wort von unserm herren hort, so kom sie von ir selber und sprank
ie von einem baum hintz dem andern und druket die baum an ir
hertze. Als man sie denn fragt, waz sie do mit mainte, so sprach
sie: »Da ist mir reht sam ieder baum unser herre Jesus Christus
sei.« Als sie dann in daz slafhus ging, so sprach sie ie: »Ah lieber
herre Jesu Christus, gen wir mit einander den berch da auf hin.«

Ez kom zu eim mal daz sie die vers [35] in baiden choren
las. Da sprach die priolin zu ir: »Du tust sam ein gans: sing in
dinem cho&er und laz einen chor sten.« Da fledert sie mit den armen
und wont, sie wer ein gans, biz die priolin sprach: »Du bist kein
gans.« Da liez sie aller erst von der ungeperde.

Einez mals da solt man mahen mezzen: da saz sie in daz maz.
Da sie der bruder her auz hiez gen, da sprach sie: »Ich wil niht
her auz gen, wann ich sihe minen herren Jesum Christum bei mir.
Wilt du, so ge her ein zu mir: er ist so schon, du sihst in als
gern als ich.« Er baitet aber ein weil und sprach doch: »Ich muez
daz maz haben.« Da sprach sie: »Conrad, laz dinen zorn varn: ich
kum hin auz niht, die weil ich in hinne han. Wilt du, so ge her
ein zu uns. Ich waiz wol: und wer dir als wol als mir, du komest
niht her auz.« Da wart der bruder als sere entzunt von minnen [36]
daz er auz brast mit wainen und mit schrien, und lief zu dem tor
auz. Also belaib sie in den genaden ein gut weil und gink do
her auz.

Sie het einen bruder und ein geswien, die trug etwie vil tote
kint. Da sant sie nach in baiden und sprach zu im: »Sich, bruder,
waist du niht daz gotes rache auf dir ligt? Nu waist du wol, daz
du din swiger beslaffen hast: do von sterben alle dine kint vor der
purt. Do von erkenne dich und wird ein geistlicher und sie auch,
oder ez legt got gro&ez rach auf euch.« Dez volgten sie ir und er
wart ein teutscherre und sie kom in unser closter. Ez kom oft daz
sie der leut gutet und irn gebresten wol weste von unserm herren

Do die zit nu kome daz ir heiligez leben ein ende solt nemen,
da sant sie nach etlichen swestern und tet in irn tot kunt. Da
sprachen sie hin wider: »Liebe Alheit, waz hast du [37] da mit
gemaint, daz du dir zu sande Peters messe urlaup neme von uns,
und daz du sprecht: »Und geleb ich sand Peters tag, so stirb ich
niht in disem jar.« Da sprach sie hin wider: »Da ist sin heut

<<15>>
drizzig jar an dem tag daz unser herre sprach zu mir: »Ich wil
dich ziehen uber den mirren berch und wil dich denn mit eren
kronen. In der zeit so die lerch singt, so singest du vor meiner
heiligen drivaltikeit.« Da sprach ich hin wider: »Lieber herre,
wenne singt die lerch?« Da sprach er: »Zu sande Peters tag ka-
thedra.« Da von han ich min leben immer mer gezelt auf den
selben tag, also daz mein leben ein ende solt haben.«

Da waz ein andrev swester, die traut niht daz sie sterben solt.
Da ging sie zu ir und sprach: »Berait dich: du stirbest e dann ich.«
Und daz geschach.

Dise heilig swester die starb an einem freitag ze mittem tag
vor sand Peters abent als sie sprach offenlich manig stunde: »Frew
dich, sel meine, frewe dich: [38] an dem nehsten suntag so bist
du in den ewigen freuden«. Do sie nu tot waz, do waz sie schoner
und minnenclicher wanne si ie waz gewest.

<abs> In dez do man diser frawen tavelt, da sprach ein stimme
zu einer alten frawen: »Dew swester die do sitzt auf dem stro, die
ist dez wirdig daz sie an unterlaz ze himel sol varn.« Da sie nu
für daz siechaus kom, da vant sie ein swester sitzen auf einem stro,
die hiez Rihza von Ellenbach: sie starbe an dem virden tag nach
diser seligen Alheiden. Da sie nu tot waz, da sprach unser herre
zu hern Friderich dem alten caplan: »Man sol daz groz ampt durch
dez clainen niht ab lazzen.« Und maint: die messe von der vasten,
die solte man niht ab lazzen durch »requiem eternam« noch halt
durch der heiligen Reihtzen willen.

<abs> Ez waz ein fraw, die hiez Alheit von Herspruk, die kom
mit irm [39] ewirt her zu unser geselleschaft. Er hiez Heinrich,
und der legt dem covent groz gut an den baw. Da dint sie den
swestern als minnenclichen: swen man ir ein ampt gab, so frewt
sich ie die samenung. Do sie nu an den to&et kom, do sagt sie
offenlich dem covent und sprach: »Lieben frawen, ich tun ev kunt:
do ich ze Nurnberg waz, da bat mich min wirt daz ich her wer
kumen: dez wolt ich niht tun. Dor nach kom sand Dominicus zu
mir in sand Sebolts munster: dem versagt ich ez auch. Dar nach
kam Maria die muter der barmhertzicheit zu mir und bat mich,
daz ich her kome, so wolt sie mir daz globen daz sie mir erscheinen
wolt mit irm sun an minem tode. Lieben frawen, ir sult bei mir
sein, daz ir siner gegenwerticheit iht verseumet.« Und daz geschah:

<<16>>
sie komen zu ir und zaigten ir irev minneclichen antlutze und
sprachen hintz ir, sie wer der erwelten [40] menschen einez und
sie wolten ir vil gutlich tun, und e daz sie sturb so wolten sie ir
noch zu einem mol erscheinen. Daz sagt sie den swestern und
zaigt in, wo sie gestanden waren, und sprach, waz sie an het ge-
habt. Da sprach sie zu den frawen: »Lieben frawen, ir sult ir ge-
genwertikeit niht verseumen.« Daz geschah also: an dem palmabent
da beging man unser frawen tag, und da ging unser herre im chor
under dem »Te deum laudamus« under dem vers »Et laudamus nomen
tuum in seculum«, und belaib also dinnen biz man in auz gesanc.
Da naig im aller covent und sahen sin doch niht, wan die Schenkin
die priolin sach in allein als er waz umb drizzig jar. Nach dem
»Te deum laudamus« do gink er auz dem chor zu der siechen
swester als er ir gehaizzen het. Da sprach si mit lauter stimme:
»Unser herre ist kumen und sin liebe mueter Maria.« Da vielen
die frawen alle an ir lange venige [41] gegen im und baten sie,
daz sie bete fur den covent. Also kom sie von ir selber und wart
gar zertlich mit unserm herren reden. Ire wort horten die frawen
wol die sie mit unserm herren redet, aber seine wort horten sie
niht. Do sie nu wider zu ir selber kome, da fragten sis, ob sie
iht fur den covent het gebeten? Da sprach sie: »Er hat ein creutz
uber euch all getan.« Do mit starbe sie mit einem heiligen ende.

<abs> Ein swester het wir die hiez Kungunt von Eystet, und die
waz der stifterin enichel. Die ging nach einer metin auz dem chor
da ez taget: do hort sie den caplan messe sprechen. Sie stunde
bei der tür do man die steinin stig in die kirchen get, und sah an
die stat da nu under kuchen stat. Do stund ein groze schone linde:
die het alle ire pleter verwandelt mit morgenstern, die waren zun-
derst [42] grozzer und aller schonst. Daz wert also biz an die
mit: da verwandelten sich die stern und wurden hin auf ie lenger
ie cleiner. Da ez do in den wipfel kom, da wurden sie als der
mon swen der ab nimet. Sie hingen alle in ir selbez kreft, und
wenne ir ie einer ab ging, so kom eine ander an sein stat. Da
die naturlih sunne auf ging, die warf irn schin in die stern: do
ward ein so schoner glast, daz waz uber alle menschlich sinne. Nu
liez sie dez caplans messe varn und ging unter den baum: da sah

<<17>>
sie auf den indersten esten zwen vogel, die waren als grozz als die
welischen tauben und heten auch ir gestalt, und waren als lauter
als ein spigel glas und sam ein clarer berillen stein da man sich
innen ersiht. Disev gesiht wert biz man daz ander zeichen ze
preime [43] laut: da verswunden die stern und gewan der baum
sin naturliche bleter wider. Do ging sie hintz prime und moht
diser grozen gesiht niht vergezzen. Do ez do kom hintz der still
mess, da sprach ein stimme hintz ir: »Westu iht gern waz dise ge-
siht bedeut?« Da sprach sie: »Ja, ich west ez gar gern.« »Ez be-
deut daz, daz am ersten anvang ditz closters, daz die die heiligsten
leut waren und die genadenreichsten die man moht vinden. Unser
herre der waiz alle dink in siner vorbesihtikeit: swenn ditz closter
an sin mitel mit grozen gotlichen genaden kumet, so wirt disen den
die genad geminnert, aber sie get nimer ab. Ez wolle unser herre
allweg etwen hinnen haben mit dem er besunder gnade wil tuen,
die weil daz closter stet: die wil er selber her samen, den er siner
genaden gan. Und hab dir dez eine [44] urkunde daz du minen
worten glaubest: die zwene vogel die du gesehen hast, die bedeuten
daz die heiligsten menschen zwai von euch kurtzeliche varen die
daz closter hat.« Daz stunde niht lenger denne nach mess: da sie
uber daz werk wolt gen, da saget man ir, ez wolt Alheit von Igel-
stat sterben. Und ir dinerin die starbe auch nach ir kurtzlichen
die auch ein heiliger mensch waz.

<abs> Da wil ich euch nu kunt tun von diser heiligen Alhaiden
von Igelstat, wie ir leben waz. Sie kom zu uns und waz vor ein
beginne gewest: da hielt sie irn orden als strenklichen an allen
dingen und sunderlich an dem swigen, daz sie ir swigen an keiner
verboten stat nimmer zebrach, und swenn sie da ze chor stunt, so
merket man ir wol, wenn sie niht sank, daz sie danne [45] immer
mer sprach: »Jesus Christus, Jesus Christus.« Als sie bei den leuten
waz, so waz sie so minneclich bei in, daz alle die von ir gebezzert
wurden die bei ir waren. Da verhengt unser herre uber sie, daz
man sie zech, sie wer der siechen leut, und daz man sie sundert
von dem covent. Da sprach unser herre zu ir: »Bis niht betrubt,
daz man dich sundert von den leuten: ich wil selber din hauswirt
sin.« Daz volbraht er wol an ir. Sie nam sich daz aller heiligst
leben an daz wenig von menschen ie gesehen wart: sie azz furbaz
nimer dann ein erbizwazzer und nam all tag ein disciplin und

<<18>>
wacht alle naht vor mitin. Als man denn zu ir sprach, war umb
sie vor mettin wacht und niht hin nach, so sprach sie: »Da hat er
vor metin niemant der im dient: hin nach hat er ir vil.« Da sie nu
unserm herren etwie vil jar in dem heiligen leben waz gewest, da
erschein ir unser herre selb selber und tet [46] ir kunt, er wolt sie
nemen in die ewige freude. Da het sie ein gespilen die hiez Meht-
hilt Krumpsitin, der erschain unser herre auch dez selben nahts
und sprach zu ir: »Ich wil din freundin zu mir nemen.« Da sie ze
morgenst zu einander komen, da taten sie ez baid an einander kunt.
Da sprach Alheid zu Mehthilden: »Ez schint wol daz du ein lauter
sel hast: er hat reht mit dir gered als mit mir.«

Einez nahtes da lasen sie metin mit einander: da lasen sie als
andehticlich daz sie nimmer auf gesahen. Da kert sich Alheid her
umb und sach Mehthilden an gar ernestlich. Daz waz ir gar un-
gewonlich. Dez morgens da fragt sie sie: »War umb hast du mich
nehtin als ernstlichen an gesehen?« Da sprach sie: »Da empfad ich
unsers herren gegenwertikeit sicherlich und dauht mich, er tet dir
gutlicher danne mir. Da von moht ich sin niht [47] geraten,
ich seh dich als ernstlich an.«

Da dise heilig Alheid zu irm tod kam, da sprach sie: »Ich lig
reht als in einem kulen taw.« Und redet die aller zartesten wort
und die suzsten, also daz alle die hertzen die uber sie komen, von
ir brinnende wurden. Nu hiez sie ir gespilen heimlich kumen zu
ir und danket ir mit grozzer andaht »allez des dinstez dez du mir
ie getan hast, und daz du mich nie versmeht hast in meinem leiden,
und daz du mir so minneclich gedinet hast. Nu solt du mir sagen,
wez du von got begerst, wanne er hat mir die gab geben: swez ich
in bit an minem tod, dez wil er mich gewern.« Da sprach sie hin
wider: »So beger ich anders niht wann daz du in bitest, daz ich
ein volkumener mensche werde.« Da sprach sie hin wider: »Ich
tuen dir daz kunt, daz du hinnen niht erstirbest: du wirst erwelt
hintz Aurach ze [48] einer priolin, und da wirdest du begraben.«

<abs> Nu will ich euch kunt tun von diser Mehthilden Krumpsitin.
Da sie in dem virtzehenden jar waz, da lag sie vor einem alter
und twank ir sinne als sere, daz ir daz blut ze munde, ze nasen
und zu den oren auz gink. Und sie sprach, daz sie furbaz nimer

<<19>>
mer leihticlicher nach got moht getrahten wann vor an arbeit. Daz
erzaigt sie wol: swenn sie den tag allen ob dem werke sazz, so
span sie gar wenig. Als sie denne dez nahtez ein cleinez sleflin
tet, so stunde sie uf und traht immer mer nach unserm herren.
Sie waz ein gerehter mensch: da laid sie vil von. Sie waz an
allen irm leben reht sam ein lucern. Da sie unser priolin waz, da
gewunnen die auzzerleut als grozze lieb zu ir von irm heiligen leben
und wandel daz sie het. Sie volbraht ez [49] mit grozem ernst.

Da nu die zeit kom daz unser herre sine werk volbringen wolt
als er vor geoffent het, da wart sie gewelt hintz Aurach. Da sie
nu dar kom, da moht sie ir grozze andaht an irm hertzen niht ge-
stillen. Sie waz einz nahts vor irm pette an irm gebet: da kom
sie von ir selber. Do ging ein leienswester, die waz ir gastmeisterin,
dreie stund, zu ir und sprach, daz sie her abe ging zu den gesten.
Da versan sie sich nicht in dise werlt von gotlichen gnaden. Da
ging die leiswester hin und sprach von der priolin: »Si rotet unter
irn augen als ein rose: sie mag wol win getrunken haben.« Diser
rede wart sie innen in dem geist und sand dez morgens nach ir
leiplichen swester und sprach zu ir: »Ir sult min warheit nemen:
wenn ich an minem gebet sei und niht wol besinnet sei, so sult ir
daz ampt fur mich tun. Sich hat nehtin die leiswester an [50]
mir verworht die da ubel von mir gered hat. Merket disen tag:
von heut uber ein jar so vert sie auz dem ordem und kumet nimmer
mer dar ein.«

Do dise fraw ir leben volbraht lobelich, wann sie waz ein
minnerin dez ordens und aller gerehtikeit, da erschain ir unser
herre und gelobt ir, er wolt sie von hinne nemen in die ewigen
freud. Da sant sie nach irn leiplichen swestern und tet in daz
kunt. Da wainten sie gar sere und baten si, daz sie undern herren
bete, daz er si lenger hie liez. Da sprach sie hin wider: »Daz wil
ich niht tuen. Mein hertz hat so grozze senung nach im, ich mag
sein niht lenger enpern.« Kurtzlich do kom sie der tod an. Do si
do verriht wart mit cristenlichem rehten, do sprach sie zu irn
swestern: »Mir ist nindert we. Liez ich ez niht <eh>durch</eh> die leut,
ich ging war ich hin wolt. Sperret die kamern zu, so will ich ez
euch lazzen sehen.« Und stund auf [51] und gink als gerinklich
als sie ie getan het.

Da ir heilige sel von irm leibe schaiden wolt, da sach ein

<<20>>
swester in dem geist, daz ir sel allen gelidern danchet ieglichem
sunderlich, daz sie got als wol gedinet hetten.

Ez waz ein kint in einem dorf ze Entenberg, daz sagt vil kunf-
tiger ding, daz waz bei einer beginne. Daz sprach: »Mueme, ich
han den himel offen gesehen und daz die priolin von Aurach ietz-
unt in himel ist gevarn.« Da sprach sie hin wider: »Du hast leiht
niht war.« Da sprach daz kint: »Nu ge dar und besihe ez.« Daz
tet die fraw und erfuer daz: do waz sie in der selben weil tot als
daz kint gesprochen het.

<abs> Ein swester hiez Irmgart von Eystet, die waz gar ein
minnesamer mensch und het die tugent, daz sie gern lert waz zu
gotes dinst gehort. Nu ward sie vor irm tode zu eime petrisen
und lag biz in daz ander jar, daz locher in sie brasten unde daz
daz blut von ir ran und die frawen [52] die ob ir waren, mit
jamer hintz ir sprachen, sie solt unsern herren biten daz er sie
lo&est von irm smertzen. Da sprach sie: »Mugt ir niht erliden daz
ich wol geleiden mag? Ich wil in niht biten daz erz mir beneme,
wann ez ist kein ungedult nie in mein hertze kumen von allen
minen smertzen.« Und wenne sie ez sprach, so lacht sie gar min-
neclich. Einez tags da sprach ein fraw zu ir: »Du bist billich ge-
dultig: dich hat ein swester gesehen daz du in einem lieht bist
gelegen in dem slafhaus.« Da sprach sie: »Moht sie dez niht ver-
swigen? Ich han grozzer gnad verswigen: ich han gesehen die
heiligen drivaltikeit in drier person weis und wandelten sich in ein
person, und han gesehen unser frawen Mariam daz sie unsern
herren auf der schoz het, und sprachen, sie wolten mir als gutlich
tun als andern. Daz verstund ich also: er wolt mir als gutlich tun
als andern heiligen junchfrawen. [53] Do sol mich gar wol an
genüegen.« Dar nach starb sie mit einem heiligen ende, und kome
her wider und sprach, sie wer gar kurtzlichen hintz dem himel ge-
varn. Dise gedult het sie vor lang geweissaget und sprach: »Ich
wird noch ligend als ein lamp.«

<abs> Eine hiez swester Gedraut von Hapurch, die waz gar ein
andehtige swester und behielt irn orden gar strenclich und wazz
gar ein gerehter mensch. Da ward sie gebeten von einer ir ge-
spiln, daz sie mit ir redet nach conplet. Da sprach sie: »Wa wer
iendert ein mensch, durch dez willen ich mein sweigen brech nach
complet?«

<<21>>
Wenn daz waz daz sie niht betet, so redet sie emziclich von
got, und wenn sie bei werltlichen priestern waz oder bei unbe-
kanten leuten, so redet sie so süezlich von unserm herren, daz sie
wainde wurden.

In dem jar do sie innen starb, do hub sie ie in der naht an
und sang mit lauter [54] stimme. Als die swester denne hintz
ir sprachen, war umb sie in dem slaffe sunge, so sprach sie: »Do
frewet sich mein sel, daz ir die ewig freud nahet.« Da sie nu der
tod an was kumen, do sant sie nach den frawen und sprach: »Lieben
kint, mir hat heint getraumt, ez ko&em ein scho&ener jungeling zu mir
und sprach, ein kunig het mich auf sinen hof geladen, do solt ich
nu furbaz auf sein. Da sprach ich hin wider: »Ez ist lank daz ich
von hof kom: ich kan niht mer da gebaren und han auch niht
schoner cleider.« Da sprach er: »Sorg niht zu dem: <eh>der</eh> kunig
auf dez hof du bist gladen, der kan dich wol gelern und wil dir
auch schone claider geben.« Nu versinne ich mich wol bei disem
traume, daz ich sterben sol: pet mir in daz siechaus.« Under wegen
do sie solt in daz siechaus gen, do stund ein affalter und blut un-
mezlichen schon. Da sprach sie: »Lat mich [56] etlich weil unter
dem baum hie seine.« Da hub sie an und wart gar sere wainen
und sprach: »Daz du neulich als durre werd und nu als scho&en
pluest, und daz ich als lang in geistlichem leben bin gewesen und
daz ich mich niht han gebezzert!« Da enpfing sie cristenlich reht
und starb mit einem schonen ende.

<abs> Ein swester hiez Alheid von Grindlach, die waz etlich weil
siech vor irm tod. Do sie nu tod was, do kom sie einer bewerten
frawen her wider, die fragt sie, wie ez umb sie stüende? Die
sprach: »Do bin ich in himelrich und schint die heilig drivaltikeit
durch mich als ein sunne, und bin reht worden als ein bilde daz
do scheinet durch ein cristallen: also gelest die gotheit in mich.
Und die genade han ich do mit verdinet, daz mein hertz alle zit
mit got umb ging.«

<abs> Ein swester hiez Hedwig von Regensburch, die waz ein vil
alte swester. [56] Die wolt sich dez chors ab tun: si verstund
sin niht. Da sprach ein stimme: »Ge hintz chor: du verstest ez
hie auzzen als wenig als dinnen.« Do gewan sie groz lib zu dem
chor, daz sie emsiclich dar gink, wie kranch sie waz. Und zu einem
mal da erschein ir unser herre zwischen den zwain zaichen ze metin

<<22>>
als er waz umb drizzig jar. Da sprach sie: »Vil lieber herre, do
solt ich ietzund metin lesen.«

Ainez andern mals do stund sie in dem chor under der col-
latio, do der covent hintz conplet gink. Da sahen sie alle daz ir
ir hertz schain als die sunne durch ir gewant, reht als sie tut durch
daz glaz.

Da sie in der werlt waz ein beginn, da gab kunig Conrad den
puben gewalt uber die geistlichen frawen. In dez do sie in den
noten waz und sie floch und ir eren vorht, do piltten sich dise
wort in ir hertz:

Zu den selben rainen sprichet Crist:
»Gemahel, du [57] solt minnen mich,
wann du mir vor dem engel bist.
Dez braht ich wol innen dich,
daz ich den to&et durch dich enpfie:
daz tet ich durch den engel nie.

Dise wort gingen ir so minneclich ze hertzen, daz sis furbaz
immer mer sank, wenn sie ir selber freud wolt machen, daz sie got
mit disen worten het getrost in iren noten.

Dise Hedwig siecht vor irm tod und waz dez gar gedultig.
Nu geschach daz an einem liehtmessetag da der covent processen
gienk, da erschain ir unser frawe Maria mit irm lieben sun unde
gink die processen mit dem covente. Dar nach gink sie zu irm
pette unde sprach zu ir: »Beriht dich, du solt varen in die ewigen
freude: da woll wir dir lonen, ich und min kint, allez dez daz du
erliten hast durch unsern willen.« Dar nach starb sie in kurtzen
tagen. Dise dink tet sie kunt einer frawen die ir dinerin waz,
und starb mit [58] einem heiligen ende.

<abs> Ein swester hiez Diemuet von Nurnberg, und waz dev die
bei den ersten wont und nie entzuket wart, und halt in allen irm
leben da tet ir got keine sunder gnade niht, und waz so ein hei-
liger mensch an allen irm leben und an allen ordenlichen dingen,
an wachen, vasten, an swigen, an beten. Da sie nu an ir ende
kom, da sagt sie uns immer mer, wie wir uns gegen got solten
halten. Sie het so groz begirde nach unsers herren leichnam: swann
man in durch daz siechus truk und in einer andern frawen wolt

<<23>>
geben so moht sie sich niht enthalten, sie schrie mit lauter stimme:
»Awe, gebt mir in auch.«

Nach irm tode kome sie einer frawen her wider in einem lieht
on allen grausen, reht als sie vor gangen waz, in dem ordengewand.
Do beswur sie disev fraw, daz sie ir sagt, wie ez ir ergan-
gen [59] wer an ir lesten weil. Da sprach sie: »Ez ist mir als wol er-
gangen, daz got gelobt sei daz ich ie ze menschen geboren wart.
Mir hat got drei groz genad getan an minem tod: ez kom der
heilig gaist uber mich in einez grozzen fewers gelichnusse, daz ich
wont ez wolt die stub verbrinnen, und da von sprach ich zu etlichen
swestern: - und nant sie - »Wolt ir niht leschen?« Die ander
genad waz: do mir als we nach unsers herren licham waz, do kom
sant Mertin in einez bischofs weise und het sich zirlich an gelegt
als ein bischof unde gap mir unsers herren licham an meiner lesten
weil. Die dritte genad ist, daz min sel on mittel und an unterlaz
von minem mund in himel gevarn ist, und all mein weg waren be-
hangen mit brinnenden lampen als in sand Benedicten legend ge-
schriben stet.« Da het sie vor nie niht von gehort. Do fragt [60]
sis, ob siz gesagen oder verswigen solt? Da sprach sie: »Du solt
ez gesagen. Ich bin dar umb her wider kumen, daz unsers herren
ere do von gelobt werd.« Und die weil man ir vigilie sang, da sah
ein swester in einem geistlichen gesicht, daz sie unser herre zeigt
den engeln und den heiligen und sprach: »Nempt war, daz ich noch
ein hertze auf ertrich han gehabt daz mich so reht liep hat ge-
habt.«

<abs> Ein swester hiez Berht Makerin von Nurnberg, die waz
lang vor irm tod siech und het gar einen smertzenlichen siechtum
und waz doch niht lam. Wenn man ir von dem tod vor redet, so
sprach sie all weg: »Ich erstirb nimer, ez kum dann kunig David
und herpf die sel auz mit sinen clengen.« Da nu die zit kome daz
got irs leidens ein ende wolt machen, nach vesper sand sie balde
nach der priolin, daz siez hiez olen. Da waren die frawen ge-
meinclich da wider [61] und sprachen: »Du hast kein todzaichen
an dir, du hast dich oft wirser gehabt.« Da wolt sie doch do von
niht lazzen, man muest sie olen. Da sprach sie zu ir swester tohter:
»Beleib heint bei mir und lege dich niht nider.« Daz tet sie und
saz für sie. Da redet sie als redelich mit ir als sie in manger zit
ie getan het, und sunderlich redet sie von irm leiden. Da es gen

<<24>>
miter naht ging, da sprach sie: »Wol mich daz ich ie zu menschen
geborn wart. Ich hore daz suzest saitenspil daz mensch ie gehoren
solt. Ich wil sterben, bett mir hin auz.« Uber ein cleine weil, e
der covent die letanie las, da waz sie verscheiden.

<abs> Einev hiez swester Guet von Ditenhofen, die waz von dem
heiligen creutz von Regenspurch her kumen mit ir swester. Die
waz gar ein andehtiger mensch. Und vor irm tod spilt unser herre
in einez cleinen kindelins weise vor ir und gelobt ir, [62] er
wolt ir gutlich tuen. Dar nach starb sie kurtzlichen.

<abs> Ein swester hiez Alhaid Ortlibin von Nurnberg. Die ward
einez nahts irre in dem slafhus, wanne daz lieht waz verloschen.
Da erschain ir unser herre in einem grozen lieht und weist sie
selber zu der zelle, und redet gar minneclich mit ir und wolt ir
gar gutlich tun. Da sprach sie hintz im: »Herre, wer bist du?« Da
sprach er: »Ich haiz Rex regum et dominus dominancium: ich bin
ein kunig der kunig und ein herre der herscher.«

Si het vil arbeit erliten in der gehorsam. Dar nach ward sie
sere kranchen und doch niht smertzenlichen siechtuem. Da got ir
leben verenden wolt, do erschein ir sand Johans baptista und sprach
zu ir: »Ich tun dir kunt von unserm herren Jesu Christo, daz er
dir sicherheit hat geben ewigez lebens: do wil er dir allez dez
lo&enen dez du im ie gedient hast. Und din <eh>muter</eh> und din bruder
unde swester [63] warten din mit grozzer begirde.« Dar nach
starb sie einez richtigen todez.

<abs> Zwaie kint brahten sie mit in von Nurenberg, die heten sie
do enpfangen, die waren unter zehen jaren. Die ein hiez Alheit
und waz lang sancmeisterin, und waz ein wolgezirter mensch mit
tugenden. Und sunderlich dient sie den siechen gemeinclich on
alle pet, und als sie ie unsauber waren, so dint sie in ie willec-
licher. Da sie gestarp, da sah ein swester in einem geistlichen ge-
siht, daz unser herre stund uber ir grap als er waz umb drizzig
jar, und sprach: »Nemt war, da ligt die geminte.«

Die ander hiez Jewt, und wart gesundert von den leuten vor
irm tod: do dinte ir dise vorgenante Alheit biz sie vor sichtum
niht mer enmoht. Dar nach unde ir der trew dinst ab ging, da
erplindet sie und het keinen leiplichen trost mer. Do spilten fur-

<<25>>
baz unmazzen scho&ene [64] kint vor ir und wonten emziclich bei
ir. Da sprachen gelerte lewt, ez wern engel, die trosten sie seit
ir aller trost wer ab gegangen.

<abs> Ein swester hiez Mehthilt von Neitstein und kom her von
dem hof dez graven von Hirzberch, und wart ein emzige dinerin
gotes und waint an irm gebete alle tag dar umb daz ir got ein gut
ende geb. Dez gewert er sie und gab ir gar einen andehtigen to&et.
Do kom sie nach dem tode her wider und sprach: ir het got un-
mezzigen lon dar umb geben daz sie dem covent als getrev wer
gewesen, und sunderlich daz sie an dem priolamt erliten het von
trewen.

<abs> Sie het eins bruder tohter, die hiez Sophie vom Neitstain,
die starp vor ir, und waz umb virundzweintzig jar, und waz ein
unuberwundener mensch. Da sie nu an dem totpet lag, da wart
sie entzuket. Do sie wider [65] zu ir selber kom, da sprach
sie »Ich bin in iener werlt gewesen und han gesehen und gehort,
- solt ich noch funfhundert jar leben, ich konde ez nimer volsagen
daz ich waiz. Als ich nu gerw, so wil ich etwaz sagen da von.«
Da hub sie da ein gesanc an, daz verstund nimant dann daz jungst
wort, daz sprach »Maria«, und sprach do: »Ich bin innan worden, daz
ich der behalten menschen eins bin: dez west ich vor niht.« Dar
nach starb sie am andern tag hin nach. Da sie den jungsten zug
tet, da hub sie an daz »Salve regina: Gegruzt seist du kunigin«,
und sang ez mit einer süezen stimme. Da sie nu to&et waz, do kom
sie einer bewerten swester her wider. Der sagt sie: daz sie daz
»Salve regina« het an gehebt, da ging unser frawe Maria ein in
einem veiolvarben mantel, und ging mit ir sand Agnes und vil junc-
frawen. Do wet [66] unser fraw den mantel gen den vinden:
da fluhen sie alle hin wek. Disev genad het sie verdient mit einem
salter, den het sie gelesen an einem tag stende: da waz sie dri
stunt unter nider gevallen, wann sie het den tot an ir, und starb
an dem ahten tag unser frawen Maria dar nach.

<abs> Ein laiswester hiez Jewt von Unzelhoven und waz lang unser
hofmeisterin, und het der covent grozen trost von ir, wann sie waz
<eh>ein</eh> endelicher mensche zu auzzerm gescheft. Und het vil gar die

<<26>>
anvehtigung, daz sie auz dem orden wolt. Einez tagez nam der
covent unsers herren leicham: da nam sie sin niht und ging in dem
closter umb. Da sah sie auzzen ob dem dach dez chores ein feurin
rat sweben. Da gedahte sie: »Ist daz gesiht von got? So wil ich
gen in den chor, so wird ich sin innen.« Da sie do in den chor
kom, da sahe sie [67] daz ein roren von himel in den kelch ging
und drug die heilicheit dar ein, und sach daz daz oblat in dez
priesters hant zu einem kindelin wart, und swenn er ez dar den
frawen bot, so gebart ez gegen ieclicher als irm leben waz: gegen
etlicher gebart ez gar zertlich und frolichen, gen etlicher niht also.

<abs> Ein swester hiez Reichgart und waz der stifterin swester
und kom zu unserr geselleschaft. Sie waz ein swartze nunne und
kond gro&ez kunst. Da sie nu in unser closter kom, da underwant
sie sich des kores mit grozzem fleizze und ging emziclich dreizzig
jar hintz chor, daz sie einen gantzen tag nie versaumet. Und waz
auch die drizzig jar on flaisch und kom wenig in kein pat unde
vastet emziclich, und wacht alle naht nach metin, und sprach niht
mer dann drev Ave Maria von grozer andaht wegen. Daz erst Ave
Maria daz sprach sie [68] dem closter und allen guten leuten,
daz ander Ave Maria allen sündern, daz dritt Ave Maria den selen
in dem fegefeure. Sie waz ein gerehter mensch an allen irm leben,
und tet ir unser herre nie kein sunder gnade biz an die zit daz ir
leben ein ende wolt nemen. Da lag sie nach einer mettin vor dem
alter in dem chor an ir langen venig. Da chom unser fraw gangen
und fuert irn sun Jesum Christum an ir hant, und er waz als ein
kint umb zehen jar und sprach zu ir: »Riht dich auf, du gemintew
Reichgart.« Und do sie sich da auf geriht, da graif ir unser herre
an daz kinne und sprach: »Die zit ist kumen, berait dich: dein
bruder und din swester baitent din mit grozzer begirde. Du bist
geladen zu der ewigen wirtschaft, da wil ich dir allez dez lonen dez
du mir gedint hast.« An der selben stet kom sie der to&et an und
starb mit einem heiligen tode. Uber unlang tag dar nach do kom
sie her [69] wider und sprach: sie wer niht on unterlaz hintz
himel gevarn, ir vegfeur wer auf einer grunen wisen gewesen.

<abs> Ein swester hiez Anna von Weiterstorf. Sie waz ein em-

<<27>>
zigev dinerin gotes und het grozze arbeit an den ambten und het
auch gro&ezzen fleiz dar zu. Si waz siechmaistrin und het groz
leiden da von, und waz doch niht unerbergez leiden. Da sie
do da von kom, da gedaht sie ir, sie wolt nimmer mer kein groz
ambt tun. Sie sprach ez auch von der trubsal daz sie von dem
ambt erliden het. Dar nach zu einem weinahten da enbot uns bi-
schof Nyclaus von Regenspurg, er wolt die hochzit hie sin. Da uns
die botschaft kome, da ward die fraw als fro daz sich die andern
frawen alle dar ab wunderten, und stund auf und kert selber. Dar
nach an sand Johans tag nach ostern do kom sie der tod an, und
da man sie nu beriht het mit allem cristenlichen [70] reht, da
wart sie unmozzen schon und sprach immer mer: »Mir ist nindert
we: ez ist mangev bei mir der wirser ist danne mir.« Da sant sie
nach swester Agnesen von Praitenstein die priolin her nach ward,
und sprach zu ir: »Ich wil dir kunt tun, waz mir unser herre gutes
hat getan.« Da sprach sie hintz ir: »Sag mir, war umb werd du so
reht fro do man sagt daz der bischof her wolt?« Da sprah sie:
»Do viel mich ein grozze freude ein, wann ich hort immer mer den
engel singen seit der selben zeit alle tage.« Sie sprach: »Daz ich
alle tag als emziclich unser frawen metin bin auf gestanden, daz
ist do von daz sie mir oft dar unter erschain und druket mich an
ir hertz.« Und sprach: »Daz ich so gern in der alten capeln bin
gewesen bei tag und naht, daz ist do von daz mir unser fraw Maria
und ir sun Jesus Christus dar inne erschein und taten mir auch
grozze gnad. Daz [71] mir sant Leupreht als lieb ist gewesen,
daz ist da von daz ich in sach stend auf sinem grab in der kirchen.«
Daz waz halbez in der gruntvest und halbez hie auzzen. Also het
er sich dem caplan auch gezaigt, und het grabez gewant an und
sprach zu ir: »Sich, in dem gewand hat man mich unschuldiclich
ertot. Nim war, so ist daz min grab.« »Da uns der bischof Nyclaus
von Regenspurch unsern herren wolt geben, da sah ich, daz vor im
zu der tur die in den chor get, drie schon herren her ein gingen,
und gingen doch ze samen und ward ein herre dar uz.« Da versan
sie sich wol, daz ez die heilig drivalticheit waz. Da er do unsers
herren licham gesegent het, da sah sie daz ie daz oblat zu einem
kindelin wart, und als er ez ieder frawen dar bot, so gebaret ez
gegen ieclicher als irm leben waz: gen etlicher tet ez gar minnec-
lichen, gen etlicher niht also. »So han [72] ich in der zit die

<<28>>
engel horen singen den respons »Summe trinitati« und schonew »Kiri-
eleison« mit drien stimmen: daz sprach als schon, daz ez uber alle
menschelich sinne waz.« Da sprach sie: »Heizt etwen zu mir gen
der lang gedenk.« Da sprach sie: »Lieben frawen, ir sult wizzen
daz ich die engel alle tag hon horen singen von weihnaht biz her«,
- zu sand Johans tag ewangelisten nach ostern, da waz sie der
tot an kumen, - »und daz ich etwenn als unwizzentlich waz und
als erstarret wenn man mit mir redet, daz waz da von daz ich der
engel sank emziclich ho&ert. Mir hat unser herre und sin muter
Maria in der capellen und in der zelle gutlich getan. Da man mir
daz kellerampt het geben, da ward ich gar sere betrubt. Da er-
schein mir unser herre in der zelle an der marter mit sinen funf
wunden und sprach zu mir: »Sich, du gemintev, [73] daz han ich
allez durch dinen willen erliten: waz leidest du durch minen willen?
Biz dez gehorsam und keinez mer.« Da wont ich, er maint, ich
solt kein ambet mer tun: nu hat er ez gemainet auf minen to&ed.
Do ich hintz dez Mosburgers messe gink da die graz genade hie
waz, do erschain mir unser herre als da er waz umb drizzig <eh>jar.</eh>«

Da sie nu an dem tod lag und wir wonten, sie verstunde sich
in dise werlt niht, da waz sie gar scho&en. Da sprachen sie zu ir:
»Wie waz Jesus von Nazaret gestalt da du in sehde?« Da bezai-
chent sie in: er wer ein micheler herre. Da ez ir an die letsten
weil gink, da ward sie gar vorhtenlich. Da waz ein swester an ir
gebet, hincz der sprach ein stimme: »Ge zu der swester die do ligt
in grozzem streit.« Da sie do uber sie kom, do verschied sie schier.

Nach irm tod do köm sie der selben swester her wider und
sagt irz, [74] ez wer noch etwaz zwischen ir und got, dez sie
noch niht gebüezt het, und do von müest sie den bosen geist sehen,
daz er ez ir hie wolt ab nemen.

<abs> Ein swester hiez Els von Sehssencham und waz von dem
hohen gebirg purtig und het dez hertzogen von Bairn ambtman
einen. Der verlo&es den leip: do kom sie zu unser samenung und
ward ein gute fraw. Und do <eh>sie</eh> etwie lang in dem closter waz,
da sprach unser herre zu ir: »Elspet, war umb bist du in daz ellend
kumen?« Da sprach sie: »Herre, durch dinen willen.« Da sprach

<<29>>
<eh>er</eh> zum andern mal: »Elspet, war umb bist du in daz ellend komen?«
Da antwort sie: »Herre, daz ich dir dester neher sei unde werde.«
Da sprach er: »So bist du mir nindert neher denne in dem covent.«

Zu eim mol da sah sie in eim geistelichen [75] gesiht und
kom an ein wunnecliche stat. Da waz gar ein schonev junchfraw:
da kom unser herre Jesus Christus in eins minneclichen kindelins
weise und spilt allez mit der juncfrawen. Da het sie gern gesehen,
daz ir daz kindlin auch gutlich het getan, und het grozz gerung
dar nach: da tet ez sin niht. Nah diser gesiht da gewan sie
grozzer leiden tag und naht an irm hertzen und het ez da für, er
het sie versmeht da von daz sie ein witib waz, er wolt ir niht gut-
lich tun. Da erschain er ir anderweit und sprach: »Sol ein kint
vor dinen genaden siner muter niht gutlich tun? Sie ist min muter.«
Da verlos sie erst ir leiden.

Vor irm tod wart sie ser kranc. Da sprach ein stimme zu ir:
»Weder wilt du lieber: sterben an unser frawen tag in der vasten
oder am karfritag?« Da sprach sie: »Ich wil lieber sterben am kar-
fritag.« Daz erging also. Vir tag da vor [76] da erschein ir
unser herre und redet gar minneclich mit ir und sprach, er wolt
sie allez dez ergetzzen daz sie ie erliten het. Also verschid sie
am karfritag ze mittem tage.

<abs> Ein swester hiez Alheit und saz auf unserm hof, und waz
ein begin gewesen, und waz ein guter mensch und hort gewonlich
die messe mit grozzer andaht, und west auch kunftige dink. Da
erplindet sie vor irm tod und wolt niht mer zum capitel gen. Da
sprach ein stimme zu ir: »Du solt ez durch din gesiht niht lazzen,
du solt dar gen.«

Da die zit kom daz unser herre ir leben wolt enden, da lag
sie mit grozzer andaht und sang dise wort:

Frew dich, tohter von Syon,
schone botschaft kumet dir:
du solt singen suzzen don
nach allez dinez hertzen gir.
Du bist worden gotez schrin:
do von solt du frolich sin
und solt niht leiden hertzen pin.
Wol her an den [77] raien

<<30>>
den schone kint wol sehen.
Jubiliren, meditiren,
jnbiliren, contempliren,
jubiliren, speculiren,
jubiliren, concordiren.

Dise wort sang sie emziclichen an irm tode und sunderlich dez
tags da sie an starp und dez tags do vor, daz sie als lang niht un-
gesungen waz daz man die siben salm moht haben gelesen.

<abs> Ein swester hiez Cristin von Kornburg. Die waz ein em-
zige dinerin unsers herren Jesu Christi und ein getrewer freunt dem
convent, und ging emziclichen hintz chor und waz allez dez flizzig
daz dem chor an gehort, und mit lernunge und mit swigen und an
allen ordenlichen dingen. Sie waz ein gerehter mensch und het vil
leidens von mangerlai ding, doch het sie einen gesunden starken
leip: da dint si got mit grozzem ernste. Sie het ein cleine kunst
gelernt unde kom dar zu mit den gnaden gotes, daz sie grozze
swerew buch ze tisch deutet.

[78] Da die zit nu kom daz unser herre ir arbeit volenden
wolt, do kom si ein grozzer siechtum an, daz sie sich berihtet und
wont, ez solt ir ende sin. Daz zoch sich in daz ander jar. In den
selben ziten lag sie mit grozzen smertzen dez leibs und in grozen
geistlichen freuden und in gotlichem jubilo reht als ein trunckner
mensch: wanne sie waz werlich trunken von dem kiperwin den man
in der engel lant list. Daz ertzaigt si wol mit einem auzbrechenden
ungelinpfe: wanne sie hub oft an bei tag und naht und sang mit
lauter stimme den namen Jesu Christi mit grozer suzzikeit. In den
selben ziten ze weinaht do erschein ir unser fraw mit irm lieben
kind und trost sie gar lieplich und sprach, sie wolt ir allez dez
leidens lonen mit grozzen freuden dez sie ie erliten het. Dar nach
ze obersten do kom ein himelisch liht uber sie: daz sah si niht
[79] allein, ez sahen ander swester auch die dez zeug sin. Da
wart sie innen entzuket und sach aber unser frawen mit irm kinde
in der herschaft, als ir die drie kunig daz opfer brahten. Dar nach
an unser kirchwei nach unser frawen tag nativitas da nam sie unsern
herren ze primezit. Da sie doch zu ire selber kom, da sprach sie:
»Moht ich vor krancheit, ich wolt euch sagen daz wunder daz got

<<31>>
mit mir getan hat und daz ich gesehen und gehort han, daz drizzig
closter da von mohten reden.« Ze aller heiligen messe an einer
naht do kom sand Johans baptista zu ir, wann er waz ir aller hei-
ligen libste, in einem so grozzen lieht daz dew stueb allev derleuht
wart, und sprach mit trostlichen worten zu ir: »Ich wil schir her
wider kumen mit grozzen freuden unde wil dir allez dez lonen dez
du mir ie gedint hast.« Da sprach sie: »Awe awe, [80] wie hast
du mich so lang gelazzen in minen leiden! Ich het dir sin niht
getraut.« Diser freuden moht sie niht verheln und schrai mit lauter
stimme, daz alle die erwachten die in dem sichaus lagen. Dar nach
zu sand Mertins messe do kom die juncfraw sand Agnes mit der
menig der juncfrawen in einem grozzen lieht und sprach zu ir:
»Frewe dich der zit die komen ist, daz dich got ergetzzen wil allez
dez du ie erliten hast.« Wann dise juncfraw waz ir aller juncfrawen
liebste.

Sie het funfzehen jar die bekorung, daz sie oft wolt wenen, si
wer der verlorn menschen einez. An unser frawen abent annun-
ciacio do kom sie an ir gebet und vielen ir ein dise wort: »Alle die
unser frawen ie ihts gebeten heten und die sprechen, sie hab sie
verzigen, die sint reht lugner: sie verzech nie keinen menschen der
sie mit rehtem ernst bat.« Dar zu viel ir ein: »Wol alle [81]
die die got wol getrawen.« Zehant do wart sie got so wol getrawen,
daz sie furbaz immer mer gotlicher sterk mer het denn vor. Sie
verjach vor irm tode, daz ez ir oft dar zu wer kumen, swenn sie
unsern herren het genomen und auch sust an irm gebet, daz sie
vor uberigen gnaden als vol wart als ein vollez vaz von der menige
der suzichait.

Da die zit nu kom daz sie von der werlt solt schaiden, da
sahen etlich swester in dem geist, daz ir sel allen irn geliden danket,
daz sie got so wol gedinet heten. Do kom unser herre Jesus
Christus und sin liebew mueter mit allem himelischen her. Da sprach
sie: »Herre, ich wil neur mit dir.« Mit dem fuer sie in die ewigen
freude on alle pin und on allez mittel. Dise dink wurden geoffen-
bart nach irem tode etlichen personen.

<abs> Ein swester hiez Peters von Birkensee, die waz lang priolin
gewesen und het groz arbeit in der gehorsam gehabet. [82] Die

<<32>>
saz in ir zelle vor irm tode drei tag: do kom unser herre in eins
kindelins wise und waz unmezlich scho&en und spilt vor ir. Da sprach
sie zu im: »Liebez kint, hast du ein muter?« Da sprach ez: »Ja.«
Da sprach sie aber: »Hast du einen vater ?« Da sprach ez: »Ja,
mein vater ist ewiglich gewesen.« Da sprach sie: »So bist du ez,
Jesus Christus.« Da sprach ez: »So bist du ein kint dez ewigen
reiches.« Dar nach starb sie kurtzlich mit einem rihtigen tod.

<abs> Ein swester hiez Ut von Regenspurch, die het vil arbeit
mit den ampten erliten und tet die mit grozem fleizze. Vor irm
tode do kom si ein grozzer siechtum an: da lebt sie mit grozzer
andaht innen, daz sie die engel hort singen daz ambt. Da ward sie
unmezlich fro, daz sie auz brach mit einem jubilo, daz sin alle die
innen wurden die da gegenwertig waren. Unde wenn sie unsern
herren nam, so nam sie in mit so [83] grozzer minne, daz alle
die da von gebezzert wurden die da gegenwurtig waren.

Nach irm tode da sprach unser herre von ir zu einer swester:
»Sie hat mir nah gevolget die weil si moht in rehter gehorsam: da
sie do nimmer moht vor krankheit, do hon ich mich nie von ir ge-
scheiden.«

<abs> Ein swester hiez Diemut Ebnerin von Nurnberch, und waz
im closter gewesen in dem sehs und sehtzzigsten jar, und dienet
unserm herren emziclichen und sunderlich mit grozzem gebet, und
tet da zu die grosten ambt in dem closter von jugent auf. Sie waz
ein junger mensch, da ir unser herre erschain an dem ostertag, und
sach Mariam Magdalenam bei im unde hort und sach alle die dink
die zwischen in baiden geschahen. Dar nach verjach sie, daz ir
unser herre vor vil jar grozzen trost het geben von siner urstend.

Unser herre tet ir kunt <eh>do</eh> <eh>sie</eh> <eh>waz</eh> drizzig jar, er het sie
enpfolhen sand Johans ewangelisten [84] und sant Mertin, und
sprach: »Het ich iht liebers und zerters gehabt, dem het ich min
mueter enpfolhen: dem het ich dich auch enpfolhen.« Do het sie
mangen trost von sand Johans ewangelisten: da enpfalch sie in auch
allen irn freunden, daz sie im vil dinten und sant Mertin.

Sie het auch grozzen trost von den engeln und sprach, sie kant
irn engel auz tausent engeln wol. Zu einem mal do horet sie an
aller engel tag die engel den respons singen »Te sanctum dominum,«

<<33>>
und da sie an den vers komen »Cherubin«, daz sungen sie mit drien
stimmen: daz sprach als gar süezlich, daz waz uber menschlich
sinne.

Sie het die gewonthait, daz sie dem heiligen Gervasio alle tag
etwaz betet. Da erschain ir sein bruder Prothasius und sprach zu
ir: »War umb betest du mir auch niht? Ich bin in dem himel als
hoch als er: du solte mir auch beten.« Daz tet sie do furbaz.

[83] Sie wart auch entzuket in daz irdisch paradis, und
sprach oft: sie west als wol wie ez in dem paradis gestalt wer, als
in dem closter. Da sah sie Heliam und Enoch: die reten mit ir
und zaigten ire die wunder die dar inne waren. Si sach etlich
baume die heten einhalb zitig fruht und bluten anderhalb, etlich
baum trugen die fruht die dennoch niht vol wahsen waz, und die
fruht die vor langer zit ab gevallen waz, die waz als frisch als die
in dez ab vielen. Sie sach ein swester die waz verschaiden auz
irm closter, im paradis. Da sprach sie zu ir: »Bist du noch im
himel niht?« Da sprach si: »Ja ich werlich.« »Waz tust du denne
da? « »Da hat mich got ze trost her zu dir gesant.« »Eya, so sag
mir etwaz von siner scho&en.« Da sprach sie: »Frag mich niht von
seiner schon, frag mich von siner barmhertzikeit: und wer allez daz
laup daz ie gewuhse und allez daz gras und daz immer mer ge-
wehst, wern daz allez meister von Paris, [86] sie konden niht
vol reden noch vol scriben die barmhertzicheit die an got ligt, und
sunderlich die barmhertzicheit die er hat an dez menschen tod. Doch
wil ich dir ein glichnusse <eh>sagen</eh> von unsers herren scho&en, ez ist
aber als unglich an einander als weiz und swartz: und wer ein kirch
von lauterm geslagen golde, und schinen hundert sunnen dar ein
und daz ie die sunne sibenstunt als schon wer und als clar als sie
ietzund ist und schin in daz golt, - daz wer ein grozzer schin:
daz wer der minsten schon niht geleich die an got ligt.«

Sie ubertraht unsers herren marter alle tag. Da ir daz als
we tet, da viel sie ein wunder ein und gedaht, waz freuden die
heiligen im himel haben von sinen wunden. Da ward si entzuket
in den himel und sah unsern <eh>herren</eh> im himel in sinen eren sitzen
und in grozzer wirde, und sach sin wunden an henden und an
füezzen und die im in sin seiten [87] gink, die prehent uber sie
alle und schinen in die heiligen drivalticheit und in allez himelisch
here, und wer niht mer freuden im himel denne von sinen wunden,

<<34>>
ez wer grozzer freuden genuk dar innen. Da sprach unser herre
zu ir: »Nim war, Diemuet, ob du mich erleiden mugst. Du sihst
mich ietzund neur als durch einen slimen: her nach als du mich
wirdest sehen durch den spigel miner gotheit« [...]

Zu einem andern mal do waz sie an ir andaht: da wart sie
aber entzuket in den himel und sah unsern herren in siner clarheit,
unde an unterlaz glanaster von im furen, die waren an irm schin
grozzer unde schoner danne die naturlichen sterne, und sunderlich
drei die brehten uber sie alle und wurfen irn schin wider in die
gotheit. Da gab er ir zerkennen, daz die schein wern die sel die
er auz siner gothait sant in der menschen leib, und sunderlich die
drei daz sint die menschen [88] do mit er sundre wunder mit
wolt tuen: »die muzen von disem widerblik immer mer senung nach
mir haben denn ander menschen. Der selben sel hast du auch ein.«

Sie het vor irm tode einen smertzenlichen siechtum. Da sah
sie unsern herren an daz cruce nageln, und sprach zu ir: »Als vil
ez dir muglich ist, so must du meiner marter glich werden.«

Vor irm tod siben wochen wart sie entzuket an einem tag, daz
man wont, sie wolt sterben. Da si do zu ir selber kom, da sprach
sie zu irs bruder tohter: »Du solt di leut niht mer uber mich bringen
und solt mich niht mer noten ze ezzen, ich vorders denne.« Fur-
baz nert sie sich mit clainer leiplichen speis. Und sprach: »Ich
waiz die dink die uber zweintzig jar sullen geschehen, und sunder-
lich sterben vil menschen nach mir.« Daz geschach auch.

Sie sprach daz wort dik: »Ich han gotes als vil, und het sin
all die werlt als vil, sie het sin genug. Und ist ain [89] grozz
wunder, daz got als volliclich wont in mir, daz wunder ist daz min
hertz niht bricht.«

In den selben ziten do wart sie gebeten, daz sie etwaz sagt
von iren gnaden do sie innen wer. Da sprach sie: »Ich waz ge-
zuket in den himel und sah den auzfluz der gotheit der da fleuzt
in die engel und in die heiligen: do von ist mir und allen men-
schen unsprechenlich.« Da sprach sie: »Moht ich vor krancheit ge-
reden, ich wolt euch sagen von dem himelrich grozze dink.« An

<<35>>
aller heiligen tag do sprach sie: »Ez sint vil heiligen bei mir ge-
wesen und ein grozze schar der engel.« Da fraget man sie, ob sie
der heiligen iht het kennet? Sie sprach: »Ja, ir etlichen wol.«

Ez sah ein swester, daz sie lag vor irm tode in einem hime-
lischen lieht. Dar nach verschied sie mit einem heiligen ende an
dem neunden tag nach aller heiligen tag.

Ein swester die het undern herren lang [90] umb ein dink
gebeten, daz er ir ein urkunde gebe, ob sie zum himel wer, daz
sie ir bete gewert wurde. Daz geschach an dem selben tag in der
selben wochen do sie to&et waz: do kom sie einer swester zu. Da
fragt sie, wie sie sich gehabt? Da sprach sie: »Ich gehab mich
wol: ich neuz die gotheit als volleclich und min sel hat so grozz
gnade und freud mit got, daz er gelobt sei daz er mich ein stund
nie uberhebt hat dez leidens dez ich gehabet han, und mein kran-
cheit hat mich cleret, min siechtum hat mich ewiglich gesterket.«
Und sprach hintz der selben swester: »La dir liep sin daz du mir
gedinet hast: und wer alle dise werlt rotguldin und solst du sie
niezzen als lang du wolst, die mohst du fur den lon niht nemen
den dir unser herre dar umb geben wil.«

<abs> Ein swester hiez Anne Vorhtlin von Nurenberch, die waz
ein getrewe dinerin [91] gotes, und het ein sieche swester, der
dinet sie mit grozzer gedult. Sie tet die grosten ampt mit grozzem
fleiz und waz dar zu ein geminte martrerin: sie trug ein herin
hemde an und vergoz oft ir blut durch die minne unsers herren.

Swer gotes joch tregt, dem macht er ez gern süez und leiht.
Also geschach an der guten frawen: da sie neur virzehen jar alt
waz, do erschein ir unser herre mit siner urstende an dem oster-
tag. Die selben gab siner gotlichen milticheit die teilt er ir mit,
also daz nimmer kein ostertag verging biz an irn tod, er tet ir all-
weg etwaz sunder gnaden.

An aller engel naht da sah sie in einem geistlichen gesiht
under der mettin: da man sang die antiphen »Factum est silencium«,
do kom ein grozze schar der engel in weizzen cleidern und stunden
zu der samenung und sungen ein so suzzen sank, daz [92] waz
uber menschen sinne.

Einez andern tages unter complet da erschain ir unser herre
als er waz umb drizzig jar und zaiget ir sin minneclich antlutz: da
gewan sie unsprechenliche suzikeit von.

<<36>>
Dar nach an einer cristnaht nach der metin da lag si vor einem
alter und sah daz minneclich kint ligen auf einem herten hev, daz
het sin zartez leiblin durch gestochen, daz ez rote rennelin het.
Aber an einem mal, da waz sie an irm gebet: da sah sie in aber
in siner minneclichen kintheit, und het schon gewentlin an und spilt
vor ir gar minneclich. Da ward ir hertz von minnen prinnen unde
gedaht ir: »Und het ich dich, ich gez dich vor rehter lieb.« Do
antwort ez irn gedanken und gepart gar tretzlichen und sprach:
»Ich laz mich niht also niezzen.« Und tet ir die innern sinne auf
und gab ir ze versten, daz er ez maint auf die heilicheit der sacra-
ment.

Einez tags [93] da waz sie in dem cho&er an ir inricheit: do
erschein er ir mit siner erlichen urstende. An dem dritten tag dar
nach do erschinen ir drie herren und umbgap sie ein himelisch
gewant, daz ein person dar auz wart, und zaigt ir do mit sein lobe-
lich drivaltichait. Do goz er in si den fluz der gotlichen suzzikeit:
der wert ir in irm hertzen drizzig tag.

Da si do waz umb funfzig jar, do wart sie erwelt zu einer
priolin. Da tet aber unser herre als der seiner geminten nie ver-
liez, und sprach disev gnodenreiche wort zu ir: »Ich wil bei dir sein
in allen dinen sorgen und wil dich beschirmen vor allen dinen vinden
und wil dich mit eren losen.« In der zeit ging sie vil unmutez an
von dez ambtes wegen. Daz sie einez tagez an irm gebet waz, da
sprach sie zu unserm herren: »Ach herre, daz du mir so wol gelobt
hast und daz ich nu so ellendiclich leide!« Do sprach unser herre:
»Ich han dich nie kein [94] weil gelazzen, ich hab alle weg bei
dir gewont.« Sie hub ir augen auf unde blicket in an: do waz er
in der schone als er waz umb drizzig jar, unde tet drie trit fur
sich und sprach: »Du must in min fuzztrit kumen.«

Aber do het si vor etlichen jaren an einem ostertag war ge-
nomen, wie die naturliche sunn spilt: da sah sie unsern herren in
den wolken, und het den vannen in der hant, und knit Maria Mag-
dalena vor im, und spilt die sunne gegen im.

Da si do als lag siech die sehs tag vor irem tode, da las sie
die schonsten vers die an dem salter waren. Als man denne zu ir
sprach, ez tet ir we, so sprach sie: »Ich mag sin niht gelazzen, mir

<<37>>
ist nindert we.«

Einez tagez do waz sie an irm gebet und opfert unserm herren
ir leiden under stilmezze. Do erschain er ir in einez junglingez
weiz und sprach zu ir: »Ge in daz siechaus, so wil ich zu dir [91]
kumen und wil dir all din sach wol auzrihten.« Da sie nu in daz
siechaus kom, do begraif sie ein naturlicher siechtum, der wert biz
an den sehsten tag. Vor irm tode da gab man ir unsers herren
leicham: da erschain er ir aber mit der urstend.

E daz ir sel von irm leib schied, do hort ein bewerte swester,
als do ein grozz her aufbrichet mit mangerlai suzzem saitenspil.
Da ward ir ze versten geben, daz ez wer Achacius mit sinem her
und wolt bei irem ende sin. Dise swester moht sich niht enthalten,
sie rekt ir hende auf und sprach: »We herre, waz freuden in dinem
haus ist.« Do verschied si mit einem heiligen ende.

<abs> Ein bruder hiez Gotfrit. Dem wart kunt getan, ez solt
siner eniclin ainez kumen zu unser samenung: »der selb mensche
wirt dez wirdig, daz er der marterer lon sol enpfahen.« Dise dink
tet er dem covent kunt vor sinem tode. [96] Daz geschah also
daz der covent seiner eniclin einez enpfink nach etwie vil jaren
nach sinem tode: der selb hiez bruder Rudiger und waz ein wol
gezirter mensch mit allen tugenden, und alle die sin wandel sahen,
die wurden do von gebezzert, unde sunderlich gab man im die zeug-
nisse, daz er ein reiner degen waz. Da er also bei uns gewont het
in daz aht jar, do ward ein ubel tetiger man mit dem closter krigen
umb ein erb. Der sprach zu im, daz er im die priolin hiez gut
geben: »tut sie dez niht, so gest du furbaz ungewerlich zu mir.«
Do sagt er ez der priolin: do gebot sie im bei rehter gehorsam,
daz er tet waz er ze schaffen het und ez durch sinen willen niht
liez. In die gehorsam gab er sich willeclich, und dar nach kurtze-
lich slug er in ze tode do er ze messe wolt gen an einem suntag.
Daz grab da er inne lag, daz hat seit gesmeket als ein aptek: die
zeugnusse gibt manig [97] mensch werltlichs und geistlichs.

<abs> Ein swester hiez Elsbet von Klingenburg und waz des
stifters eniclin. Die bet gar emziclich und sunderlich las sie vil
selter. Vor irm tode wol ahtzehen wochen da kom si ein swer-

<<38>>
licher sichtum an. Da sprach bruder Conrat von Fuzzen ein pre-
diger, sie solt irn willen in gotez willen geben. Da sprach sie: »E
ich mich wider gotez willen wolt setzzen, e wolt ich den smertzen
leiden biz an den jungsten tag.« Da sie nu kom an die zit daz sie
verschaiden solt, da sah ein bewerte fraw, daz sand Johans kom
und stund uber sie. Da sah ein ander swester im geist, daz er
kom mit den zwelf boten und las daz ewangeli »In principio« unde
sprach: »Ich tun dir kunt von unserm herren Jesu Christo, daz er
dir sicherheit hat geben des ewigen lebens.« Da horten siben
swester daz aller suzzest saitenspil in den wolken, daz kom uber
sie: in dem verschied si.

<abs> Sie het ein swester die hiez Elsbet von Waldek. Die waz
ein reht unseliger mensch von [98] irn jungen tagen, und waz
doch ein andehtige swester und het die heiligen tag in grozzen
eren. Da sie mit grozzem ungemach het gelebt biz an irn to&et, da
man ir die mess sank »Requiem«, do horten etlich swester, daz die
engel die messe uber sungen. Da bat ein swester fur ir sel. Da
antwort ir unser herre und sprach: »Ich wil ir genedig sin. Si ist
mir dar an glich gewesen: ich gewan nie keinen guten tag uf
erden, daz ist auch an ir ergangen.«

<abs> Ein swester hiez Elsbet Ortlibin, und die waz suppriolin
und waz an allen irem tuen ein ordenlicher geistlicher mensch. Sie
verjach vor irm tode, si wer drew jar gewest alle tag, daz ir unser
herre ie under dem ewangeli sine taugen und kunftige dink ge-
offenbart het.

Ir waz unser fraw gar liep. Ez gefugt sich zu einem mal in
octava assumpcionis: da man sang die sequencen »Salve mater sal-
vatoris«, da sah sie daz unser fraw [99] ob den swebt die mess
sungen, und het sie alle mit irm mantel umbvangen, und da sie
sungen den vers »Salve mater pietatis et totius«, do kom ein grozzer
gotlicher schin und bedacket unser frawen. Da ward ir ze versten
geben, daz wer die gotheit, daz sie der mer het enpfangen wann
dhein creatur. Disev fraw verschied mit einem rihtigen tod.

<abs> Ein swester hiez Kunigund von Vilsek und waz dez caplans
Ulschalks tohter, und waz ein getrewe dinerin gotes wol ahtzzig
jar, und waz ein rihtigew fraw, und sie het der pabest selber geert.

<<39>>
Nu het sie der covent gern zu einer priolin genomen und clagten
sie oft unde sprachen: »Awe daz dich got niht lezzet gesunt sein
daz du uns so reht nutz werst zum ampt.« Da sprach sie: »Ich wil
e siech sin biz an min ende, e ich priolin wolt sin.« Die begirde
sah unser herre an und liez sie alweg siech sin. Da het sie [100]
gar ein heilige gespiln, die dint ir gar minneclich. Da die gestarb,
da enpfalche man sie einer maid, die tet ir gar herticlich. Einez
tagez het sies ungezzen lazzen daz ir all ir kraft vergangen waz.
Do komen zwen engel gangen in zweir schonen jungling weis und
heten durchsihtig weiz gewant an, und trug der ain ein tweheln
umb sin keln und ein grozze scho&en schuzzeln mit vischen und ein
schonez brot. Der ander trug ein kanelin mit gutem win, und riht
sie auf und berait ir daz tischlin, und legten sie wider nider und
verswunten. Do kom die mait mit grozer hertikeit und sprach:
»Riht euch auf und ezzet.« Da sprach si: »Ich han genuk go&ez.«
Dez wolt sie ir niht gelauben. Da lag eine laiswester an dem
nehsten bet die hiez Elisabet, die sprach: »La si ennot, wann si
hat gezzen.« Wann sie het ez wol gesehen unde gehort. Da liez
die mait dervon.

<abs> Dise vorgenant Elisa die waz der gehorsamsten [101]
menschen einez der in daz closter ie kome: wie swer ir ein dink
waz daz man sie hiz tuen, so tet sie ez on alle widerrede.

Zu einem mal waz si nach einer cristmetin in dem reventer
an irm gebet. Do lof ein schon wenigez kindelin umb si. Da sprach
sie: »Liebs kint, hast du ein muter?« Da sprachs: »Ja.« »Hast du
einen vater?« Da sprachs: »Ja, mein vater der ist ewig.« Da sprach
si: »So bist du unser herre Jesus Christus.« Da verswant ez.

Zu einem andern mal do stund sie in der capeln, und do kom
unser herre und trug ein grunez schapel in der hant. Da bat sie
in umb daz schapel. Da sprach er: »Ich gib dir sin ietzund niht:
her nach so gib ich dirs.«

An eim ostertag nach metin so ist die gewonheit daz vil swester
in dem creutzgang beten. Da naigt sie sich in daz venster da
unsers herren geriht an stet. Do wart sie entzukt unde sah unsern
herren sitzen auf eim tron in siner majestat und die zwelf boten
bei ime und all werlt unter im, und ging ein [102] brehender

<<40>>
schin von sinem antlutz, der waz als clar als tausent sunnen von
im schinen, und stund der himel offen obe im, und kom ie uber
ein weil ein groz schar der engel und die heiligen. Do sie do
wider zu ir selber kom, do sah sie daz der creutzgank voller kin-
delin lof und slugen ire hende ze samen vor freuden gen der ur-
stende unsers herren und sprachen: »Gebt uns auch, gebt uns auch!«
Sie hetz do für, ez wern sel, und sie mainten frawen die die selter
do lasen. Do hort sie di drie tag die engel singen.

An einem tag da wart sie ubergozzen mit gotlichen gnaden,
und da si hintz irm pet wolt gen, do wart sie nider geslagen als
ein mensch der sin leben ietzund enden wil. Da lag sie lang inne,
daz die frawen wonten, sie wolte sterben. Ir erschein sand Mertin
in eins bischofs weise und sprach zu ir: »Man sol mir min messe
niht abbrechen.«

Vor irm tod einez tagez da waz si aber in der cap-
peln. [103] Da erschain ir unser herre als er waz umb zehen jar, und
trug einen krantz in der hant und satzt in ieder frawen auf die in
der capeln waren und nam in wider, unde ze jungst satzt ern ir
auf und liez irn. Da verstunde sie sich wol, daz er sie von diser
werlt wolt nemen. Vor irm tode sehs tag do horet ein swester
daz aller suzzest saitenspil daz ie gehort solt werden, auzzen an
dem vensterlin da sie lag nach complet, und do daz lang gewert
biz verre in die naht, da keret sie sich hintz der caplan haus: da
wert daz saitenspil als lang. Da starb her Friderich caplan uber
zehen wochen dar nach.

<abs> Diser heilig caplan waz ein gotlich man in allem sinem tun.
Als er bei den leuten waz, so waz er so minnesam daz ez wunder
was, und als er denne an sinem gebet was, so waz er so inhitzzig
daz ez on maz waz. Er waz gezirt mit allen tugenden. Do ez nu
dor zu kam daz im unser herre seiner arbeit lonen wolt, do danket
er unserm herren mit grozzem [104] fleiz und sprach: »Herre,
bis mir genedig und gedenk dar an, daz mir von minen kintlichen
tagen alle dine werk wol haben gevallen.« Do kom sin geselle her
Heinrich der caplan uber in mit grozzer clag und sprach: »Geminter
vater und getrewer bruder, ich dank euch aller der trewen die ir
mir ie erzaigt habt, und ir sult mir vergeben, wa ir von mir be-

<<41>>
trubt sit worden.« Da sprach er: »Ich bin nie von euch betrubt
worden. Daz ir mir etwen herticlich tat, daz dint ich wol, denn
ich wol merket daz euch got gutlicher tet und daz ir euch vor
mir dez hel nampt.« »Daz han ich in keiner unminne getan.« »Ich
vorht dez, ir ergert euch mins lebens.« Da sprach er: »Dez han
ich mich nie geergeret: ich bin all weg von euch gebezzert worden.«
Si verjahen dez baide, daz sie virzig jar bei einander gewesen
waren, daz sie kein unminne oder trubsal nie uber naht gen ein-
ander heten gehabt.

Die vordern [105] naht e daz er sturbe, da sah ein be-
werte swester in eim geistlichen gesiht, daz die aller wunneclichest
fraw die ie gesehen wart, <eh>kom</eh> und braht mit ir ein groz zierlich
schar, und stund an die stat do er begraben waz. Si het da für,
ez wer unser fraw, die hochglobt muter unsers herren, mit dem
himelischen her.

Dise swester sah an der naht do er sterben wolt, unsern herren
und unser frawen ob im mit dem himelischen her, als sie ez vor
gesehen het. Da sach ein ander swester in eim geistlichen gesiht,
daz die heiligen komen und trugen puntlin in der hant. Do wart
ir ze versten geben, ez wer der groz dinst den er den heiligen ge-
tan het, von dem er ewigen lon solt haben.

Ez widerfuer driem menschen, daz er on allez mitel in die
ewigen freud wer gevaren.

<abs> Ein swester hiez Elsbet Mairin von Nurenberch. Die waz
ein reiner mensch allez irs lebens, und sprach oft, daz sie [106]
nie keinen belangen in die werlt gehabt het, und begert hintz
unserm herren: waz er ir guts wolt tun, daz er ir daz an irm tod
geb. Einez tagez do wart sie sich als ubel gehaben, daz man wont
sie wer to&et. Da sprach sie: »Unser herre ist hie gewesen und hat
mir sicherheit geben ewigs lebens.« Do sie nu sterben solt, do kom
unser herre mit auz gebraiten armen, und unser fraw die braht
einen brief, da stund an daz lang gebet daz sich anhebt »Ave
Maria«, - daz het si umb ir ende gelesen, - und sant Johans
ewangelist und der engel und der heiligen ein groz schar: in dem
verschiet sie.

Nach irm tode kam si her wider einer swester und trueg ein

<<42>>
grüenez gewant an mit grozzer gezirde und ein herlich kron auf
irm haubt. Si het ein furspan mit edelm gestein, daz bedekt ir
allez ir hertzze und waz lauter als ein spigelglas: da sah man allen
den dinst innen den sie [107] unserm herren ie het getan.

<abs> Ein leiswester hiez Agnes von Entenberg, gar ein feiner
mensch und ein getrew dinerin unsers herren. Die wart eines tags
gefrogt, ob ir unser herre iht sunder gnaden tet? Da sprach sie:
»Do von wil ich niht reden, on ein dink: ich bin etwenne virtzehen
tag und naht nach einander gewesen, daz ich als gro&ez suzzikeit
han gehabt von got, daz wenig unnutzzer gedank in min hertz
kom. In den selben zeiten bruft ich, daz ez mich irret minez sla-
fens und ezzens.«

<abs> Ich wil euch sagen von Elsen von Regenspurch. Bei der
stund ich an einem pfingstag: da sah ich unter dem »Veni creator«,
daz der heilig geist kom in einer tauben weise auf ir haubt und
ein fevrin rat daz swebt ob ir.

Do dise swester Agnes an irn tot kom, do horten zwo swester
daz aller suzest saitenspil daz ie gehort wart in den luften ob ir:
in dem [108] verschiet si mit einem rihtigen ende.

<abs> Ein swester hiez Gerhus Crumpsitin von Nurenberg, und
waz von irn jungen tagen ein siecher mensch, und waz gar an-
dehtig und het vil anvehtung. Do unser herre irs leidens ein ende
wolt machen, an einem cristabent da sprach sie: »Unser herre ist
hie gewesen und hat mir gar gutlich getan und hat mir allez mein
leiden benomen, und hat mir gelobt, ich sull »Gloria in excelsis«
heint im himel singen.« Daz geschach unter der cristmesse, da ver-
schied sie.

<abs> Ein laiswester hiez Osanna: die kom zu uns in irn alten
tagen, und waz ein guter mensch. Do die an irm tode lag, da
verjach sie dez, daz sie die engel gehort het singen ein gesank,
daz waz uber menschlich sinne, und daz unser herre und unser
frawe bei ir wern gewest und heten sie gesichert ewigs lebens, und
sant Mertin wer zu ir komen in bischofs gezirde und het ir [109]
unsers herren licham geben. Do starb sie mit einem heiligen ende.

<abs> Dise vorgenant swester Kungunt von Eystet, die den baum
sach, waz betrubet zeimal und ging zu unserm herren und clagt

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ims. Da antwort er ir unde sprach: »Gehab dich wol, ich wil dich
dinez leidens mit mir selb ergetzzen.« Einez andern tags do er-
schein ir unser fraw und het ir kindelin am arm. Und sprach zu
dem kindelin: »Liebez kint, wie haist du?« Do sprach ez: »Jesus
suzzelin.« Do wolt sie daz kint der mueter genomen haben: do
wolt ez zu ir niht und slo&ez sich der muter umb die kelen. Da
sprach sie: »Liebez herrelin, waz wilt du mir danne geben?« Da
sprach ez: »Daz du bist ein kint dez ewigen reichs.«

Da sie nu an irem tode lak, da sprach sie: »We, waz sih ich
schoner kindelin!« Da die swester zu ir sprachen: »Wa für hast du
sie?« da sprach <eh>sie</eh>: »Ez sint sel und warten mein.« Dar nach
sah sie sand Dominicum und sand Peter. Da erschain [110] ir
do die heilig drivalticheit in ir clarheit. Da sprach sie: »Mich wil
die heilig drivalticheit mit ir hin nemen.« Und sprach daz »Salve
regina«, und unter dem wort »Jesum« da ging ir die sel auz.

<abs> Ein swester hiez Elsbet von Reichnek: die waz ein wol
gezirter mensch aller tugende und ein getrewe dinerin unsers herren.
Do die an irm tod lak, einez tags e daz sie sturb, da wart sie sich
als ubel gehaben daz mant wo&ent, sie wolt sterben. Da hub sie
den vers an mit lauter stimme und sank »Trinitati lux perhenni«.
Dar nach an der naht do verschiet sie mit einem heiligen ende.

<abs> Ein laiswester hiez Berht und waz von Nurnberg. Die waz
gar ein gehorsamer mensch: sie waz nimmer so inner an irm ge-
bet, sie ging do von durch die gehorsam. Sie bran reht in irm
gebet als ein vackel, daz man nimmer keinen tag konde gebrufen,
sie waint, und nam [111] nahent alle tag ein disciplin, swenn sie
niht ze pet lag. An dem tag als man daz ewangelie list, daz unser
fraw ir kint vant, da erschain er ir als er waz umb zwelif jar, und
trueg ein grüenez gewant an und het ein grunez schapel auf. An
dem ahten tag dar nach do erschain er ir als er geborn waz: von
der gesiht wart si sere entzunt, daz sie naht und tag in jubiliren
waz lang zeit.

Sie waz brotmeistrin, und sahen die frawen daz sie oft, swenn
der covent gezzen het, mer brotez auf hub denne sie den frawen
geben <eh>het</eh>.

<<44>>
Zu einem mal an der osternaht do gehabt si sich als ubel, daz
man wont sie wolt sterben. Do stund sie auf und sang: »Crist ist
derstanden.« - Daz geschach ir einez andern mals auch. - Da
sprach ein gotlich stimme zu ir: »Stand auf und gib dem covent
brot.« Daz tet sie und stund auf unde wart gesunt. Und verschiet
mit einem [112] heiligen ende. Amen.